Foto: Projekt Antarktis

Zurück von dünnem Eis: „Die geilsten Szenen kannst du nicht planen“

Um einige Grenzerfahrungen reicher: Die drei Bremerhavener Filmemacher Tim, Michael und Dennis sind zurück aus der Antarktis – mit 110 Stunden Videomaterial im Gepäck. Daraus soll nun bis Ende des Jahres ein Dokumentarfilm der besonderen Art entstehen – Projekt: Antarktis wird eine Geschichte darüber, unsere Chancen zu ergreifen und keine Angst vor der Macht der Welt zu haben. Über diese und andere Aspekte ihrer Reise sprechen die drei Jungs am Dienstag, 23. Januar, mit mir und Janina live und vor Publikum.

Mein Telefon klingelt. Es ist Tim. Seitdem er zurück ist, habe ich noch nichts von ihm gehört. Doch es wird Zeit – schließlich wollen wir in zwei Wochen einen Live-Talk in der Losche starten. Bis dahin will er mich auf Stand bringen: „Wir haben viele Überraschungen erlebt“, fängt Tim unser Gespräch an. „Es ging los mit großen Problemen beim Zoll in Argentinien. Dann hatten wir viele Wetterprobleme, waren ziemlich seekrank und am Ende wurden alle drei noch von der Grippe heimgesucht.“ Und das alles innerhalb drei Wochen.

Wir mussten oft spontan reagieren.

Trotzdem: Tim ist gut drauf. Obwohl gerade der Januar – der Monat nach den anstrengenden Dreharbeiten – vollgepackt ist mit Terminen. Mit einem gefühlten Lächeln im Gesicht erzählt er mir (stellvertretend für alle drei): „Fast alles lief anders als geplant.“ Wegen unerwarteten Schneestürmen musste das Trio zum Beispiel die Dreharbeiten abbrechen. „Es sind viele Dinge passiert, die man nicht vorhersagen konnte. Wir mussten oft spontan reagieren, was unser Abenteuer noch spannender gemacht hat.“ Stark.

„Wir sind sehr glücklich mit unseren Aufnahmen“. sagen Tim und Dennis, die beide an der Hochschule Bremerhaven studiert haben. Es sei sowieso der Plan gewesen, auch Unvorhergesehenes zu filmen. „Gerade das macht eine gute Doku aus.“ Deswegen werde der Film den Zuschauern einige Überraschungen bieten. Überraschend war auch, dass die Jungs während ihrer Reise auf dem Expeditionsschiff so nah an die Kolonie der Kaiserpinguine herangekommen sind. „Das Eis ist sehr dünn. Fünf Jahre ist es her, dass unsere Schiffsbesatzung die Kaiserpinguine zuletzt erreichen konnte.“

Angst bringt ja nichts.

Allgemein habe jedes ihrer Vorhaben sehr viel Zeit in Anspruch genommen. „Guides stecken immer erst den Weg ab. Sie haben auch auch Seile dabei, falls man einbricht. Bei den eisigen Wassertemperaturen ist es ein Hindernis, das Loch von unten wiederzufinden“, scherzt Tim. Angst? Habe er nicht gehabt. „Das bringt ja nichts. Aber Respekt.“ Auch jeder Landgang sei sehr aufwendig gewesen. „Man musste durch viele Instanzen gehen, um aufs Festland zu gehen. Manchmal waren die Aufnahmen bis dahin hinfällig.“

Nach drei turbulenten Wochen seien die drei Abenteurer nun froh wieder in der Heimat zu sein. „Man weiß sein Zuhause jetzt wieder mehr zu schätzen“, gesteht Tim. Warum? Man habe hier nicht nur viel mehr Platz („Auf dem Schiff war es sehr beengend.“), sondern man könne auch „frei sein ohne Erlaubnis“. Zuletzt sei es ein beruhigendes Gefühl, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, so Tim.

Für Durchreisende sei auch Argentinien – von wo aus sie in die Antarktis aufgebrochen sind – alles andere als entspannt gewesen. „Das Land ist sehr korrupt. Ich will nicht alles über einen Kamm scheren, aber wir hatten das Gefühl, als Beute angesehen zu werden.“ Sei es im Restaurant, im Taxi – „Jeder will einen abziehen.“ Sie seien am Ende froh gewesen. wieder im Flieger nach Hause zu sitzen. Und aus eigener Erfahrung weiß ich: Die Ausmaße einer solchen Erfahrung werden einem meist erst in der Zukunft bewusst. Und wenn der Eindruck jetzt schon so intensiv ist, will ich nicht wissen, was die Jungs Ende Januar beim gemeinsamen NORDKIND-Talk in der Losche rückblickend zu berichten haben, geschweige denn wie beeindruckend ihr Kinofilm wird.

Die Jungs sind sich jedenfalls sicher: „Die geilsten Szenen kannst du nicht planen“. Und ich freue mich darauf, am 23. Januar, noch ein wenig mehr ins Detail der Reise zu gehen. Vielleicht habt ihr ja Lust, uns Gesellschaft zu leisten. Gegen eine Spende für „Hilfe für Mitbürger“ erhaltet ihr eine Karte im Online-Ticketshop der NORDSEE-ZEITUNG oder im Kundencenter in der Oberen Bürger. Wir freuen uns auf euch.

Losche Event. (Montage: Nordsee-Zeitung)

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Nina

Über Nina Brockmann

Foodie, Yogi und reiseverrückter Lifestyle-Junkie. Kann ohne Kaffee, Avocados und Lachen nicht leben. Steht auf Melancholie, aber nicht auf Mädchenkram wie Kleider oder Nagellack. Nur ohne Lippenstift geht sie äußerst selten aus dem Haus. Auch für Flechtfrisuren hat sie ein Faible.

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