Foto: Anna Sullivan/Unsplash, Montage: Lena Gausmann

Plattdeutsches Wörterbuch: Gedöns

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Norddeutsche kennen das Phänomen – Wenn man Dinge mit nur einem Wort sagen kann, warum dann noch mehr Atem verschwenden? Gedöns ist so ein herrliches Wort, das quasi alles zusammenfassen kann. Damit ist es definitiv eines meiner meist genutzten Lieblingsworte. Gedöns kommt mit nur pflegeleichten zwei Übersetzungen um die Ecke: Unnötiges Getue oder unnötige Gegenstände. Für mein Verständnis von Gedöns steht es nicht nur für Krimskrams, sondern ist viel mehr ein Sammelbegriff, den man immer dann benutzen kann, wenn man im Sinne der Sprachökonomie Luft beim Sprechen sparen möchte.

Plattdeutsch übersetzen ist heikel bis wolkig

Mit der Übersetzung von Gedöns ist es so wie mit vielen plattdeutschen Wörtern auch: Fragst du Hans, sagt er: „Jo, dat heet dit un dat.“ Fragst du dann auch noch Hein aus dem Dorf nebenan, sagt der aber: „He wat! Dat heet dat un dit.“ Kompliziert? Richtig. Aber das hat einen ganz einfachen Grund. Plattdeutsch ist eine Regionalsprache, hat aber keine Standardsprache. Was grob bedeutet, dass sich weder Hans und Hein oder deren Großväter, noch deren Großväter und von denen noch nicht mal die Urgroßmütter sich zusammengesetzt haben, um gemeinsam auszuklambüstern, auf welche Übersetzung man sich einigen könnte.

Ein Bunter Wörter-blumenstrauß

Es schnackt also jeder so, wie ihm oder ihr der Schnabel gewachsen ist, beziehungsweise so, wie man das im Ort eben macht. Manchmal gibt es für ein und dasselbe hochdeutsche Wort viele verschiedene plattdeutsche Varianten, wie zum Beispiel sprechen: spreken, proten, snacken, körn. Ein herrlich bunter Wörter-Blumenstrauß, dabei heißt es immer das gleiche. Und um das Chaos perfekt zu machen, kann man die Varianten dann auch noch auf viele verschiedene Arten schreiben. Um Platt in der Schule lehren zu können, muss man sich also zwangsläufig auf zumindest regionale Standards einigen. Deswegen kann ein Platt-Lehrbuch in Ostfriesland auch ganz anders aussehen als in Schleswig-Holstein – muss aber nicht.

Ihr wollt Gedöns jetzt unbedingt in euren „Alltags-Sprech“ à la Nordkind Katja übernehmen? Dann zeige ich euch hier, wie das geht:

„Hast du das ganze Gedöns für den Kuchen gekauft?“ vs. „Hast du Mehl, Backpulver, Erdbeeren, Kuchenglasur (…) für den Kuchen gekauft?“

„Kannst du mal bitte das ganze Gedöns aus dem Auto holen?“ vs. „Kannst du bitte mal den Einkauf für den Kuchen, die Regenjacke, die Brotdose und das Portemonnaie aus dem Auto holen?

„In den Taschen deiner Regenjacke fliegt ja schon wieder so viel Gedöns rum!“ vs. „In den Taschen deiner Regenjacke fliegen ja schon wieder Schlüssel, Taschentücher, Einkaufszettel, Kuchenrezepte (…) ‚rum.“

Ich glaube, das Prinzip ist klar. Und wer jetzt aufmerksam gelesen hat, wird feststellen, dass man für Gedöns auch einfach „Sachen“ sagen könnte. Aber ganz ehrlich: Probiert es aus – Mit Gedöns geht auch immer ein bisschen Herz mit über die Lippen!

Plattdeutsch (auch: Niederdeutsch, oder in der Eigensprache: Plattdüütsch) ist eine eigenständige Sprache mit vielen Dialekten, die vor allem im nördlichen Deutschland gesprochen werden. Gebräuchlich ist das Plattdeutsche aber auch in den angrenzenden Regionen, sowie im Osten der Niederlande. Ein Einheits- oder Standard-Platt gibt es daher nicht.