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Norwegen: Ein Zauber von Fjorden, Bergen und Trollen

Mächtige Berge, schneebedeckte Gipfel und tiefblaue Fjorde. Eine Reise durch den Westen Norwegens lässt einen vor allem eins: Staunen. Denn egal in welche Richtung man blickt, die Schönheit der unberührten Natur ist überwältigend. Es ist wie ein Zauber, der einen nicht wieder loslässt.

Ein Zuhause zwischen schneebeckten Bergen und tiefblauen Fjorden: Ein Traum, den ich als Student ein Jahr leben durfte. „Vestlandet” heißt die Region Norwegens, die sich entlang der Atlantikküste erstreckt und die jeder vor Augen hat, wenn er an Norwegen denkt.

Einige Tage reichen kaum, um diese atemberaubende Region zu erkunden. Ich selbst habe es kaum in einem Jahr geschafft. Trotzdem lege ich jedem ans Herz, dorthin zu fahren wenn auch nur für einige Tage. Am besten lässt sich das „Vestland“ mit dem Auto erkunden: Mit einem Roadtrip entlang der Fjorde zwischen den Küstenstädten Bergen und Trondheim. Eine Reise zu den Must-See-Places und entlegenden Orten voller Schönheit.

Grafik: Lena Gausmann

Bergen

Bergen ist der Startpunkt der Reise nordwärts durch den Westen Norwegens. Die Stadt ist nach der Hauptstadt Oslo die zweitgrößte Stadt des Landes, beliebt bei Studenten und Touristen. Und Bergen hat einen ganz besonderen Charme.  Das findet auch Per-Tore, ein Freund aus meiner Zeit in Norwegen, der für sein Studium aus dem Süden dorthin gezogen ist:

Per-Tore Gisletveit

25 Jahre alt

wohnt in Bergen

Was sind deine drei Must-See-Places in Bergen?

Zuallererst Fløen! Von dem Berg hat man einen tollen Blick über die Stadt. Man kann hochwandern oder die Seilbahn nehmen. Auch Bryggen ist ein toller Ort. Der Stadtteil ist hunderte Jahre alt und geht auf die deutsche Hanse zurück. Das dritte Must-Watch ist Troldhaugen. Besonders für Musik-Liebhaber ist das interessant. Es ist das Zuhause des großen skandinavischen Komponisten Edward Grieg.

Was ist dein Geheimtipp?

Der Pub Apollon in der Håkonsgaten. Dort spielen verschiedenste Musiker von Jung bis Alt. Du hörst nie ein Lied doppelt, selbst wenn du jeden Tag in der Woche dort bist. Es ist wundervoll! Außerdem gibt es zahlreiche Biersorten von Mini-Brauereien. Wer Musik fernab vom Mainstream, Bier und eine gemütliche Atmosphäre mag, ist dort richtig.

Was magst du besonders an Bergen?

Ein Lehrer von mir beschrieb Bergen einmal als ein Mix aus Klein- und Großstadt. Bergen hat den Charme einer Kleinstadt mit seinen zahlreichen Gassen. Zur gleichen Zeit passiert aber auch viel – kulturell und wirtschaftlich. Ab und zu gehe ich in den Bergen nahe der Stadt wandern. Man ist schnell dort und kann wieder auftanken.

Fjærland

Die Schönheit eines Gletschers versteht man erst, wenn man einen gesehen hat. Wie er blau-weiß glitzert in der Sonne, wie mächtig er ist. Fjærland ist ein guter Startpunkt, um zu einen der drei Gletscher der Region zu wandern. Der Jostedalsbreen ist der größte Gletscher auf dem europäischen Festland. Von Mai bis Oktober gibt es geführte Touren. Auf eigene Faust hochwandern, sollten nur erfahrene Wanderer. Wer eine größere Tour plant, bleibt in Fjærland am besten über Nacht: Zum Beispiel in einer der gemütlichen Holzhütten, die man direkt am Fjord mieten kann.

Geiranger

Der Geirangerfjord ist einer der bekanntesten Orte des Landes. Bilder des Fjords schmücken so gut wie jeden Reisekatalog über Norwegen. Doch auch wenn der kleine Ort Geiranger am Ende des Fjordes besonders im Sommer von Touristen überlaufen ist, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall. Die Schönheit des tiefblauen Fjords zwischen den hohen Bergen ist atemberaubend. Nicht ohne Grund ist der Geirangerfjord Unesco-Weltnaturerbe. Die schönsten Eindrücke bekommt man, mit einer Fährfahrt durch den Fjord entlang von Wasserfällen (wie dem bekannten Sieben-Schwestern-Wasserfall) und verlassenen Bauernhöfen, die nur mit Boot und Leiter erreichbar sind.

Der Ort Geiranger liegt am Ende des Geirangerfjords: Nur 250 Menschen leben dort. (Foto: Jürgensen)

Sæbø

Dieser kleine Ort ist einer der versteckten Schätze, die ich während meiner Zeit in Norwegen entdeckt habe. Tatsächlich besuchen Touristen dieses Dorf am Hjørundfjord nur, um dort die Fähre zu nehmen oder fahren mit dem Kreuzfahrtschiff daran vorbei. Doch Sæbø ist es wert, einen Moment zu innezuhalten. An sonnigen Tagen scheint das Wasser in sattem Blau, reflektiert die Berge. Wer länge bleiben möchte, kann sich im Dorf auf einem Campingplatz oder in einem Hotel einmieten. Von dort kann man gut in die in die Sunnmøre-Alpen aufbrechen. In den umliegenden Bergen gibt es auch gemütliche Holzhütten, in denen man übernachten kann.

