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Schon mal Moin in Spanien gesagt?

Es rutscht mir ganz automatisch raus. Wie ein Reflex. Ich kann nichts dagegen tun, bin völlig machtlos. Die Verkäuferin des kleinen Supermarktes guckt mich mit großen, ratlosen Augen an, als ich den Laden betrete und ihr mein „Moin“ an den Kopf werfe. „Moin“? Was meint er denn damit? Das Problem: Ich befinde mich nicht in Hamburg, nicht in Bremen, nicht in Oldenburg. Nein, ich stehe mit Badelatschen in einem Tante-Emma-Laden an der Cala Tarida. Eine Bucht. Auf Ibiza. In Spanien.

Das ist schon sechs oder sieben Jahre her. Und es ist nur ein Beispiel von vielen. Das „Moin“ steckt einfach drin. Man sagt es ja ständig im Alltag – beim Bäcker, bei der Arbeit, bei Freunden. Moin ist stets präsent, morgens, mittags, abends, immer. Und ich sage es selbst im Urlaub und trage damit ein Stück meiner norddeutschen Heimat hinaus in die Welt. Auch wenn die Menschen im Ausland mit Stirnrunzeln oder einem verwirrten Lächeln reagieren – ich kann nicht anders.

Ein Moin ist universell

Das finde ich auch gar nicht schlimm. Im Gegenteil. „Moin“ ist für mich die schönste Begrüßung der Welt. Ist das zu hochgegriffen? Ich finde nicht. Denn ein lockeres „Moin“ sagt mehr als Tausend andere Worte. Grüß Gott? Klingt altbacken. Guten Tag? Zu spießig. Hallo? Zu langweilig, „Moin“? Ja, so muss das klingen. Ein „Moin“ ist universell. Egal ob man einen Fremden auf der Straße trifft oder einen Freund, „Moin“ geht immer.

Und auch wenn das auf den ersten Blick ganz anders scheint: Das berühmte norddeutsche „Moin“ verrät schon eine Menge über die Mentalität der Menschen, die hier leben: Es ist ein Gruß, der voller Herzlichkeit steckt. Und voller Heimatliebe. Und voller Gastfreundschaft. Einer, der sagt: Wir im Norden sind alle gleich – und du kannst gerne einer von uns sein.

Auch der Duden kennt das Moin

Ursprünglich stammt der Gruß übrigens aus dem Plattdeutschen, genauer gesagt von dem Wort „moi“. Das bedeutet so viel wie angenehm oder schön. Als hätten wir das nicht alle schon längst gewusst! Bereits in den 80er-Jahren wurde „Moin“ in das Allerheiligste der deutschen Sprache, den Duden, aufgenommen. Selbst in südlichen Teilen des Landes ist der Gruß mittlerweile schon verbreitet.

Und dann gibt es noch die Abwandlung von „Moin“: das „Moin Moin“. Wer das sagt, geht aber die Gefahr ein, schief angeguckt zu werden. Nach dem Motto: Zwei „Moins“ ist eines zu viel. Für manch ein Nordkind grenzt diese Dopplung gar an Gesabbel. Ich finde ja: Es ist schietegal, ob „Moin“ oder „Moin Moin“. Solange es von Herzen kommt.