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Musical-Karriere: „Mein Vater ist ein Vorbild für mich.“

„Abends bin ich todmüde nach Hause gekommen und habe mich trotzdem auf den nächsten Tag gefreut“, sagt die Beersterin Denise Obedekah über ihre erste Musicalrolle. Kurz nach ihrem Abitur bekam die damals 19-Jährige eine Rolle in „Hair“ im Bremerhavener Stadttheater – und das ohne Musicalausbildung. „Da habe ich Blut geleckt. Mir war klar, dass das mein Traumberuf ist“, sagt sie. Seitdem steht die Tochter eines Jazzsängers auf deutschen und internationalen Bühnen. Sie sang und tanzte in Klassikern wie „Grease“ und „Hairspray“ oder trat bei der Premiere von „Rocky“ mit Sylvester Stallone auf.

Die Leidenschaft für Tanz zieht sich wie ein roter Faden durch Denises Leben: Schon als Kind begann sie, Ballett zu tanzen. „Ich glaube ich war vier oder fünf Jahre alt, als ich damit angefangen habe“, sagt Denise, die in Bad Bederkesa aufgewachsen ist.

„Meine Schwester und ich konnten viel ausprobieren, aber ich habe einfach schon immer gern getanzt.“ Mit 16 Jahren fing sie dann bei Maggie Hall-Donsbach in der Tanz-Etage in Bremerhaven an. „Das Angebot hier war nicht groß. Ich habe einfach in die gelben Seite geguckt.“

Tarantism: The uncontrollable urge to dance.

So oft es ging, ist sie damals nach der Schule zum Training nach Bremerhaven gefahren – zuerst umständlich mit dem Bus oder den Eltern, später mit dem eigenen Auto. „Ich war da, so oft es eben ging“, sagt sie. Zunächst probte sie vor allem Jazz, später auch andere Tänze wie Ballett oder Modern Dance. „Da hatte ich schon die Ausbildung vor Augen.“

Denises Faszination für die Bühne geht auch zurück auf ihren Vater, den Jazzsänger Emo Phillips. „Er war immer ein Vorbild für mich“, stellt sie fest. So sang sie bereits in ihrer Jugend als Backgroundsängerin bei Auftritten von Phillips’ Band oder auch bei der „Funky Night“ im Bremerhavener Stadttheater. „Dadurch kannte ich auch Ricardo Fernando, der bei meinem ersten Musical ,Hair‘ Regie führte“, erzählt sie.

Tagein, tagaus

Ihrem Wunsch, Tänzerin zu werden, standen ihre Eltern zunächst jedoch skeptisch gegenüber: „Sie meinten, ich soll schauen, ob ich etwas anderes finde. Aber es war das Einzige, was ich wollte. Nichts anderes hat mich so begeistert und da haben sie mich natürlich unterstützt.“

Drei Jahre lang absolvierte Obedekah dann eine Musicalausbildung am englischen Essex-Performance-College. „Maggie von der Tanz-Etage hatte da eine gute Verbindung hin“, erzählt sie. „Wenn ich zurückblicke, ging alles so schnell. Wir haben tagein tagaus getanzt.“

Der erste Job führte Denise nach ihrem Abschluss 2002 nach Portugal. Dort wirkte sie zwei Jahre in Revueshows in Casinos mit. Zurück in Deutschland tanzte sie für AIDA-Cruises vor. Fünf Mal war Denise zwischen 2005 und 2009 mit den Kreuzfahrtschiffen je für ein halbes Jahr in der Karibik und im Mittelmeer unterwegs. „Das ist natürlich außergewöhnlich. Ich weiß schon zu schätzen, dass ich einen Beruf habe, bei dem ich viel herumgekommen bin.“

Bei Rocky war ich von Anfang an dabei. Es war spannend, den Prozess mitzuerleben

Als Denise aber ihren künftigen Mann kennenlernte – ebenfalls ein Darsteller auf dem Schiff – entschieden sie sich, nach Hamburg zu ziehen. „Das Leben auf dem Schiff ist einfach anders. Ich hatte den Wunsch, eine Basis zu haben und Hamburg ist die Musicalstadt schlechthin.“ Das erste Musical auf deutschem Boden war für Denise „Hairspray“ mit Uwe Ochsenknecht und Maite Kelly in Köln. „Ich wollte unbedingt mal bei ,Hairspray’ mitspielen.“

Darauf folgten verschiedene Rollen etwa in „Ali Baba“‚ „Grease“ und zurzeit „Ragtime“. Etwas Besonderes war die Weltpremiere von „Rocky“ 2012 in Hamburg: „Ich war da ganz vom Anfang an dabei. Es war spannend, den Prozess mitzuerleben“, erzählt sie.

Seit dem Sommer 2017 tanzt Denise nun in „Der Medicus“ in Fulda. Ein paar Wunschrollen für die Zukunft hat sie auch noch: So würde sie gern in der „West Side Story“, ihrem Lieblingsstück „Miss Saigon“ und besonders in „Der kleine Horrorladen“ mitwirken.

Denise: „Das war das erste Musical, das ich gesehen habe. Das war im Theater in Bremerhaven. Christoph Maria Herbst war der Zahnarzt und mein Vater hat die Pflanze gesungen.“

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Steffi

Über Stefanie Jürgensen

Unser Küstendeern durch und durch: Am liebsten hat sie Sand zwischen den Zehen, Sonne auf der Haut und eine steife Brise, die durch die Haare weht. Ihre rote Mähne ist ihr Ein und Alles. Nur lange Serienabende und Reisen nach Norwegen liebt sie mindestens genauso sehr.

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