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Als Frau in einem Männerberuf

Ich weiß, dass ich mittlerweile nicht mehr die einzige Frau bin, die einen „typischen“ Männerberuf ausübt beziehungsweise einen durch Männer geprägten Studiengang gewählt hat. Dennoch möchte ich meine Erfahrungen in diesem Bereich teilen, da mich ein kürzlich zugetragenes Erlebnis wieder zum Stocken gebracht hat.

Zunächst einmal zu mir: Ich bin 27 Jahre alt und studiere Wirtschaftsingenieurwesen mit der Vertiefung Bauingenieurwesen. Zuvor habe ich eine Ausbildung als Metallbauerin, auch Schlosserin genannt, absolviert und meinen Meister und meine Ausbildung zur Schweißfachfrau beendet. Meine Ausbildung habe ich teilweise im Betrieb meiner Eltern gemacht, war jedoch auch in verschiedenen anderen Unternehmen im Geestland und in Nordrhein-Westfalen tätig.

Bereits und natürlich auch gerade in der Ausbildung wurde mir schnell klar, dass ich mich als Frau hart durchsetzen muss, um ernstgenommen zu werden. Dass es rau zugeht auf der Baustelle, erkannte ich schon nach kurzer Zeit. Dennoch gab es ein ums andere Mal Erlebnisse, bei denen ich erst einmal schlucken musste. Es sind meistens nur schnell eingeworfene Sprüche, die einen jedoch verunsichern. Gerade in der Anfangsphase war ich nicht tough genug, um schnell zu kontern.

„Meine Schuhe müssten mal geputzt werden“

„Meine Schuhe müssten mal geputzt werden, das ist doch deine Aufgabe als Frau.“ „Deine Noten sind nicht gerechtfertigt, aber als Frau hast du Vorteile.“ Sprüche wie diese bekam ich mehrmals zu hören. Bei meinem Meisterstück wurde mir gar erklärt, es würde direkt in den Schrott wandern, wenn mein Vater dies zu sehen bekäme. Surprise, meine selbstgebaute Briefkastenanlage steht immer noch felsenfest an Ort und Stelle montiert! Haters gonna hate.

Vor Kurzem habe ich mit einem meiner Kollegen an einem Lehrgang teilgenommen. Der Großteil der anwesenden Personen war bereits etwas älteren Kalibers  und anscheinend nicht daran gewöhnt, dass eine junge Frau auch in der Lage ist, einen handwerklichen Beruf auszuüben. Wir wurden gebeten, uns mit Kaffee und Getränken zu versorgen, ehe es losging. Daraufhin hat mich einer der alten Herren angeschaut und meinte, er sei es ja eigentlich gewohnt, dass Frauen servieren.

Anstrengend und Kraftraubend

Auch wenn ich mittlerweile älter geworden bin, war ich von dieser Dreistigkeit verblüfft: War das sein Ernst, vor der Gruppe so etwas zu sagen? Ich habe mich zurückgehalten, da ich nicht schon vor Beginn der Präsentation einen Streit beginnen wollte. Vor allem aber, weil ich keine Lust habe, auf so etwas zu antworten. Natürlich könnte ich einen Spruch zurückdrücken, aber ich möchte es einfach nicht. Ich möchte mich mit solchen Dingen nicht befassen. Und ich möchte nicht ständig eine fast feindliche Atmosphäre beim Arbeiten haben. Weil es mir einfach zu anstrengend und kraftraubend ist.

Traurig, dass so etwas heutzutage noch nötig ist!

Außerdem finde ich es traurig, dass so etwas heutzutage noch nötig ist. Dass man sich als Frau noch einmal extra beweisen, sich solche Kommentare gefallen lassen muss. Dass man nicht einfach professionell miteinander umgehen kann. Denn eines habe ich auch gelernt: Ein Konter motiviert die Menschen nur noch mehr, da sie dann davon ausgehen, dass es in Ordnung ist, so etwas zu sagen. Kleine Anmerkung: Es ist NICHT okay. Und es ist auch NICHT lustig.