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Die Suche nach dem Arbeitsflow

Es ist es so schön, wenn man in einen Flow triftet, Zeit und Hunger vergisst, und gedanklich komplett in einem Thema versinkt. Leider für mich reiner Zufall. Unvorhersehbar. Während meiner Masterthesis hatte ich jedoch gar keine andere Wahl, als trotzdem zu arbeiten.

Selbständig und eigenverantwortlich arbeiten ist etwas völlig anderes, als täglich zur Arbeit zu gehen. Das kann ich aus Erfahrung sagen, in meinem Volontariat habe ich nämlich neben dem Studium ganz normal bei der Nordsee-Zeitung gearbeitet. Das Schöne an so einem Job ist: Abends hat man Feierabend. Wenn du deine Masterthesis schreibst, hast du nie Feierabend, wenn du ihn dir nicht aktiv frei schaufelst. Und das ist schwieriger, als man zu Beginn vielleicht denkt. Vor allem nach einem unproduktiven Tag.

Eine große Rolle spielt für mich der Ort. Am effektivsten bin ich, wenn um mich herum auch gearbeitet wird. Deshalb liebe ich Bibliotheken. Vor allem die Bremer Uni-Bibliothek hat mir hier in der Region gefallen. Du sitzt mit unzähligen Menschen in einem Raum, es ist mucksmäuschenstill und du hast das dunkle Gefühl, dass dir die anderen auf den Bildschirm schauen. Sodass du nicht anfängst im Internet zu surfen. Außerdem tut es gut, den Arbeitskram aus der eigenen Wohnung auszulagern.

Ich war auch in anderen Bibliotheken, in Hamburg, Kiel, Marburg und in Gießen. Am allerbesten hat mir die Marburger Uni-Bibliothek gefallen – offene Architektur, schöner Ausblick, mein Eduroam hat problemlos funktioniert und ich musste meinen Rucksack nicht einschließen. Doch alle Bibs erfüllen ihren Zweck und sind großartigerweise kostenlos. Man muss nicht mal Student sein, um dort zu arbeiten.

Nicht jeden Tag gleich produktiv

Ich bin nicht jeden Tag gleich produktiv. Das habe ich auch als Angestellte in der Redaktion gemerkt. Dabei habe ich dort gute Routinen. Aber ich bin nun mal ein Mensch und nicht jeden Tag in Topform. Manchmal schaffe ich mehr und manchmal weniger. Wenn ich aber eigenverantwortlich und mit freier Zeiteinteilung an der Masterthesis arbeite, ist es an solchen Tagen richtig schwer einen Schlussstrich zu ziehen. Nicht, weil ich nicht will, sondern weil mein schlechtes Gewissen über meine Unproduktivität so groß ist, Und wenn ich es doch tue, geht es mir nicht gut dabei.

Ich hab dieses Dilemma gelöst, indem ich mir selbst feste Arbeitszeiten gegeben habe. Ich habe jeden Tag zur gleichen Uhrzeit angefangen und etwa zur gleichen Uhrzeit aufgehört: Von 9 bis 14 oder 15 Uhr. Egal, wie viel ich geschafft habe, oder nicht. Nur ganz zum Ende, habe ich mich daran nicht mehr gehalten, Klar, man kann auch mehr als sechs Stunden am Schreibtisch sitzen. Ich hätte auch den kompletten Tag dort verbringen können, aber ich wäre dadurch nicht produktiver gewesen. So ist das jedenfalls bei mir persönlich – das muss jeder bei sich selbst beobachten.

Meine Masterarbeit im Fach Journalismus und Medienwirtschaft habe ich  übrigens abgegeben und bestanden. 🙂

Dörthes Tipps, um in einen Flow zu kommen

 