Travel is the only thing you buy that makes you richer.

Sæbø liegt in den Sunnmøre Alpen und bietet viele Möglichkeiten für Bergsteiger. (Foto: Jürgensen)

Runde

Auch die entlegende Insel Runde an der Atlantikküste ist ein wahrer Schatz. Das Highlight der Insel ist „Runde fyr“ – der Leuchtturm. Nur mit dem Boot oder zu Fuß quer über die Insel gelangt man dorthin. Im alten Haus des Leuchtturmwärters kann man übernachten. Es ist eine Hütte des „Norske Turistforening“. Fernab des einzigen Ortes auf der Insel (etwa zwei Stunden zu Fuß) ist eine Nacht im Leuchtturmwärterhaus ein unvergesslichen Erlebnis, ohne Handyempfang, dafür mit Plumpsklo.

Das Wahrzeichen von Runde sind die „Lundefugler“: Papageientaucher. Von Mai bis August brüten sie in den Felsen und ziehen ihren Nachwuchs auf. Selbst Vogel-Muffel verfallen ins Schwärmen, wenn sie die possierlichen Tiere beobachten. Glaubt mir, ich konnte stundenlang nicht weggehen.

Wer Lust auf Aktivitäten hat, kann auf Runde zudem angeln oder mit dem Seekajak lospaddeln. Auch Seehundsafaris starten von dort. Die Weg zur Insel Runde führt übrigens durch den tiefsten Unterseetunnel der Welt: Sein tiefster Punkt ist 287 Meter unter dem Meeresspiegel.

Ålesund

Zurück in der Zivilisation: Ålesund. Die Stadt ist bekannt für ihre Architektur. 1904 ist sie komplett niedergebrannt und wurde im Jugendstil wieder aufgebaut. Die Stadt, besonders das Zentrum, ist auf jeden Fall charmant und lädt zum spazieren und einem Besuch im Café ein. Vom Berg Aksla hat man einen wunderbaren Ausblick über die Stadt. 418 Stufen führen dort hinauf. Ålesund bietet zudem jede Menge Aktivitäten: wandern in den nahe gelegenen Bergen, Kajak fahren, ein Besuch im Aquarium, in der Galerie oder in einem der Museen.

418 Stufen sind es auf den Berg Aksla. (Foto: Jürgensen)

Trollstigen

Es ist die Straße der Trolle: Trollstigen (auf Deutsch: Trollleiter). 1936 wurde sie eröffnet und ist seitdem ein wahrer Besuchermagnet. Mit recht: Denn Trollstigen schlängelt sich spektakulär den Berg hinauf – immer nah am Abhang. Auf halber Strecke kreuzt den Pass der Wasserfall Stigfossen. Doch wer den Trollstig hochfahren und zur Aussichtsplattform möchte, muss auf die Jahreszeit achten: Denn die meiste Zeit des Jahres ist Trollstigen gesperrt. Zu groß ist die Gefahr die engen Serpentinen bei Eis und Schnee hochzufahren.

Atlanterhavsveien

Es ist eine der spektakulärsten Straßen: Von Insel zu Insel über acht Brücken. Besonders bei Sturm ist eine Fahrt über den Atlanterhavsvei beeindruckend. Doch auch bei gutem Wetter sollte man diese Route nehmen. Die Straße wurde 1989 eröffnet, um die Fährverbindung zu ersetzen. 2005 wurde sie zum „Norwegischen Bauwerk des Jahrhunderts“ gekürt.

Über acht Brücken führt der Atlanterhavsvei. (Foto: Jürgensen)

Trondheim

Die letzte Etappe: Trondheim ist Norwegens erste Hauptstadt, der Ort, an dem Könige gekrönt wurden. Gerade für Geschichtsliebhaber eine interessante Stadt. Das findet zumindest Espen, ein Freund aus meiner Zeit in Norwegen, den es nach Trondheim gezogen hat:

Espen Samseth Hansen

28 Jahre alt

wohnt in Trondheim

Was sind deine drei Must-See-Places in Trondheim?

Der Nidarosdom ist das bekannteste Gebäude in Trondheim. Er würde 200 Jahre lang gebaut und dort wurden früher Könige gekrönt. Es ist historisch und majestätisch! Auch Tyholttårnet ist einen Besuch wert. Der Turm ist nicht so ausgefallen wie der Space Needle in Seattle, aber von dort hat man die beste Aussicht über Trondheim. Auch Rockheim ist ein Must-See, zumindest für Musikliebhaber. Es ist Norwegischen Musikern gewidmet.

Was ist dein Geheimtipp?

Mormors Stue ist ein toller Ort für einen Kaffee und eine Zimtschnecke. Das Gebäude und die Einrichtung ist alt und es fühlt sich an wie bei Oma Zuhause. Wirklich Gemütlich! Aber auch das Cafe Løkka ist ein toller Platz für ein Bier, Kaffee und leckeres Essen. An den seltenen Sonnentagen kann man schön draußen sitzen.

Was magst du besonders an Trondheim?

Trondheim hat viel zu bieten: Essen, Musik, historische Orte, Natur und Parties. Man kann alles machen, ob ausgehen oder den Fluss, die Nidelva, entlang paddeln.

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