Foto: Ann-Kristin Hitzemann

Dein Nachbar: In der Alten Bürger zu Hause

Es geht um Nachbarschaft, Menschen und vor allem um die kleinen Geschichten. Ann-Kristin Hitzemann möchte mit ihrem Magazin diejenigen erreichen, die sich in der Alten Bürger in Bremerhaven zu Hause fühlen. Schon das Design verrät, worum es geht. Die Titelseite hat ein kleines Guckloch, dahinter steht: „Dein Nachbar“. So heißt ihr Herzensprojekt, das sie für ihre Bachelorarbeit im Studiengang Digitale Medienproduktion konzipiert und veröffentlicht hat. Die erste Ausgabe kam so gut an, dass sie nun an einer zweiten arbeitet, die im Oktober erscheinen wird.

Ann-Kristin, unter all den Möglichkeiten, die du für eine Bachelorarbeit hattest, wie bist du auf  ein Nachbarschafts-Magazin gekommen?

Ich wollte etwas erschaffen, das bleibt und nicht nach meiner Abgabe auf meinem Computer vergammelt. Und das Ergebnis sollte etwas sein, das die Leute gerne anschauen und in die Hand nehmen – es sollte gut aussehen. Da kam ganz viel zusammen. Die Alte Bürger ist mein direktes Umfeld. Das war für mich naheliegend. Ich kenne aber ganz gruselige Stadtteil-Zeitschriften. Die haben zwar wichtige Informationen, aber das Design ist nicht schön und sie sind vollgestopft mit Anzeigen. Ich wollte etwas Neues und Eigenes. Und das Format Nachbarschaftsmagazin gibt es noch nicht.

Was ist bei „Dein Nachbar“ anders?

Ich möchte mit dem ansprechenden Aussehen den Leser neugierig auf den Inhalt machen. Und wenn er die Geschichten im Magazin liest, lernt er seine Nachbarn kennen. Dafür will ich das Design nutzen. Deshalb findet man auch viele kleine Spielereien, die man erst auf den zweiten Blick sieht, wie das Guckloch auf der Titelseite. Hast du die Seitenzahlen schon gesehen? Das sind die Hausnummern der Alten Bürger auf der ungeraden Seite.

Ich kenne dich vor allem von dem Doku-Film „Das Leben, you know“, den du mit anderen Studenten an der Hochschule Bremerhaven produziert hast. Wie kommt es, dass du nichts mit Video gemacht hast?

Ich habe mit Film eigentlich gar nichts am Hut. Mein Schwerpunkt war schon immer Grafikdesign. Ich habe vor dem Studium eine Ausbildung zur Mediengestalterin Digital und Print gemacht. Das mit dem Film kam im dritten Semester zustande damals wurde kein Grafikmodul angeboten, das fand ich total schade. Ich habe dann „Dokumentarfilm“ gewählt, weil mich reale Geschichten interessieren. Und in dem Team habe ich das Gleiche gemacht, wie jetzt auch: die Projektleitung.

Ich habe nie infrage gestellt, dass ich das mache, was mir Freude bringt. Das war unbewusst.

Wie bist du zum Grafikdesign gekommen?

Ich habe mir eigentlich nie Gedanken gemacht, mit welchem Job man viel Geld verdienen kann, sondern ich habe einfach geguckt: Was mache ich gern? Und das war gestalten und kreativ sein. Ich wusste schon sehr früh, was mir liegt. Zum Glück! Ich habe nie infrage gestellt, dass ich das mache, was mir Freude bringt. Das war unbewusst.

Und wie bist du in Bremerhaven gelandet?

Durch das Studium. Ich war vorher ein Jahr in den USA in Wyoming, am „Arsch der Welt“ 😉 . Aber das war so cool, das war das beste Jahr meines Lebens. Da habe ich das College besucht und Studentenluft geschnuppert. Der Studiengang an der Hochschule Bremerhaven hat mir gefallen. Die Stadt war mir egal. Dass Bremerhaven so einen schlechten Ruf hat, habe ich erst später erfahren. Mein Eindruck war von Anfang an schön, maritim und viele nette Leute. Ich hatte erst ein bisschen Fernweh, zurück nach Amerika. Aber später bin ich in eine WG in der Alten Bürger gezogen und das wurde alles gut mit der Zeit.

