Foto: Anja

Anjas größtes Glück 2018: Wotan

Mein größtes Glück ist flauschig und hat vier Pfoten. Seit dem Sommer lebt Wotan nun bei mir. Fast ein ganzes Jahr lang bin ich zu dem Zeitpunkt schon jeden Morgen vor der Arbeit ins Tierheim gegangen, um mit ihm eine Runde durch den Speckenbütteler Park zu drehen. So begann jeder Tag für mich voller Glück. Wenn Wotan mich sah und vor Freude wild in seinem Zwinger umhersprang, hüpfte mein Herz.

Wir rannten durch den Schnee, spielten Stöckchen oder saßen einfach aneinandergelehnt da und schauten den Enten auf dem Teich zu. Wenn er Spaß hatte, war ich glücklich. Meine Wochenend-Unternehmungen mussten sich fortan nach den Gassigeh-Zeiten des Tierheims richten. Beim Gedanken daran, er könnte plötzlich an jemanden vermittelt werden und ich würde ihn nie wiedersehen, kamen mir die Tränen, auch wenn ich ihm natürlich von ganzem Herzen ein schönes, neues Zuhause gewünscht hätte. Schon fast sein halbes Leben hat er im Tierheim verbracht und hatte davor leider keinen schönen Platz zum Leben. Eine schlechte Zeit, die ihn sehr geprägt hat. Viele hatten Angst vor ihm und gaben Wotan gar nicht erst eine Chance. Aber: „Er hat sich enorm verändert“, „Er ist wie ausgewechselt, wenn er mit dir unterwegs ist“, kriegte ich immer zu hören.

I love my dog as much as I love you.
But you may fade, my dog will always come through.
All the pay I need comes a-shinin‘ through his eyes.

Cat Stevens

Dann im Sommer machte ich endlich den entscheidenden Schritt: Sein neues Zuhause soll ab sofort bei mir sein, ich will immer mit Wotan gemeinsam durchs Leben gehen. Dafür musste ich unter anderem umziehen, was einige Dinge nicht gerade einfacher gemacht hat. Jeder Tag richtet sich nach ihm, Unternehmungen sind nur noch selten möglich, mitnehmen könnte ich Wotan eigentlich nie, er ist nämlich ein großer Schietbüdel und hat einen besonderen Charakter.

Zusammengefasst: Meine Tage sind viel anstrengender als vorher. Aber: Wenn Wotan mich mit seinen braunen Augen anschaut, weiß ich, das ist es allemal wert. Ich freue mich jeden Abend auf der Heimfahrt schon wieder auf den Spaziergang mit ihm. Aber vorher wird erst mal ordentlich gekrault. Und wenn ich dann meine Nase in sein schwarzes Fell stecke, habe ich ganz schnell jeden Stress und alle Sorgen vergessen. Wenn Wotan abends zufrieden (und nur ein wenig müffelnd) auf seinem Hundebett liegt, war es nicht nur für mich ein glücklicher Tag.