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Battle of Styles: Rap vs. Metal

Wer sich mal auf unserem Blog die Mini-Biografien unserer Autoren durchliest, dem fällt vielleicht auf, dass Annika und Sophia einen verdammt unterschiedlichen Musikgeschmack haben. Denn Annika hört gerne Rap, Sophia steht eher auf Metal. Ist es euch gar nicht aufgefallen? Unserem Kollegen Daniel schon. Also hat er sich mit den beiden getroffen, um sich mit ihnen mal über ihre Lieblingsmusik zu unterhalten.

Daniel: Was habt ihr gehört, als ihr heute Morgen zur Arbeit gefahren seid?

Annika: Ich höre jeden Morgen eine Playlist, die ich über mein Handy abspiele. Das sind zu 90 Prozent Deutsch-Rap und zwischendurch ein klein wenig Abwechslung. Die Playlist bleibt immer gleich, ich tausche nur ab und zu einige Lieder aus – sprich, ein paar alte, die ich nicht mehr hören möchte, kommen raus und dafür neue wieder rein.

Sophia: Haha, ich hab heute Morgen Popmusik gehört, das totale Gegenteil von Metal! Aber ich habe auch eine Playlist im Auto, die ich immer höre. Da kommen ab und zu ein paar neue Lieder dazu oder mal ein neues Album, aber viel verändert sich da eigentlich nicht. Im Moment höre ich wieder total gerne ein paar von den alten Klassikern von Metallica.

Daniel: Warum hört ihr genau die Musik, die ihr hört?

Annika: Sie macht mir einfach total gute Laune. Außerdem bin ich fasziniert von den Inhalten der Texte. Man kann unheimlich viel Gefühl darin verpacken und auch mal über die Texte nachdenken und sich damit identifizieren und auch was reininterpretieren. Ein Rapper kann, wenn er gut ist, mit seinen Worten spielen und viele Dinge so passend be- und umschreiben. Wenn dann noch der Beat stimmt, ist alles perfekt.

Sophia: Das geht mir genauso, ich bekomme von Metal total gute Laune. Aber nicht unbedingt wegen der Texte, sondern einfach wegen der Energie, die da drin steckt.

Daniel: Müssen Texte gut sein, damit du die Musik magst, oder sind die eher egal?

Annika: Ich persönlich achte schon sehr auf die Texte, eben weil ich nur deutschen Rap höre. Mir ist die Message des Textes wichtig. Jedenfalls bei den tiefgründigen Liedern. Wenn es um Battle-Rap geht, feier ich die Punchlines.

Daniel: Fühlst du dich von Texten auch mal angegriffen?

Annika: Persönlich trifft mich nie etwas. Aber das kommt immer auf den Zuhörer an. Ich kann verstehen, wenn man dem Gangsta-Rap eher kritisch gegenübersteht. Ich würde mich aber nie von beleidigenden Texten angegriffen fühlen. Der Großteil meiner Musik ist sowieso eher tiefgründig.

Daniel: Sophia, du siehst das mit den Texten aber anders, oder?

Sophia: Ja, das stimmt, ich finde die Texte im Gangsta-Rap echt nicht so cool. Vorm Deichbrand hab ich mich bei Wikipedia ein bisschen über Kontra K und SSIO und so schlau gemacht. Und bei Kontra K stand da: „Seine früheren Gangsta-Rap-Alben enthalten die für deutschen Gangsta-Rap typischen homophoben Elemente sowie ebenfalls typische sexistische, misogyne und chauvinistische Textzeilen.“ Das regt mich total auf. Das klingt doch, als ob das normal und okay wäre, über bestimmte Menschengruppen herzuziehen. Ich muss zugeben, dass ich mich mit Gangsta-Rap nicht im Detail beschäftigt habe, aber können diese „Gangster“ nicht den dicken Max markieren, ohne andere runterzumachen? Und wenn einer damit dann auch noch Geld verdient und gefeiert wird, finde ich das echt nicht cool.