  1. Jeden Tag das Gleiche. Unsere Gehirne greifen nach jedem Strohhalm, wenn es darum geht, eine angenehmere Beschäftigung zu finden. Deshalb solltet ihr euch so wenig Entscheidungen wie möglich aussetzen. Macht einfach jeden Tag das Gleiche. Dann hinterfragt ihr nicht mehr: Fang ich heute um 8 an oder um 10 Uhr? Geh ich heute in die Bibliothek oder schreibe ich von zu Hause? Ich habe jeden Tag um 9 Uhr angefangen und um 14 oder 15 Uhr Feierabend gemacht. So konnte ich ohne schlechtes Gewissen Feierabend machen. Ohropax haben mir geholfen auch an anderen Orten in den Arbeitsflow zu kommen.
  2. Pausen. Plan Pausen ein! Sonntags habe ich meistens nicht gearbeitet. Wenn du dir mehr vornimmst, als du schaffen kannst, hängst du ganz schnell deinem Zeitplan hinterher. Das ist dann schon zu Beginn demotivierend. Mach deine Zeitpläne realistisch! Der Mensch braucht Erholung, du bist keine Maschine. 😉
  3. Kleine To-Dos. Listen verschaffen dir einen Überblick, was noch zu tun ist. Schreib dort ruhig kleinteilig auf, was du noch erledigen musst. Rechne dir aus, wie viel du pro Tag schaffen musst. Daran kannst du dich dann täglich orientieren.
  4. Schreib irgendwas. Es gibt Tage, da bringt man gehirnmäßig nicht viel zustande. Such dir an so einem Tag ganz banale Aufgaben aus. Literaturliste schreiben, Interviews tippen, Deckblatt machen – auch diese Dinge müssen erledigt werden. Wenn du solche Aufgaben nicht mehr übrig hast: Schreib einfach irgendwas. Schreib ein Kapitel auswendig auf, auch wenn du das später nochmal stark überarbeiten musst. Das mit dem schlechten Gewissen ist nämlich reine Kopfsache. Und es gibt nun mal Tage, da schafft man nichts. Du hast trotzdem deinen Feierabend verdient.
  5. Talk to the people. Sprich mit Leuten über dein Thema. Dadurch kommt die Freude an dem Inhalt deiner Arbeit zurück. Und mit ihr vielleicht auch neue Inspirationen.

Arbeitsplätze für Bremerhavener

1. Mein Favorit: Die Bremer bib

Der Bibliothek der Bremer Universität ist von Bremerhaven aus eine Autostunde entfernt. Für mich persönlich kommt sie also nicht für die tägliche Routine infrage. Aber ich bin zu Beginn, während der Literaturrecherche, oft an einem Samstag oder Sonntag dort hin gefahren. Dort finden Studenten alles was sie brauchen: Ruhe, Literatur und viele andere Studenten, die ihre Köpfe in Bücher und Laptops stecken. Nirgendwo sonst habe ich eine so gute und disziplinierte Arbeitsatmosphäre wahrgenommen. Und das färbt ab. Du kannst dich hier quasi an jedem beliebigen Tag rein setzen und dich von dem Sog der fleißigen Studis mitziehen lassen.

Staats- und Universitätsbibliothek Bremen
Bibliothekstraße
Bremen
Öffnungszeiten:  Montag – Freitag: 8 – 22 Uhr, Samstag: 10 – 18 Uhr

2. Die BücherregaLe der Hochschulbib

In der Bibliothek der Bremerhavener Hochschule gibt es mehrere Plätze, an denen gearbeitet werden kann. Im oberen Bereich gibt es Gruppenarbeitsplätze und zwischen den Regalen stehen an verschiedenen Ecken Tische mit Stühlen und Steckdosen. Also alles, was man zum Arbeiten mit Laptop braucht. Hier kann man sich kostenlos hinsetzen und die Bücherregale sorgen von ganz allein für Arbeitsatmosphäre bei mir. Für mich ging es jedoch nicht ohne Ohropax, weil die Arbeitsplätze nicht komplett ruhig sind.

Bibliothek an der Hochschule Bremerhaven
Karlsburg 7 (Haus S)
Bremerhaven
Öffnungszeiten:  Montag – Freitag: 9 – 18 Uhr

3. Vielfalt in der Stadtbibliothek

Die Bremerhavener Stadtbibliothek bietet mehrere Plätze mit Steckdosen an, die jeder Besucher kostenlos nutzen darf. Jedoch gibt es keinen Ruheraum, wodurch sich das Arbeiten für mich dort höchstens auf Gruppenarbeiten beschränkt. Selbst mit Ohropax ist es dort für mich zu unruhig. Trotzdem würde ich die Bibliothek einem Café jederzeit vorziehen, weil sie die Grundbedürfnisse erfüllt: Günstige Getränke, Tische mit Steckdosen und eine Toilette. Mir gefällt, dass man an diesem Ort ganz unterschiedliche Menschen trifft. Hier geben Menschen Deutsch-Nachhilfe, Kinder machen Hausaufgaben und Senioren lesen Magazine.

Stadtbibliothek Bremerhaven
Hanse-Carré (Bürgermeister-Smidt-Str. 10)
Bremerhaven
Öffnungszeiten: 
Montag – Freitag: 11 – 18 Uhr, Donnerstag: bis 19 Uhr, Samstag: 11 – 14 Uhr