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Fünf Gründe, warum wir den Deich einfach lieben

Als ich vor dreieinhalb Jahren in den Norden gezogen bin, habe ich mich unsterblich in ihn verliebt. Er bedeutet für mich nicht nur Schutz – er ist auch Ausflugsziel, Liegewiese und Sportplatz in einem. Und mit meiner Liebe bin ich nicht allein: Jedes Nordkind steht auf den Deich. 

1. Der Sonnenuntergang

Wenn die Sonne langsam im Meer versinkt, gibt es für mich keinen besseren Ort als den Deich. Ich liebe es, laue Sommerabende auf einer Decke im Gras oder auf einer Bank auf der Deichkrone zu verbringen – den Blick gen Westen gerichtet. Ob mit Freunden oder allein in Gedanken versunken: Die unendliche Schönheit des Sonnenuntergangs toppt jeden Abend auf dem Sofa. Aber, wer es ruhig haben möchte, wird es schwer haben, ein stilles Plätzchen zu finden. Bei fast jedem Sonnenuntergang wird es voll am Deich.

2. Das Feierabendbier

Auch wenn gerade nicht die Sonne untergeht, lädt der Deich zum Chillen ein. Mit Freunden und Kollegen nach der Arbeit auf ein Feierabendbierchen oder eine gemütliche Flasche Wein ans Wasser geht immer. Das ist der Vorteil, wenn man wie ich an der Küste arbeitet. Der große Vorteil: Ich spar mir das Geld, das ich sonst für mein Feierabendbier in der Kneipe ausgeben würde.

3. Richtig viel Wind

Sturm ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben. Als zugezogenes Nordkind bin eine steife Brise gewohnt. Wenn die Böen übers Wasser peitschen und die Schiffe umherschwanken, bekomme ich am Deich ein wohliges Gefühl von Freiheit. Dann stören auch der Regen und die dunklen Wolken am Horizont nicht mehr. Einen positiven Effekt hat der Wind am Deich noch: Ohne ihn könnten die großen und kleinen Kinder keine Drachen steigen lassen.

4. Sportplatz am Wasser

Inlineskater und Fahrradfahrer haben den Deich längst für sich entdeckt. Wenn ich am Wochenende die Seele auf meiner Lieblingsbank am Lohmanndeich in Bremerhaven baumeln lasse, düsen sie an mir vorbei. Auf dem Rasen räkeln sich derweil Sportler bei Yoga und Gymnastik. Und wenn es tatsächlich im Norden einmal schneit, findet sich keine bessere Rodelbahn weit und breit im flachen Land. Für Sportmuffel wie mich, bleibt jedoch nur der Volkssport der Norddeutschen: das Runterkullern.

5. Schutz vor der Flut

Doch der eigentliche Sinn des Deiches hat damit alles nichts zu tun. Seine wichtigste Aufgabe ist, Leben zu schützen. Seit Jahrhunderten hält er das Wasser der Flüsse und Meere von den Menschen fern, die unter seinem Schutz leben. Und dafür lieben wir Nordkinder ihn.

Für so vieles lieben wir den Deich. (Foto: Heike Leuschner)