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Küstenschlacht: Warum Nordsee und Ostsee beide einmalig sind

Es ist die Frage, an der sich in Norddeutschland die Geister scheiden: Nordsee oder Ostsee? Diese Frage hat bei mir und meinen Freunden letztens tatsächlich fast für einen Streit gesorgt.

Es scheint mir, als würde jedes von uns Nordkindern einmal im Leben die Wahl treffen – und dann dabei bleiben. Einer meiner Freunde argumentierte mit den Sandstränden an der Ostsee, die länger sind, als das Auge reicht. Ein anderer schwärmte von Ebbe und Flut und dem einmaligen Erlebnis, im Watt zu wandern. „Nordsee?“, sagte eine Freundin. „Da gibt es doch nur Deiche und Schafe.“ Es kam ein Argument nach dem anderen. Von der eigenen Meinung abweichen wollte keiner.

An dieser Stelle muss ich zugeben: Ich bin da keine Ausnahme. Ich bin an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste geboren und habe dort den Großteil meines Lebens gewohnt – vom Kinderbett bis zum Ende des Studiums. Der nächste Sandstrand war kaum 20 Minuten mit dem Rad entfernt. An warmen Sommertagen trafen sich alle nachmittags und abends am Strand mit ihren Freunden und Familien, um sich zu sonnen und ins kühle Nass zu springen.

Am Ostseestrand. (Foto: Steffi)

Noch heute erfüllt mich diese Erinnerung mit Sehnsucht. Ja, mein Herz schlägt jedes Mal ein wenig höher. Seit zwei Jahren wohne ich nun an der Nordseeküste und habe aber auch dieses Meer zu schätzen gelernt. Vor allem das Watt und die wunderbaren Inseln. Einmalig – das ist klar – sind sie beide.

Was die Nordsee einmalig macht

Sie sind einige der schönsten Flecken Erde, die es in Deutschland gibt: die nord- und ostfriesischen Inseln. Die Fahrt mit der Fähre hinüber ist wie eine kleine Flucht aus dem Alltag. Die Inseln bestechen mit ihrem besonderen Charme, Sandstränden und Dünen – egal, ob Norderney, Sylt oder Helgoland. Jede hat ihren eigenen Charme. Wie oft ich auch zu diesen Inseln fahre: Genug bekomme ich nie.

Ganz ehrlich, das Wattenmeer ist einfach nur super. Für mich ist es jedes Mal wieder ein Highlight, wenn sich das Meer zurückzieht und den Meeresboden für eine kleine Wanderung freigibt. Man steht mitten im Meer, hat Schlick zwischen den Zehen und kann dem Alltag entfliehen. Ob eine ruhige Wattwanderung, eine Erkundungstour mit Wattführer oder eine Wattschlacht – das Wattenmeer macht die Nordsee besonders.

Die Nordsee ist ein Meer wie aus dem Bilderbuch: rau und wechselhaft. Man kann sich wahrlich vorstellen, wie Seefahrer früher mit der See rangen. Es ist immer wieder beeindruckend, wie sich die Wellen bei Herbststürmen auftürmen. Doch genau das ist auch ein Problem der Nordsee: Ohne Deiche geht es nicht. Die Hochwasser suchen die Nordseeküste schon seit jeher heim, das macht die Region auch geschichtlich interessant.

Was die Ostsee einmalig macht

Sand, so weit das Auge reicht. Tatsächlich gibt es an der Ostsee nicht den einen Strand, an dem man baden kann, sondern ein Strand reiht sich an den nächsten. So findet auch jeder einen Abschnitt, der für ihn genau der richtige ist: Von Stränden an kleinen Badeorten mit Promenaden und Reihen voller Strandkörbe bis zu verlassenen Buchten, an denen man kaum einer Seele begegnet. Für mich persönlich machen genau diese die Ostsee aus. Denn wenn man weiß, wo die wenig besuchten Strände liegen und wie man über kleine Landstraßen hinkommt, sind sie ein wahrer Schatz. Wer an einem einsamen Strand den Sonnenuntergang genießen will, wird hier aber enttäuscht: Denn die Sonne geht genau auf der entgegengesetzten Seite unter.

Es ist ein Argument für die Nordsee und auch eins für die Ostsee: Ebbe und Flut. Denn während man an der Nordsee seinen Besuch am Meer nach dem Gezeitenkalender richten muss, geht man an der Ostsee einfach hin. Egal, ob Surfen, Segeln oder Baden: Das Wasser bleibt.

Während die Nordsee wie ein rauer Seemann ist, hat die Ostsee ein weicheres Wesen. Natürlich gibt es auch dort Stürme und man kann sich besonders im Herbst und Winter ordentlich durchpusten lassen. Aber die Ostsee ist angenehmer: Man kann nahezu überall baden, das Wasser brennt nicht in den Augen und der Wellengang ist leicht und gerade im Sommer herrlich angenehm. Der Sand der Ostseestrände ist so fein und seine Körner sind so rund, dass er im Sommer nach dem Baden an der Haut kleben bleibt – wie ein Peeling von Mutter Natur.

wofür das Herz schlägt

Und welches Meer gewinnt nun? Wenn ihr mich fragt, sind Nordsee und Ostsee beide einzigartig und einen wahren Gewinner gibt es nicht. Für mich wird zwar immer die Ostsee mit ihren langen Sandstränden mein Herzensmeer bleiben. Wattwandern und Besuche auf den Nordseeinseln liebe ich aber trotzdem. Wie gesagt, einen richtigen Gewinner gibt es bei zwei so einzigartigen Küsten nicht.

Wer sich übrigens nicht zwischen den beiden entscheiden kann, sollte einfach nach Skagen an die nördlichste Spitze Dänemarks reisen: Dort treffen Nordsee und Ostsee aufeinander.

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Steffi

Über Stefanie Jürgensen

Unser Küstendeern: Am liebsten hat sie Sand zwischen den Zehen, Sonne auf der Haut und eine steife Brise, die durch die Haare weht. Ihre rote Mähne ist ihr Ein und Alles. Nur lange Serienabende und Reisen nach Norwegen liebt sie mindestens genauso sehr.

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