Kombo J: Zwei Hamburgerinnen gründen ein soziales Modelabel

Es war einmal ein Mann, der stellte einen Korb mit süßen Früchten unter einen Baum. Er sagte zu den Kindern eines afrikanischen Stammes, dass derjenige, der als erstes am Baum sei, all das Obst alleine essen dürfe. Die Kinder aber nahmen sich an die Hand, gingen gemeinsam zum Baum und teilten die Früchte unter sich auf. Wieso sie das taten? Ubuntu – Ich bin, weil wir sind, sagten die Kinder. Ein afrikanisches Sprichwort, dass sich zwei Hamburgerinnen zu Herzen genommen haben.

Nele Wüstenberg wohnt in einem schicken Loft in einer ehemaligen Fabrik in Hamburg-Bahrenfeld. Die 24-Jährige ist Instagrammerin, im Social Web eine erfolgreiche Influencerin, die über Mode, Lifestyle und Reisen schreibt und damit ihren Lebensunterhalt verdient. Hunderttausend junge Menschen folgen ihr und ihrem schönen Leben. Doch das ist es nicht, was Nele Wüstenberg ausfüllt. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Trues-Maiken Henningsen will sie helfen, Gutes tun, andere unterstützen. Die beiden haben Ende vergangenen Jahres ihr eigenes Modelabel „Kombo J“ gegründet. Zehn Prozent des Erlöses geht an soziale Projekte, mit denen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen auf der ganzen Welt unterstützt werden sollen. Vergangene Woche flogen die beiden Hamburgerinnen nach Kenia, um die allerersten Spenden vor Ort zu überreichen, an die Diani Busara Junior School in Ukunda, einem Küstenort Kenias, 30 Kilometer südlich von Mombasa.

Es ist der Ort, an dem alles anfing. Trues-Maiken Henningsen arbeitete dort Anfang 2017 mit dem gemeinnützigen Verein Future for Kids als Volontärin, gab Deutsch- und Englischunterricht, assistierte im Kindergarten, spielte mit den Kindern oder fuhr mit ihnen ins Krankenhaus. „Die Kinder im Dorf sitzen stundenlang unter einem Baum und warten darauf, bis eine Mango runterfällt.“ Die gebürtige Nordfriesländerin erfuhr von Elend und Armut. „Ich habe überall geholfen, wo Not war“, erzählt die 23-Jährige. Nicht allen kann sie helfen.

Waisenjunge hat sie tief beeindruckt

In Ukunda stößt sie auf den kleinen Waisenjungen Kombo Juma. Ihn hat es besonders schwer getroffen. Erst erkrankte er an Malaria, kurze Zeit später konnte er aufgrund einer Ohrenentzündung nicht mehr hören. „Und trotzdem war er so fröhlich und lebensfroh. Das hat mich tief beeindruckt.“ Der Afrikaner geht der Hamburgerin nicht mehr aus dem Kopf, auch zurück in Deutschland nicht. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin entschließt die 23-Jährige kurzerhand: Sie will etwas auf die Beine stellen, mit dem sie helfen können und gleichzeitig Werte wie Gerechtigkeit und Zusammenhalt in die Welt hinaus tragen. Nur zwei Monate später gründen die Frauen in Hamburg ihr eigenes Modelabel, das sie Kombo und seiner positiven Einstellung widmen. Das Motto: i am because we are („Ich bin, weil wir sind“).

Nun, ein Jahr später sind sie nun wieder in Kenia — als Unternehmerinnen mit ihren ersten gesammelten Spenden. Die Reise haben sie selbst bezahlt. Zehn Tage lang wollen sie die Schule unterstützen: tatkräftig und finanziell mit ihren Spenden. Viel ist noch nicht zusammengekommen, doch es hilft. Auf dem Programm steht auch ein Besuch in Nairobi in der Textilfabrik „Kiboko Leisure Wear“. Dort lassen die beiden Hamburgerinnen ihre Shirts aus Bio-Baumwolle fair produzieren. Die ersten nach eigenen Entwürfen designten 630 Shirts sind fast verkauft, nun sollen die nächsten produziert werden. Vier Ausführungen gibt es: Shirts in weiß oder schwarz, für Männer und Frauen, mit dem dezenten Aufdruck „KOMBO J: i am because we are“. Hoodies und Kindermode sollen bald folgen. „Wir haben viel Zeit und Arbeit in die Gestaltung der Shirts investiert.

„Wir hatten ja keine Ahnung“

„Wir hatten ja keine Ahnung“, erzählt Trues-Maiken Henningsen. „Eigentlich von nichts.“ Die junge Verwaltungsfachangestellte und ihre Freundin, studierte Zahnarzthelferin, haben sich ihr Wissen selbst angeeignet und beigebracht. „Damit wir wachsen können, bräuchten wir nun jemanden, der uns an die Hand nimmt“, so Nele Wüstenberg. „Unser Ziel ist es, langfristige Kooperationen mit gemeinnützigen Organisationen herzustellen.“ Und: Sie würden Kombo gerne ein Haus bauen. „Wir können nicht die Welt retten, aber unseren Teil dazu beitragen.“ Gerade haben sie die Kinder mit einer Puppe aus Deutschland zum Strahlen gebracht. Stolz wird sie herumgereicht.

Gerade in der Gründungsphase wurden die Hamburgerinnen oft nicht ernst genommen. Auf der einen Seite zeigen sie im Social Web eine oberflächliche Welt, auf der anderen Seite machen sie auf das Elend der Welt aufmerksam. Für viele passt das nicht zusammen. „Wir müssen uns nach wie vor rechtfertigen, wenn wir auf Instagram schöne Klamotten zeigen.“ Dabei ist das ihre Möglichkeit, ihre Chance, um Gutes zu tun.

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