Foto: Müller

Wie Philipp Poisel mein Herz berührt hat

„Endlich noch mehr Freunde singen, Freunde tanzen und vor allem Freundschaft feiern.“ So lautet nicht nur das Motto von Philipp Poisels Tour zur Veröffentlichung seines neuen Videos für die Single „Freunde“, sondern auch das Motto eines ganz besonderen Jubiläumsabends in Bremen.

Vergangenen Sonntag war es endlich soweit. Mein Freund und ich machten uns auf den Weg zum Konzert von Philipp Poisel. Damit waren wir natürlich nicht die einzigen. Als wir ankamen, war das Pier 2 in Bremen bereits gut gefüllt. Um kurz vor halb neun wurde es dann plötzlich dunkel und merklich still im Raum. Ich wartete gespannt, was nun passieren würde. Entgegen meiner Erwartung sprang Philipp Poisel jedoch nicht bei vollem Scheinwerferlicht auf die Bühne und begrüßte das Publikum. Stattdessen drang seine Stimme zunächst leise in mein Ohr.

Warmes Licht erfüllt den Raum

Mit „Halt mich. Halt mich fest. Tu sooo, wie wenn das jetzt für immer so bleibt, für immer so bleibt“ zog er das Publikum und mich in seinen Bann. Langsam erfüllte warmes Licht die Bühne und eroberte nach und nach den ganzen Raum. Schließlich trat ein Schatten in das Licht. Das Publikum jubelte, gab sein Bestes, tat so, als würde das jetzt für immer so bleiben. Aber auch Philipp hielt sein Versprechen. Er spielte all die Klassiker, die ich schon hundertfach zu Hause gehört hatte, aber auch Lieder aus seinem neusten Album „Amerika“, die mir noch nicht allzu vertraut waren.

Einige Lieder, die er an diesem Abend sang, wie „Wo fängt dein Himmel an“ oder „Geh nicht“ stimmten mich traurig. Weil sie mich berühren und mich an Erlebtes erinnern. Bei anderen Songs wie „Froh, dabei zu sein“ musste ich unwillkürlich lächeln. Probleme nicht größer machen, als sie sind. Das Leben lieben, auch wenn es mal nicht so läuft, wie man sich das vorstellt. Zu schätzen wissen, was man eigentlich alles hat. Dankbar sein. Das waren Dinge, die mir dabei durch den Kopf schossen. Klar ist das einfacher gesagt als getan. Aber warum immer alles schwerer machen, als es ist?

Seine Texte berühren mich

Als das Lied „Eiserner Steg“ ertönte, rasten mir gleich mehrere Szenen durch den Kopf. Wie oft bin ich schon durch den Park spaziert und habe dieses Lied gehört? Wie oft habe ich selbst dabei tief ein- und ausgeatmet, habe die Augen geschlossen und mir dabei den Wind um die Nase wehen lassen? Philipp Poisels Texte berühren mich. Sie bewegen und beruhigen mich. Ja, manche von ihnen sind traurig und manch einer würde vielleicht sogar sagen, sie seien schnulzig. Aber ich finde sie eben schön. Schön und ruhig. Sie füllen die Stille, ohne sie laut zu machen.

Abends zum Beispiel, auf dem Heimweg im Auto, wenn der Stress vom Alltag abfällt und die Nacht über mich hereinbricht, lausche ich gerne Philipp Poisels Stimme und freue mich dabei auf mein Zuhause, aufs Zur-Ruhe-Kommen und auch auf den Menschen, der dort auf mich wartet. Ich glaube, dass es einigen anderen Menschen an diesem Sonntagabend genauso erging. Jeder hat seine Geschichte und an diesem Abend hatte ich das Gefühl, dass sie jeder für sich durchlebt hat. Vielleicht nicht im Park beim Spazierengehen oder beim Autofahren in der Nacht. Aber irgendwo anders. Bremen und Philipp Poisel blieben an diesem Abend definitiv „Freunde“. Spätestens als Philipp „Ich und Du“ sang und das Publikum „Du und ich und ich und du“ antwortete, war das jedem klar.

