Foto: Adobe Stock, Montage: Lena Gausmann

Mit dem Schnurrbart Gutes tun

Eigentlich bin ich überzeugter Vollbart-Träger. Ohne meinen langen, zotteligen Bart im Gesicht fühle ich mich nackt. Gerade im Herbst und im Winter hält er mich warm. Eine Ausnahme mache ich jedoch seit mittlerweile drei Jahren im November. Dann lasse ich mir einen – eher albern aussehenden – Oberlippenbart stehen. Denn der Movember ist für mich eine Herzensangelegenheit.

Mich Anfang November von meinem fast sechs Monate alten Vollbart zu trennen, ist mir schon schwer gefallen. Doch Schnitt für Schnitt fielen die Haare und ich verwandelte mich von einem haarigen Biest wieder in einen Jugendlichen – obwohl ich mittlerweile schon 30 bin.

Sieht zwar albern aus, ist aber für einen guten Zweck.

Sieht zwar albern aus, ist aber für einen guten Zweck. (Foto: Kristin)

Entstanden ist die Idee dahinter 2003 in Australien. Das Wort Movember setzt sich aus „moustache“ (englisch für Schnurrbart) und „November“ zusammen. In diesem Monat haben alle Männer die Möglichkeit, mit ihrem Bartwuchs ein Zeichen zu setzen. Die Regeln sind einfach: Zum 1. November wird der Bart komplett abrasiert. Dann lassen sich die Teilnehmer nur den Schnurrbart wachsen.

Und jetzt kommt der Clou: Mit der Aktion werden Spenden gesammelt. Musiker, Sportler und sonstige Stars machten die Aktion im Laufe der Jahre weltweit bekannt. Ich selbst wurde darauf aufmerksam, als die ersten Fußballspieler in der Bundesliga plötzlich wieder Schnurrbärte trugen. Zuletzt war das in der frühen 90ern der Fall.

55 Millionen Euro gesammelt

Wenn ich auf meinen Schnurrbart angesprochen werde, weise ich auf den Movember hin und auf mein Spendenkonto. Jeder kann mitmachen, jeder kann spenden. Im Mittelpunkt steht dabei die Männergesundheit. Ein wichtiges Thema, das auch mich betrifft, denn weltweit sterben Männer im Durchschnitt früher als Frauen. Mit dem Geld, das durch die zahlreichen Schnurrbart-Träger zusammenkommt, werden unter anderem Projekte zur Hoden- und Prostatakrebsvorsorge und zur Spezialprävention unterstützt. Nach Angaben der Organisatoren wurden 2017 weltweit mit mehr als 301.943 Schnurrbärten Spenden in Höhe von 55 Millionen Euro gesammelt.

Im Movember ist das tägliche Rasieren Pflicht. Nur der Schnurrbart bleibt dran.

Im Movember ist das tägliche Rasieren Pflicht. Nur der Schnurrbart bleibt dran. (Foto: Kristin)

Seitdem sich der immer dichter werdende dunkle Flaum auf meiner Oberlippe ausbreitet, ernte ich auf der Arbeit und in der Öffentlichkeit den ein oder anderen verstörten Blick. Ok, es sieht schon ziemlich albern aus, aber darum geht’s ja gerade. Auch einige komische Sprüche wie „Oh, ein neuer Kollege?“, „Du siehst ja aus wie 20!“ oder „Bist du ein Pornostar aus den 70ern?“ musste ich mir schon anhören. Doch ich nutze dann die Chance, um über den Movember aufzuklären. Manchmal werden die Blicke dann noch verstörter, aber in anderen Fällen ernte ich wahres Interesse.

Durch Freunde und Kollegen konnte ich mit meinen haarigen Einsatz schon Spenden sammeln. Das Ziel von 100 Euro habe ich fast erreicht. Die Spender können auf meine Movember-Seite auch Kommentare hinterlassen. „Super Schnörres!“ und „Thomas Magnumschmidt“ motivieren mich auch nächstes Jahr wieder, im November Schnurrbart zu tragen.

Etwas Gutes tun

Auch wenn ich nicht viel dafür tun muss, gibt es mir ein wohliges Gefühl, wenn ich Gutes tun kann. Dafür nehme ich auch in Kauf, dass ich mich jeden Morgen nassrasieren muss. Am 15. Tag funktioniert das zwar in Windeseile, aber meine Haut will sich daran nicht gewöhnen. Rot, kratzig, schmerzend ist sie – gerade dem Hals gefällt das Rasieren gar nicht. Wenn ich dann einen Wollpullover trage, macht es die ganze Sache noch Schlimmer. Aber sogar die Schmerzen sind es mir Wert, wenn ich dadurch etwas für die Männergesundheit machen kann. Auch der kalte Herbstwind, der sonst an meinem buschigen Bart abgeprallt ist, wird zum Problem. Auf dem Rad zur Arbeit wird der kalte Fahrtwind zur Qual. Doch dann erinnere ich mich daran, wofür ich das alles mache: Um Gutes zu tun! Und so langsam gefällt mir der Schnurrbart auch – vielleicht lasse ich ihn einen Monat länger stehen.