Daniel: Achtest du sonst auch auf die Texte?

Sophia: Jein. Also klar, wenn der Text von einem Lied richtig schlecht ist, dann nervt mich das. Aber ich höre nun mal hauptsächlich Musik mit englischen Texten, und als ich klein war, habe ich das ja gar nicht verstanden. Da war es immer viel wichtiger, dass es gut klingt und das ist heute immer noch so. Abgesehen davon sind die Texte im Metal eh meistens kaum zu verstehen.

Daniel: Könnt ihr euch noch erinnern, wie ihr zu der Musik gekommen seid? Hat euch jemand beeinflusst?

Annika: Mit Deutsch-Rap bin ich schätzungsweise vor zehn Jahren, als ich 13 Jahre alt war, das erste Mal auf einer Klassenfahrt in Berührung gekommen. Da habe ich das ein oder andere Lied auf den Handys meiner Schulfreunde gehört. Und auf VIVA liefen damals noch Musikvideos. Unter anderem auch das Video von Kitty Kat – „Ich bin ein braves Mädchen“. Damals fand ich es so cool, dass auch Frauen in der Rap-Branche vertreten sind, dass ich ein großer Fan von Aggro Berlin geworden bin.

Ich denke, dass man gerade in der Pubertät von Musik beeinflusst wird und das haben verschiedene Künstler getan. Kitty Kat hat sich damals sehr für die Frauen ausgesprochen, ihnen Mut gemacht und die Integration der Frauen in dieser Stilrichtung vorangetrieben. Das hat mir gefallen und dadurch bin ich auch bis heute dem Deutsch-Rap treu geblieben. Künstler wie Prinz Pi, Sido und Casper gehören einfach zu meinen Favoriten und es kommen auch mal neue dazu!

Sophia: Ich kann mich ganz genau erinnern, wie ich zur „lauten“ Musik gekommen bin. Ich war früher – das ist mir jetzt ein bisschen peinlich – ein Riesenfan von der Kelly Family und ich hab die Musik immer in meinem Zimmer auf dem Kassettenplayer gespielt. Einmal kam mein Bruder in mein Zimmer und hat mir mit den Worten „Hör dir mal ordentliche Musik an!“ eine Kassette in die Hand gedrückt. Da waren zwei Lieder von Rammstein drauf, „Das Modell“ und „Du hast“. Seitdem höre ich Rammstein, da war ich acht. Aber Rammstein zähle ich eigentlich nicht als Metal. Der erste Metal-Song, den ich richtig gut fand, war „Freedom Call“ von Freedom Call. Das ist bis heute einer meiner Lieblings-Songs!

Daniel: Und was halten eure Eltern so von eurer Musik?

Sophia: Mein Vater konnte damit nie was anfangen, aber meine Mutter findet laute Musik selber ganz cool. Ab und zu jedenfalls. An Silvester laufen ja im Fernsehen immer Konzerte und da haben wir letztes Jahr zusammen das Rammstein-Konzert geguckt. Das war ganz witzig.

Annika: Meine Eltern identifizieren sich nicht mit dieser Art von Musik und betiteln es liebevoll als „Hottentotten-Musik“. Aber das ist okay, ist einfach eine andere Zeit.

Daniel: Coolstes Konzert?

Annika: Mein coolstes Rap-Konzert war 2013 in Bremen. KIZ haben gespielt und als Vorbands haben sich Kraftklub und Schwesta Ewa die Ehre gegeben. Es war mein erstes Konzert damals und ich stand mit ein paar Freunden in der ersten Reihe. Es war ein tolles Gefühl, alle Texte mitrappen zu können und die feiernde Menge zu sehen.

Sophia: Ich hab vor zwei Jahren Amon Amarth in Hamburg gesehen, das war genial. Die haben so eine coole Show hingelegt und die Songs kann man auch einfach super mitsingen.

