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Achtung, diebische Möwe im Anflug!

Der Angriff trifft mich völlig unerwartet. Ich stehe am Strand von Baltrum, blicke auf den Sand, die Strandkörbe, die weite Nordsee, da passiert es. Die Übeltäterin kommt im Sturzflug, wie aus dem Nichts. Sie ist einfach da, die hinterlistige Möwe, die mir das frisch gekaufte Schokoeis aus der Hand klaut. Ungläubig und ein wenig verdattert blicke ich auf meine Hand, doch mehr als ein paar Waffelkrümel hat die Diebin mir nicht gelassen. So schnell, wie sie gekommen ist, ist die Möwe mit ihrer Beute auch wieder verschwunden. Ich blicke ihr nach. Und ärgere mich. Nicht wegen der tierischen Respektlosigkeit. Sondern, weil ich weiß, warum sich immer mehr Möwen genauso aggressiv verhalten: Wir, die Menschen, füttern sie. Schluss damit!

Ich sehe sie immer wieder; Kinder und Erwachsene, Junge und Alte, die mit Brotkrumen Möwen anlocken und denken, sie tun damit etwas Gutes. Tun Sie nicht. Deshalb schreibe ich diesen Text. Es ist ein Appell, ein gut gemeinter Rat: Füttert keine Möwen. Und sagt es auch denen, die es wider besseres Wissen tun.

In Bremerhaven zum Beispiel ist das Füttern der Möwen ganz offiziell verboten. Im Paragraphen 14 des „Ortsgesetzes über die öffentliche Ordnung“ steht es Schwarz auf Weiß: „Es ist verboten, Wildtauben, verwilderte Haustauben oder Möwen zu füttern.“ Wer zum ersten Mal erwischt wird, dem drohen 30 Euro Bußgeld. Wiederholungstäter müssen im schlimmsten Fall 2500 Euro blechen. Das Füttern kann also richtig teuer werden – und das ist auch gut so.

Möwen sind allesfresser.

Denn für das Verbot gibt es gute Gründe: Wer Möwen füttert, konditioniert sie. Und da ist es völlig egal, ob wir ihnen ein Stück Weißbrot oder eine Pommes hinwerfen. Indem wir die Tiere füttern, gewöhnen wir sie an diese Art der Nahrungsaufnahme – und die Möwen legen ihren natürliche Beutesuche ab. Mit schlimmen Folgen. Zwar ist das Füttern für die Tiere nicht ungesund, denn „Möwen sind Allesfresser“, wie Heinrich Reiner vom Naturschutzbund (NABU) sagt. Allerdings werden die Tiere so schnell zutraulich und dann aggressiv. „Wenn sie Junge haben, fühlen sie sich von Menschen bedroht und greifen sie an.“

Immer mehr Berichte von aggressiven Möwen

Das Problem ist, dass ein Vogel – logischerweise – nicht unterscheiden kann zwischen Futter, das ihm angeboten wird, und Essen, das eigentlich für den Menschen bestimmt ist. Und deshalb kommt es zu Missverständnissen. Berichte von aggressiven Möwen, die verdutzten Urlaubern das Fischbrötchen aus der Hand stibitzen, sind aber noch die harmloseren. Ich erinnere mich noch an das Jahr 2015, in dem Möwen in Großbritannien einen Yorkshire Terrier zu Tode bissen. Die Boulevard-Zeitung The Sun schrieb damals von „Killer-Möwen“.

Genau darum geht es: ums Bewusstsein. Ohne das geht es nicht. Und hier können alle Nordkinder mithelfen, als Multiplikatoren sozusagen. Erzählt Euren Freunden, Euren Nachbarn, nein, erzählt der ganzen Welt von dem Verbot. Damit es endlich in den Köpfen ankommt. So können wir am Ende alle etwas dazu beitragen – für die friedliche Koexistenz von Mensch und Möwe im schönen Norden.