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Warum das Tanzverbot gerade für Milliennials gut ist

Stille und innere Einkehr liegen heute in der Luft. Vielleicht sieht man das nicht auf den ersten Blick, weil der Norden von schönstem Frühlingswetter beglückt wird und viele ihren freien Tag in vollen Zügen genießen – aber  der Karfreitag ist eigentlich kein heiterer Feiertag. Er ist ein Tag der Trauer. Dazu passen keine lauten Feste, finden Staat und Kirche. Deshalb gibt es das Tanzverbot. Aber ist das eigentlich noch zeitgemäß?

Bis vor kurzem hatte ich keine richtige Meinung zum Tanzverbot. Ich habe  Jahr um Jahr die Debatten darüber am Rande meines Bewusstseins wahrgenommen, ohne mich jemals wirklich zu positionieren. Höchstens ein “Mhm, naja – sollen sie doch tanzen, wenn sie wollen”, konnte man mir entlocken. Doch in diesem Jahr habe ich das Für und Wider plötzlich mit größerer Aufmerksamkeit verfolgt als früher – warum auch immer. Und dabei wurde mir klar, dass “Mhm, mir doch egal” auch eine Meinung ist. Allerdings keine, die ich vertreten möchte.

Wir Millennials

Die sogenannten Millennials, zu denen auch ich zähle, gelten nicht als besonders politisch oder übermäßig engagiert. Wir seien auf den eigenen Vorteil und den geringsten Widerstand bedacht, heißt es. Ansonsten trügen wir Meinungen bestenfalls wie Accessoires vor uns her. Religiös sind wir natürlich sowieso schon lange nicht mehr. Vielleicht gehen wir Weihnachten in die Kirche, “weil es so schön ist”, oder tätowieren uns ein buddhistisches Zeichen auf die Schulter,

Aber halt, Weihnachten – ist das nicht dieser Tag, an dem alle frei haben und mit ihren Familien besinnlich unterm Weihnachtsbaum sitzen? Ist das nicht auch ein christliches Fest, das in Deutschland gefeiert wird? Ebenso wie die unzähligen freien Tage, dessen christliche Hintergründe sich kein Mensch merken kann. Wenn wir diese christlichen Feiertage genießen, obwohl wir nicht an die Geburt des Erlösers Jesus Christus glauben, sollten wir dann nicht auch die Stille des Karfreitags ertragen können?

ob gläubig oder nicht

Ich höre meine Kontrahenten schon “Säkularität” schreien. Und es ist natürlich völlig richtig, dass wir in einem Land leben, in dem Staat und Kirche voneinander getrennt sind. Aber wir leben eben auch in einem Land, das christlich geprägt ist. Sich davon gänzlich zu lösen, würde konsequenterweise bedeuten, dass man sich auch von den anderen christlichen Feiertagen verabschiedet.

Ich weiß, es gibt keinen Zwang, Weihnachten zu feiern, während das Tanzverbot für jeden gilt. Aber was spricht eigentlich dagegen, einen allgemeinen Trauertag zu haben? Einen Tag, an dem Ruhe in eine Gesellschaft einkehrt. Würde uns das nicht allen gut tun – ob man nun gläubig ist oder nicht?! Und was läge, angesichts unserer christlichen Vergangenheit, näher, als diesen Trauertag auf den Karfreitag zu legen?!

Tanzen als Rebellion

Ich glaube, dass wir – insbesondere meine Generation – es nicht mehr gewohnt sind, uns auch nur einen Moment lang in unserem Genuss einschränken zu lassen. Deshalb stößt ein Tanzverbot auf völliges Unverständnis. “Nicht Tanzen dürfen? Das ist eine Einschränkung meiner persönlichen Freiheit!” Anstatt sich für wirklich wichtige politische Themen stark zu machen, besteht die Rebellion meiner Generation darin, unerlaubt zu tanzen. Ob die Trauer anderer Menschen davon gestört wird, warum es diese Tradition gibt, und ob es denn tatsächlich so schlimm ist, sich einmal im Jahr der Gesellschaft unterzuordnen, ist dabei völlig nebensächlich.

Es gibt diesen einen Tag, an dem wir unserem Vergnügen nicht zu 100 Prozent nachgehen dürfen. Wenn wir den entschärfen würden, dann ginge der Geist des Karfreitags gänzlich verloren. Dann würden wir wahrscheinlich nicht mal einen Moment aus dem Trott unseres rasenden Alltags aufblicken und uns aufs Wesentliche besinnen. Ob ein Verbot die Lösung des Problems ist, wage auch ich zu bezweifeln. Aber immerhin erinnert es vielleicht daran, einmal im Jahr inne zu halten.

Karfreitag

An Karfreitag betrauern Christen das Leiden und den Tod von Jesus Christus. An Ostersonntag und Ostermontag wird dann seine Wiederauferstehung gefeiert.

Tanzverbot

In Bremen gilt das Tanzverbot nur an Karfreitag von 6 Uhr bis 21 Uhr. In Niedersachsen darf von Gründonnerstag, 5 Uhr, bis Karsamstag, 24 Uhr nicht getanzt werden.

 

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