Daniel: Könnt ihr euch eigentlich mit dem Image von eurer Musik identifizieren? Und stimmen die Klischees?

Annika: Ich würde (leider) behaupten, dass Rap kein gutes Image hat. Er wird immer als „Ghetto“ oder „Gangsta“ abgeschrieben, mit schlimmen Texten. Allerdings gibt es da ja auch noch eine andere Seite. Es gibt viele Rapper, die lyrisch einfach klasse sind, und es werden oft sogar politische Themen in den Texten verarbeitet. Gerade das finde ich super! Prinz Pi und Kontra K sind da, wie ich finde, lyrisch die besten Beispiele. Das Image gefällt mir natürlich nicht, da man (wie überall!) nicht alles und jeden über einen Kamm scheren kann!

Was mir auch nicht gefällt, ist der Klamotten-Stil. Was früher die Baggy-Pants waren, sind heute die merkwürdigen „Handtaschen“ der Männer. Aber auch da gilt – jedem das Seine.

Sophia: Hmm. Was für ein Image haben Metaller denn?

Annika: Meine Eltern würden sagen: „Das sind alles langhaarige ‚Bombenleger‘!“

Sophia: Haha, stimmt, dass viele von denen lange Haare haben, lässt sich ja kaum leugnen. Und die schwarzen Klamotten. Die tun gerne ein bisschen böse. Aber ganz ehrlich, wenn du mal auf ein Konzert gehst, da sind die meisten einfach super nett! Außer die im Black Metal vielleicht. Ich glaube, die sind echt ein bisschen krasser drauf als alle anderen. Ich mag Black Metal gar nicht, die Musik finde ich total schlimm. Aber ich mag die ganze Ästhetik. Im Metal allgemein, aber auch im Black Metal, mit dem Corpsepaint und so.

Daniel: Hört ihr eigentlich nur Sachen aus eurem Genre oder auch andere Sachen?

Annika: Ich höre zwar viel Deutsch-Rap, aber es gibt da schon auch noch Anderes. Meine absolute Lieblingsband ist Jennifer Rostock, da höre ich die Lieder rauf und runter. In den Charts ist auch manchmal was dabei und ansonsten gibt es ja auch noch House und Techno.

Sophia: Stimmt, Techno mag ich auch, Electro allgemein. Ach, ich höre ganz viele unterschiedliche Sachen. Popmusik zum Beispiel finde ich großartig. Es muss ja nicht unbedingt Justin Bieber sein und dieser ganze Kram, der einen im Radio immer nervt. Da muss man manchmal schon ein bisschen tiefer wühlen. Im Moment höre ich zum Beispiel richtig gerne Me & My Drummer. Ganz allgemein glaube ich, dass jedes Genre in der Lage ist, Lieder zu produzieren, die mir gefallen. Da gibt es echt nur ganz wenige Ausnahmen.

Daniel: Annika, wie findest du denn Metal?

Annika: Ich persönlich würde die Musik nicht hören, aber es gab schon mehrmals Berührungspunkte mit dieser Musikrichtung. Wenn jemand auf der Party seine Playlist spielt, dann höre ich auch den ganzen Abend mal Metal. Außerdem sollte jeder das hören, was er gut findet.

Daniel: Und was hältst du von Rap?

Sophia: Es gibt schon ein paar Lieder, die ich ganz gut finde, Macklemore zum Beispiel. Oder ist das Hip-Hop? Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Rap und Hip-Hop? Ich kenn mich da echt gar nicht aus. Aber sobald ich Deutsch-Rap höre und auf einmal die Texte verstehe, schalte ich eigentlich immer aus. Damit kann ich echt nix anfangen. Sorry!

Musik-Tipps von Annika:

Kontra K – Hoffnung; Erfolg ist kein Glück; Atme den Regen
Prinz Pi – Laura; Schlaflied
Favorite – Ich vermisse euch
Sido – Papa ist da; Mein Testament
Eko Fresh – Aber
KC Rebell – Alles & Nichts

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