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Fem-Talk: Über das Kleid, das die Welt erschüttert

Dieses Mal ist es ein schwarzes Versace-Kleid mit einem langen Schlitz am linken Bein, das die Sexismus-Debatte weiter antreibt und Oscarpreisträgerin Jennifer Lawrence (27) sogar den Ruf einer Anti-Feministin beschert. Aber warum die ganze Aufregung, freizügige Kleider gibt es in Hollywood schließlich zuhauf?

Ursache ist ein Fototermin am vergangenen Dienstag, bei dem sich Lawrence mit besagtem Kleid auf einer kalten Londoner Dachterrasse ablichten ließ. Ihre vier männlichen Kollegen holten die dicken Jacken raus. „Gebt Jennifer einen Schal“, lautete eine der harmloseren Reaktion aus dem Netz.

Wie sexy darf es sein? Jennifer Lawrence in dünnem Kleidchen und bei eisigen Temperaturen auf einem Fototermin. (Foto: dpa)

Dass Frauen in Hollywood offensichtlich mehr nackte Haut zeigen müssen als Männer, ist diskriminierend. Dass sie auf dem roten Teppich eher auf den Designer ihres Kleides angesprochen werden als auf die Besonderheiten ihres Film-Charakters, ebenfalls.

Feminismus bedeutet aber nicht, sofort mit dem Finger auf eine Frau zu zeigen, nur weil sie sich ein weit ausgeschnittenes Kleid anzieht. Auch nicht, wenn es draußen kalt ist. Soll sie doch, wenn sie Lust drauf hat! Als erwachsener Mensch muss sie sich dafür nicht rechtfertigen. Vor allem dann nicht, wenn man bedenkt, dass sich die Schauspielerin in der Vergangenheit stets als Kämpferin für Gleichberechtigung profiliert hat, und nicht als Gegnerin.

Die jüngsten Vorwürfe gegen Jennifer Lawrence lenken von den eigentlichen Problemen ab – sexueller Missbrauch, Machtmissbrauch, Ohnmachtsgefühle. Was ist denn jetzt schlimmer, das oder der Schlitz in ihrem Kleid? Die Sexismus-Debatte wird durch die Vorwürfe reduziert, wenn nicht ins Lächerliche gezogen. Für manche wäre Lawrence, mal auf die Spitze getrieben, wohl noch selbst Schuld, wenn man sie belästigen würde. Immerhin präsentiert sie sich offenherzig.

Kein Wunder, dass die 27-Jährige beleidigt ist: „Das ist sexistisch, das ist lächerlich, das ist kein Feminismus“, ließ sie auf Facebook gegenüber ihren 16 Millionen Fans verlauten. Und weiter: „Denkt ihr ernsthaft, ich verstecke so ein schönes Kleid unter einem Mantel oder Schal?“ Die Kritiker sollten sich zusammenreißen, denn: „Alles, was ich trage, ist meine Entscheidung. Und wenn ich dabei frieren will, ist das auch meine eigene Entscheidung!“

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Janina

Über Janina Kück

Hat zwei Herzen in ihrer Brust: Das einer kleinen Madame mit einem Faible für französische Mode - Ringelshirts, rote Lippen und Kurzhaarschnitte - und das eines RockʹnʹRoll-Girls, für das laute und wilde Konzerte genauso wichtig sind wie Sauerstoff. Ihre Liebe für Rotwein und Kaffee ist irgendwo dazwischen. Genauso wie ihre dunkle Leidenschaft für Pete Doherty.

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