Wir singen, tanzen, lachen

Die Begeisterung kannte keine Grenzen. Nicht beim „Happy Birthday“ für den Mann hinterm Keyboard und auch nicht, als Philipp mal wieder Werbung für ein Theaterstück am 31. März im Theater Bremen machte, in dem er selbst mitwirkt. „Ich ruf Dragon und ihr ruft?“, hallte es durch das Mikrofon. „Fly“ antwortete die Masse. Gelächter ging durch die Reihen. Auch ich musste schmunzeln. Danach wurde gesungen, getanzt, gelacht.

Die Euphorie war quasi mit Händen zu greifen und ich konnte und wollte auch gar nicht anders, als mich von ihr mitreißen zu lassen. Während einige sich mit einem Bier zuprosteten und andere verträumt zur Musik hin und her wippten, machte ich noch schnell ein Video für die Mutter meiner Freundin – sie ist auch ein Fan. Lange wollte ich mich damit aber nicht aufhalten. Schließlich ging es darum, den Moment zu leben und ihn nicht mit dem Handy in der Hand zu vergeuden.

Schlagartig wird es romantisch

Endlich stimmte Philipp dann auch das von mir lang ersehnte und vom Publikum geforderte Lied „Liebe meines Lebens“ an. Schlagartig wurde es romantisch im Pier 2. Paare lagen sich in den Armen, Küsse wurden ausgetauscht. Auch ich dachte an die Liebe meines Lebens oder eher gesagt: an die Lieben meines Lebens. Denn laut meiner Mom, die mir damals zu meinem 18. Geburtstag Kinderalben geschenkt hatte, gab es mindestens zwei in meinem Leben. Eine davon ging gerade in Richtung Garderobe. Als ich ihr nachsah, drehte sie sich um und lächelte mir zu.

Kitschig, denkt ihr? Damit habt ihr wohl recht, aber manchmal lasse auch ich mich von ein paar Zeilen Text dazu hinreißen, kitschig zu sein. Es war spät geworden im Pier 2, die ersten machten sich auf den Heimweg. Schließlich war Sonntag und Montag mussten die meisten wieder früh raus. Nicht aber Philipp, denn der wollte noch nicht gehen. Stattdessen schickte er den anderen und mir noch eine Liebeserklärung mit auf den Weg. „Mit jedem deiner Fehler, mit jedem deiner Fehler lieb ich dich mehr“, sangen wir vereint. Erst nach etwas mehr als zweieinhalb Stunden nahmen wir dann doch Abschied.

„Und wir fahren mit dem Auto durch die Nacht“ lautete dann auch meine Devise. „Tschüss, Philipp, hat Spaß gemacht mit dir. Auf die nächste Jubiläumstour in zehn Jahren!“ Als ich schließlich zu Hause ankam, suchte ich im Internet direkt mal nach dem angepriesenen Theaterstück. War ja klar – ausverkauft.

Gespanntes Warten auf den Auftritt von Philipp Poisel (Foto: Müller)

Von der gescheiterteN aufnahmeprüfung zur großen Musikkarriere

Philipp Poisel ist ein deutscher Singer-Songwriter aus Ludwigsburg. Seine Musikkarriere beginnt er schon als Kind. Er lernt Gitarre und Schlagzeug. Seine ersten Kompositionen nimmt er noch mit dem Kassettenrekorder auf. Dennoch scheitert er, als er sich für die Fächer Englisch, Kunst und Musik auf Realschullehramt bewirbt. Ausgerechnet an der Musikaufnahmeprüfung. Trotzdem schreibt Philipp Poisel deutsche Musikgeschichte. 2008 wird er bei Herbert Grönemeyer unter Vertrag genommen. Mit der Veröffentlichung seines ersten Albums „Wo fängt dein Himmel an“ schafft er es erstmals in die Charts. Es folgen die Alben „Bis nach Toulouse“, „Projekt Seerosenteich“ und „Mein Amerika“. Der Erfolg wächst, große Hallen füllen sich und Zusatztermine werden nötig. So wie am vergangenen Sonntag in Bremen. Über zehn Jahre nach seiner ersten Albumveröffentlichung. Doch dieses Mal ganz nah. Nicht etwa in einer großen Halle, sondern im Pier 2, in dem etwa 2500 Menschen Platz finden.