Foto: Katja Gallas

Trendsport Padel: Ein wilder Cocktail aus Tennis und Squash

Ausgerüstet mit einem kurzen, eckigen Schläger stehe ich in einem übergroßen Terrarium aus Glas und Zaunelementen – eine Art Tennis-Court der Zukunft. Tennisvereine kämpfen seit vielen Jahren mit schwindenden Mitgliederzahlen. Kein Wunder also, dass neue Sportarten den Weg in die Clubs finden. Bei Schwarz-Weiß Cuxhaven soll Padel neuen Schwung auf den Platz bringen: „die am schnellsten wachsende Sportart der Welt“.

Das Terrarium ist eigentlich ein Padel-Platz und der Schläger gehört zur Ausrüstung eines Padel-Spielers. Wolfgang aus Cuxhaven steht auf der anderen Netzseite und schlägt den ersten Ball auf. Mir fliegt ein weicher Tennisball entgegen – ein Mal zurückgespielt, zwei Mal zurückgespielt – dann fliegt der Ball in hohem Bogen aus dem Padelplatz. „Ein Profi wäre jetzt rausgerannt und hätte den Ball durch die Tür wieder ins Spiel gebracht“, sagt Wolfgang und lacht, während er von irgendwo einen weiteren Ball herzaubert. Na, das fängt ja gut an, denke ich, aber mein Ehrgeiz ist geweckt.

Der erste Doppel-Padelplatz Deutschlands wurde 2011 von Mitgliedern des Vereins Schwarz-Weiß Cuxhaven gebaut. (Foto: Katja Gallas)

Padel-Pioniere

Schwarz-Weiß Cuxhaven gehört mit der Eröffnung des ersten Doppel-Padelplatzes 2011 in Deutschland zu den Pionieren. Begeisterte Vereinsmitglieder brachten die hier damals unbekannte Rückschlagsportart aus dem Spanienurlaub mit – dort ist Padel nach Fußball der beliebteste Breitensport. „Es ist eine Mischung aus Tennis und Squash. Die Regeln gleichen eher denen im Tennis. Dass die Wände im Spiel mit einbezogen werden, kommt aus dem Squash“, erklärt Jan Kraßmann, Abteilungsleiter Padel, am Spielfeldrand.

Mexikanischer Sport auf Erfolgskurs

Padel wurde vor mehr als 40 Jahren in Mexiko erfunden und fand den Weg über das spanische Königshaus nach Europa. Der Sport verbreitet sich seit vielen Jahren, vor allem in Südeuropa, rasant – aber auch Sportler in Frankreich und den Niederlanden, vor allem aber in Schweden, haben sich längst mit dem Padel-Fieber angesteckt: Laut Deutschem Padel Verband gehört Padel zu den am schnellsten wachsenden Sportarten der Welt.

Abteilungsleiter Jan Kraßmann ist selbst leidenschaftlicher Padel-Spieler. (Foto: Katja Gallas)

Padel kann jeder: Das behauptet zumindest Jan Kraßmann. Kraft spiele beim Padel eine untergeordnete Rolle, daher sei der Sport in jedem Alter und mit jedem Fitness-Stand leicht zu erlernen. „Man erzielt sehr schnell Erfolgserlebnisse“, ist Jan Kraßmann überzeugt, Ob das auch für mich gilt? Voller Elan spurte ich dem nächsten Ball entgegen. „Nicht so hektisch“, ruft Wolfgang übers Netz, „du hast viel mehr Zeit, als du denkst.“ In dem Moment rutschen mir auf dem sandigen Kunstrasen-Boden die Füße unter dem Allerwertesten weg und ich lande unsanft auf eben diesem. Nicht. So. Hektisch. Die Warnung kam für mich etwas zu spät – genauso wie der Hinweis, dass man besser Tennisschuhe mit mehr Grip trägt. Jetzt verstehe ich auf jeden Fall, wieso. Spaß habe ich aber sowohl im Spiel als auch auf dem Boden.  Die Atmosphäre ist locker, die Spieler allesamt gut drauf. Deswegen geht es auch direkt weiter.

Open-After-Work-PaDel

Trotzdem scheint der Sport noch nicht richtig in Cuxhaven angekommen zu sein. Durch mehr Präsenz in den sozialen Netzwerken und der Gründung einer Niedersachsenliga soll sich das jetzt ändern. Dazu kann auch das Open-After-Work-Padel beitragen. Jeden Dienstag bringen sowohl Interessierte als auch Padel-Spieler von 18 bis 20 Uhr (Feldweg 66/68, 27474 Cuxhaven) gemeinsam den Ball über das Netz. Die Idee scheint aufzugehen. Es seien bisher immer neue Gesichter da gewesen und in der Regel komme jeder, der es einmal ausprobiert habe, auch wieder, sagt Kraßmann.

App-gestützter Sport

Jan Dieckhoff ist so ein neues Gesicht und zum zweiten Mal beim After-Work-Padel. Er war direkt infiziert: „Padel hat einfach die perfekte Mischung für mich. Man ist draußen und kommt gut ins Schwitzen. Aber ich kann trotzdem ein, zwei Stunden durchhalten.“ Ein großer Vorteil für Sportinteressierte mit wenig Zeit ist die Organisation des Trainings über die Padel-Track-App. Darüber können sich Spieler jedes Niveaus zum Training verabreden und der Platz ist auch direkt reserviert. „Gute Sache, so ein App-gestützter Sport“, ruft Dieckhoff über den Platz, bevor er den nächsten Ball aufschlägt.

Padel-Vorteile im Überblick:

Die Ausrüstung ist deutlich günstiger als im Tennis,

Es sind keine Trainerstunden nötig.

Spaß ist garantiert.

Das Training ist flexibel über die Padel-Track-App organisiert.

Was ist das Besondere an Padel?

Ein Padel-Platz ist deutlich kleiner als ein Tennisplatz, aber von Glaswänden und Zäunen umgeben. Der Bau ist mit 60.000€ für Vereine eine große Investition. Padel wird im Doppel gespielt, der Schläger ist kürzer als im Tennis und nicht bespannt, sondern solide. Kleine Löcher sollen den Luftwiderstand verringern. Gespielt wird mit einem weicheren Tennisball auf Kunstrasen. Die Wände können kreativ in das Spiel eingebracht werden. Dadurch entstehen unglaubliche Spiel-Sequenzen!