Was bedeutet Nachbarschaft für dich?

Dass ich grob die Umstände weiß, unter denen meine Nachbarn leben. Das heißt noch nicht mal, dass ich den Namen der Person kennen muss. Aber ich weiß vielleicht, dass das eine junge Familie ist, wo der Vater um 5 Uhr aufstehen muss. Das heißt, dass ich da nicht bis nachts um 12 Uhr Party mache. Und die kleinen Dinge des Alltags: Dass man mal ein Paket annimmt oder mal Blumen gießt. Das klingt vielleicht spießig, aber es macht das Wohnen angenehmer. Halt nicht so, wie in einer großen Stadt, wo man sich nicht kennt.

Bremerhaven kommt dir nicht wie eine große Stadt vor?

Ich habe das Magazin ja nur für die Nachbarschaft Alte Bürger gemacht. Und hier gibt es zwar Hochhäuser wie in einer Großstadt. Aber irgendwas ist hier anders, ich kann nicht genau sagen, was. Es fühlt sich nicht wie eine Großstadt an, nein.

Ist dir Nachbarschaft schon immer wichtig gewesen?

Ja, ich bin so aufgewachsen. Ich komme aus der Nähe einer Kleinstadt. In meiner Straße standen Einfamilienhäuser. Ich wusste, wer da wohnt, ich kannte quasi die Telefonnummern auswendig.

Ann-Kristin Hitzemann ist freiberufliche Grafikerin. 2017 hat sie an der Hochschule Bremerhaven den Bachelor Digitale Medienproduktion abgeschlossen. Sie wohnt in der Alten Bürger und fühlt sich hier Zuhause.

Ann-Kristin Hitzemann ist Grafikerin. 2017 hat sie an der Hochschule Bremerhaven den Bachelor Digitale Medienproduktion abgeschlossen. Sie wohnt in der Alten Bürger und fühlt sich hier zu Hause. (Foto: Ann-Kristin Hitzemann)

Wie hast du die Themen gefunden?

Ganz unterschiedlich. Ich hatte immer einen kreativen Ansatz. Ich finde, man kann Geschichten auch zeigen, man muss sie nicht immer aufschreiben. Und das müssen nicht immer die High-Class-Fotos sein – überhaupt nicht. Deshalb habe ich zum Beispiel Ann-Ca eine Einwegkamera gegeben. Da geht es nicht um „High Quality“ sondern nur um das Motiv und um ihren Blickwinkel.

Wer ist deine Redaktion?

Ich treffe mich mit einer Gruppe zum Planen und Rubriken entwickeln. Das sind vor allem Freunde und Bekannte von mir. Der Plan für die nächste Ausgabe steht jetzt schon. Wir überlegen uns, zu wem welche Rubrik passen könnte und sprechen die Menschen dann an (und ein paar Gute haben schon zugesagt 🙂 ). Die Geschichten sind also von den Nachbarn für die Nachbarn. Wir in der Planungsgruppe sind keine Redakteure, sondern organisieren das nur.

Kannst du schon etwas aus der nächsten Ausgabe verraten?

Es wird lecker! Ich will nicht zu viel verraten, aber für die Titelstory haben wir dieses Mal wieder jemand total Tolles.

Das Magazin ist für den Leser kostenfrei, wie finanzierst du das?

Die Quartiersmeisterei fördert das Projekt, die Gelder stammen aus EU-Mitteln. Außerdem hat die Druckerei Müllerditzen uns netterweise einen Rabatt gegeben, weil sie das Projekt so toll fanden. Mir ist es wichtig, dass es kostenfrei bleibt. Denn für jemanden, der nicht weiß, was in dem Magazin drin steht, sind auch schon wenige Euro viel Geld.

 

Dein Nachbar

Ein Nachbarschaftsmagazin für die Alte Bürger in Bremerhaven.

Nächster Erscheinungstermin: Oktober 2018
Aktuelle Infos findest du auf der Facebook-Seite

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