Foto: privat

Arkadij und Katja: Zwei Wegsucher aus Bremerhaven

Manchmal muss man eben mutig sein, dachten sich Katharina Bojko und Arkadij Schell, zwei gute Freunde aus Leherheide, als sie sich dazu entschieden haben, ihre Vollzeitjobs aufzugeben, ihren Besitz zu verkaufen und auf Weltreise zu gehen.

Wir haben die Vision aus dem Alltag auszubrechen und die Welt zu entdecken, schon lange gehabt. Ganz unabhängig von einander“, erklärt Arkadij. Er und Katja sind gerade in Bangkog. Die beiden kennen sich aus ihrer Teenagerzeit. Sie bezahlen die Reise von ihrem Ersparten. „Wir hatten es satt, dass jeder Tag gleich aussieht und dass die Zeit an uns vorbei fliegt, ohne dass wir etwas erleben.“ Im Januar 2018 haben die beiden sich endlich getraut und sind in einen Flieger nach Kapstadt gestiegen.

Einfach mutig sein

„Kapstadt war das einzige klar definierte Ziel unserer Reise. Wir wollen spontan sein und vor Ort entscheiden, was wir als nächstes machen. Ohne Regeln ist man dem Abenteuer voll und ganz ausgeliefert.“ Wie lange sie unterwegs sind, wissen sie noch nicht, sagt Katja. „Wir kommen zurück, wenn wir genug vom Reisen haben oder das Geld langsam zu Neige geht.“ Katja ist gelernte Industriekauffrau und hat in der Buchhaltung gearbeitet. Einen Wiedereinstieg habe ihr der Arbeitgeber nicht erlaubt. Arkadij sei es genauso gegangen.

Arkadij und Katja auf dem Tafelberg in Kapstadt. (Foto: privat)

„Dass wir losgefahren sind, war trotzdem die richtige Entscheidung“, findet die 27-Jährige. „Ich habe schon immer von fernen Ländern und Kulturen geträumt. Und nun bin ich in einem guten Alter dafür, habe keine Verpflichtungen.“ Auf sie wartet ihr Lebensgefährte zuhause, sagt Katja, auf Arkadij seine Familie. Über WiFi und ein eigenes Blog bleiben die Bremerhavener mit ihren Lieben in Kontakt und lassen sie an ihrer Reise teilhaben.

Die Planung vor Ort

Obwohl Katja und Arkadij sich treiben lassen wollen, kommen sie um ein wenig Planung während ihrer Reise nicht herum: „Bevor wir ein neues Land erkunden, informieren wir uns über die Einreisebestimmungen und Ziele, die uns interessieren könnten“, berichtet Katja. Danach werde eine Aufstellung von Orten und eine Skizze des Landes erstellt. „Und wir informieren uns über Flugpreise und Visa, die wir vielleicht brauchen.“ Ihre wichtigsten Anlaufstellen im Netz seien die Webseiten Skyscanner.de,  Momondo.de, und das Auswärtige Amt. „Über booking.com buchen wir außerdem eine erste Unterkunft im ’neuen‘ Land. Das hilft bei der Umgewöhnung. Mit der Kommunikation ist es nämlich nicht immer so einfach.“

Den richtigen Weg würden sie dennoch irgendwie finden, „weil die meisten Menschen sehr hilfbereit sind, vor allem im asiatischen Raum.“ Ob sie bisher auch gegenteilige Erfahrungen gemacht haben? „Natürlich, brenzliche Situationen gab es. Eine erst vor kurzem, als wir in dem heiligen Ort Varanasi in Indien waren und uns ein Mann mit einer gefüllten Spritze gefolgt ist. Wir konnten ihn abschütteln – aber so schnell werde ich dieses Erlebnis wohl nicht vergessen.“

Die Wegsucher

Ihr Blog haben Arkadij und Katharina „Die Wegsucher“ genannt. „Weil wir den Weg unseres Lebens suchen“, erklärt Arkadij. „Und eine große Reise zu machen,  ist wahrscheinlich die beste Variante, um den einen Weg zu finden, der für einen selbst in Frage kommt. Vielleicht sogar mehrere Wege.“ Einem Selbstfindungstrend gehen sie nicht nach, betont er. „So eine Reise sollte man nicht machen, weil alle finden, dass das cool ist und zum Leben dazu gehört. So eine Reise ist nur dann sinnvoll, wenn die Seele danach schreit.“

Der junge Mann aus Bremerhaven ist überzeugt davon, dass er sich durch sein Abenteuer zum Positiven verändert. „Wenn wir wieder zurück sind, werden sich alle Erfahrungen, die wir auf der Reise gemacht haben, auf unseren Alltag auswirken. Daran glaube ich fest und das merke ich jetzt schon. Früher wusste ich gar nicht zu schätzen, was ich alles hatte. Jetzt ist das anders. Auf der anderen Seite habe ich Orte und Menschen kennengelernt, die wesentlich mehr zu bieten haben, als nur Einkaufen und Arbeiten den ganzen Tag.“ Wir werden einfach von vorne anfangen müssen, fasst Katja zusammen. „Ich hoffe natürlich auch, dass wir uns weiter positiv verändern und dass wir diese Einstellung in unserem Privat- und Berufsleben ausleben können. Es gehört zu einem unserer Ziele stetig zu wachsen.“

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