Foto: Tobias Hirsch/Oberhessische Presse

The Ballad of Susannah McKee: Australische Spukgeschichten

Wir schreiben das Jahr 1907. Auf der australischen Insel Lady Elliot Island legt die irische Einwanderin Susannah McKee ihre besten Gewänder an, dann springt sie ins Meer und ertrinkt. Ihr Körper wird später an der Küste angespült, Susannahs Ehemann Thomas begräbt sie auf der Insel. Seitdem soll ihr Geist mehrmals gesichtet worden sein. Die Geschichte hat den deutschen Urlauber Carsten Beckmann so inspiriert, dass er ein Lied darüber schrieb und ein Musikvideo drehte. Als Kulisse dafür diente ihm die Wurster Nordseeküste mit dem Leuchtturm Obereversand.

Die Lady-Elliot-Insel muss ein wundersamer Ort sein. 80 Kilometer vor der australischen Ostküste gelegen, leben auf der südlichsten Insel des Great-Barrier-Riffs Tausende Seevögel, aber nur wenige Menschen. Als „kleinen Haufen aus Kreide und Vogelkacke“ beschreibt Carsten Beckmann den Ort.

Im Dezember 2016 war der Journalist aus dem hessischen Marburg auf Lady Elliot Island zu Besuch. Im Restaurant des Leuchtturms fiel ihm ein historisches Foto auf. „Es war ein Hochzeitsfoto von Susannah und Thomas McKee“, erzählt Beckmann. Das Paar war aus Irland nach Australien ausgewandert, Thomas arbeitete als Leuchtturmwärter auf der Insel.

Auf einer Nachtwanderung erfuhr Beckmann dann die weitere Lebensgeschichte Susannah McKees: Sie lebte nicht gerne auf der kleinen, entlegenen Insel, doch das Paar hatte vier Söhne und das Familienleben war harmonisch. Als die Kinder aber schließlich erwachsen wurden und die Insel verließen, wurde Susannah einsam und unglücklich und nahm sich das Leben. „Weil aber mehrere Menschen behaupteten, ihren Geist auf der Insel gesehen zu haben, wird gemunkelt, ob nicht doch mehr hinter Susannahs Tod steckte und sie von ihrem Mann ermordet wurde“, erklärt Beckmann.

Düsteres Musikvideo

Düstere Dinge also, die sich auf Lady Elliot Island zugetragen haben. Und ebenso düster wirkt auch das Musikvideo, das Beckmann zu seiner Folk-Ballade „The Ballad of Susannah McKee“ gedreht hat. Das Video ist in Schwarz-Weiß gehalten, gedreht wurde unter anderem in und vor dem Leuchtturm Obereversand. Gespickt ist das Ganze mit historischen Fotos des Ehepaars McKee.

Dass dieses Projekt verwirklicht werden konnte, ist unter anderem Beckmanns Arbeitgeber zu verdanken, der Oberhessischen Presse. „Unsere Zeitung hat eine Rubrik, die ‚Das schaffe ich‘ heißt. Darin kann jeder Redakteur schreiben, der meint, er müsse mal was reißen“, erzählt Beckmann, der schon als kleiner Junge seine Leidenschaft für die Musik entdeckte. Also nahm er sich vor, für besagte Rubrik sein Lied professionell zu produzieren und ein Musikvideo dazu zu drehen. Im Frühjahr 2017 nahm er deshalb an einem Workshop des amerikanischen Songwriters Michal Bandac teil und spielte ihm eine Demoversion des Liedes auf seinem Diktiergerät vor. Später nahmen sie die Ballade im Studio eines Bekannten auf.

Wir haben nach dem schönsten, attraktivsten, gruseligsten Leuchtturm gesucht.

„Im Herbst haben wir das Video gedreht“, erzählt Beckmann. „Am liebsten hätte ich natürlich an den Originalschauplätzen gedreht, aber wegen der Kosten, die dafür angefallen wären, war das keine Option“, sagt er. Also galt es, eine passende Location in Deutschland zu finden. „Ich habe keinerlei Verbindung zu Norddeutschland, deswegen mussten wir den Drehort ausschließlich nach Bildern aussuchen“, so Beckmann. „Wir haben nach dem schönsten, attraktivsten, gruseligsten Leuchtturm an der Nordsee gesucht, und so ist unsere Wahl auf Obereversand gefallen“, sagt er.

An nur einem Tag drehte das Team aus Hessen das gesamte Material, und das norddeutsche Wetter präsentierte sich dabei in seiner ganzen Pracht. „Als wir vormittags ankamen, hat es geregnet und gestürmt, das Wetter war fürchterlich“, erzählt Beckmann. Also habe sich die Gruppe erst einmal Backfisch mit Pommes gegönnt – und später klarte das Wetter auch wieder auf. Trotzdem bleibt die düstere Atmosphäre des Videos. „Von der Stimmung her passt die Wurster Nordseeküste natürlich nicht zum Great Barrier Reef“, gibt auch Beckmann zu. „Das ist aber ein Bruch, den wir uns einfach erlaubt haben, denn inhaltlich passt es wiederum sehr gut zusammen“, erklärt Beckmann die künstlerische Herangehensweise.

Auch die Reaktionen auf sein Werk seien sehr positiv, wie der Journalist berichtet. „Der Song ist genau so geworden, wie ich es mir vorgestellt hatte und alle sind von der Qualität sehr angetan“, sagt er. Und auch die Wurster Nordseeküste ist ihm bei seinem kurzen Besuch ans Herz gewachsen. So sehr, dass er gerne noch einmal zu Besuch kommen möchte. „Hier kann man ganz sicher gut seine Akkus aufladen“, ist er überzeugt.

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