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Der Klassiker: Warum Streifen in jeden Kleiderschank gehören

Ringel-Alarm: Streifen-Shirts sind für viele ein Muss im Kleiderschrank. Wie aus einer Uniform für Matrosen weltweit Kult-Teile wurden. Und was die Franzosen damit zu tun haben.

Man sagt, ich sei modetechnisch eine kleine Madame: Kurze und dunkle Haare, wenig Schmuck und rote Lippen. Im Sommer gerne mit ausgestellten 7/8-Röcken, dazu schlichte schwarze Tops.  Ansonsten oft klassisch mit schwarzer Hose und Bluse – vor allem aber mit Ringelshirt. Weiß-blau natürlich.

In meinem Kleiderschrank – ich habe das anlässlich des heutigen internationalen Streifen-Tages mal genauer nachgeguckt – finden sich unzählige Streifen-Teile. Wirklich unzählige, beinahe unverschämt viel würde ich sagen. Die Streifen sind längs, quer oder bunt. Sie befinden ich auf Blusen, Tops oder Shirts. Diese wiederum sind aus Baumwolle, Viscose oder Seide. Ja okay, es sind wirklich zu viele Streifen-Teile. Eines dieser „First World Problems”. Aber hat nicht jeder ein Laster? Meins sind eben die Streifen. Aber wie soll ich mir helfen, wenn ich morgens mal wieder nicht weiß, was ich anziehen soll? Dann greife ich eben zum altbewährten Klassiker, dem Ringelshirt.

Wie ist diese Streifen-Omnipräsenz eigentlich zustande gekommen, habe ich mich gefragt? Irgendetwas haben die Franzosen damit zu tun, das ist klar. Aber was, wann, wo, wie genau? Bei meinen Recherchen bin ich auf einen Artikel einer Kollegin von der Neuen Züricher Zeitung gestoßen. Andrea Bornhauser nimmt uns darin mit auf einen schnellen Ritt durch die Streifen-Geschichte. Hier eine noch schnellere Zusammenfassung:

Der Mode-Klassiker hat militärische Ursprünge

Im Jahre 1858 veranlasste die französische Armee, dass Matrosen eine einheitliche Uniform an Deck tragen sollten. Dabei ein weiß-blau gestreiftes Shirt aus Baumwolle, das ursprünglich als Unterhemd vorgesehen war. Als Inspiration diente die Arbeitskleidung bretonischer Fischer.

Das Oberteil, so die Vorschrift, musste auf Vorder- und Rückseite 21 blaue Streifen aufweisen, à 10 Millimeter. Auf den Ärmeln, die eine 3/4-Länge haben mussten, um nicht unter der Uniform hervorzugucken, waren es hingegen 14 Streifen. Warum die exakten Zahlen? Es heißt, dass die 21 Streifen an die 21 Siege von Napoleon Bonaparte über England erinnern sollten. Vielleicht ging es aber auch nur um das bloße Vorhandensein der Streifen, durch welche über Bord gegangene Matrosen anscheinend besser gesehen und damit schneller aus dem Wasser gerettet werden konnten. Eine nicht mehr ganz so heroische Erklärung.

Schon bald wurde das Shirt von den Franzosen, so entzückend wie sie nun mal sind, „La Marinière” genannt. Bei großen Manufakturen wie Saint James, Armor Lux, Le Minor Grammatico ging es in die Massenproduktion.

Coco Chanel: Stil-Ikone und Streifen-Königin

Coco Chanel stilsicher im Ringelshirt im Jahr 1928 (Foto: Wikimedia Commons)

International bekannt wurde das heutige Mode-Musthave erst durch eine ganz besonders stilsichere Dame, Coco Chanel: Während des ersten Weltkrieges hielt sich die französische Modedesignerin oft in Deauville auf, einem Badeort mit Hafen. Madame Chanel ließ sich dort von den Matrosen und ihren Oberteilen inspirieren. Seitdem sie 1916 eine eigene Version herausbrachte, feminin und aus Seide, wurde das Ringelshirt zu einem festen Bestandteil ihrer Mode für selbstbewusste Frauen. Sie selbst trug es gerne in Kombination mit einer schwarzen Marlene Dietrich-Hose. (Was übrigens auch meine favorisierte Kombination ist.).

Noch heute gilt das Streifen-Shirt als Klassiker ihres Mode-Hauses. Karl Lagerfeld ehrte es speziell in seiner Kollektion „Croisière”.

Der weltweite Streifen-Virus bricht aus

Nachdem sich das Streifen-Shirt durch Coco Chanels Werke einen festen Platz in der Mode-Welt gesichert hatte, dauerte es nicht lange, bis es weltweit adaptiert und adoptiert wurde: Intellektuelle, Filmstars, Models, Musiker, andere Designer – jeder wollte das „La Marinière” in seinem Kleiderschrank. Unter den Persönlichkeiten zum Beispiel: James Dean, Audrey Hepburn, John Wayne, Brigitte Bardot und Pablo Picasso. Sie alle trugen Streifen. Insbesondere Jean Paul Gaultier zelebrierte das Kult-Stück. In den 80er Jahren ließ er sich sogar von einem Künstlerduo im heiß geliebten Streifen-Look inszenieren. Streifen gelten seitdem als sein Markenzeichen.

#jimmydean #lesrayures #lamariniere #stripesandastar

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Kein Wunder also, dass dem Streifen-Shirt noch immer ein Hauch französischer Leichtigkeit und Lässigkeit anhaftet und es daher auch von rockigen Persönlichkeiten gerne getragen wird. Von dem Ex-Skandal Pärchen Kate Moss und Peter Doherty zum Beispiel. Auch Kurt „Gott hab ihn seelig” Cobain wurde in den 90er Jahren oft im Ringel-Style gesichtet.

Genauso sehen es anscheinend It-Girls wie Alexa Chung, Bloggerinnen wie Leandra Medine und Blaublüter wie Herzogin Kate. Auch bei ihnen herrscht regelmäßig Streifen-Alarm. Lässig zu Jeans oder elegant zu weißen Hosen. Wie auch immer: Streifen gehen immer, findet Kollegin Andrea Bornhauser und natürlich auch meine Wenigkeit. Ohne Streifen wäre mein Kleiderschrank nur halb so voll, äh, nur halb so schön meine ich.

Blue Monday.

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Janina

Über Janina Kück

Hat zwei Herzen in ihrer Brust: Das einer kleinen Madame mit einem Faible für französische Mode - Ringelshirts, rote Lippen und Kurzhaarschnitte - und das eines RockʹnʹRoll-Girls, für das laute und wilde Konzerte genauso wichtig sind wie Sauerstoff. Ihre Liebe für Rotwein und Kaffee ist irgendwo dazwischen. Genauso wie ihre dunkle Leidenschaft für Pete Doherty. Janina hat NORDKIND mit ins Leben gerufen.

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