Foto: Nina Brockmann, Montage: Lena Gausmann

Wremen: Urlaub in der Heimat

Mit Wremen verbinde ich viele Kindheitserinnerungen. Ausflugstage im Strandkorb, der Geruch von Sonnencreme, wehende Strandmuscheln, ängstliche Wattwanderungen (ihhh, Krebse!), Sonnenbrände. Diese Tage sind leider weniger geworden. Umso glücklicher war ich, als mich die Einladung erreichte, eine Nacht im Upstalsboom Deichgraf Hotel zu verbringen – und Wremen nochmal genau wie früher, vielleicht aber auch mit anderen Augen, zu erleben.

Das Wetter meint es gut mit mir. Als ich den Parkplatz hinter dem Deich erreiche, reißt der Himmel – zumindest ein wenig – auf. Ich habe meine sieben Sachen gepackt für eine kurze Auszeit an der Nordsee. Viel brauche ich nicht: Nur mich, meine Kamera und Hunger. Ich bin mit Hoteldirektor Sebastian Schmidt zum Essen verabredet – im hoteleigenen „Restaurant Weitblick”, das ich bis dato gar nicht kannte. Gefundenes Fressen also.

Ich scanne die Karte und kann mich nicht entscheiden. Fisch, Fleisch, vegetarisch? Oder den neuen „Deichgraf“-Burger mit hausgemachter Barbecue-Sauce und Spiegelei? Meine Augen streifen noch über die saisonale Spargelkarte, bevor ich mich für ein eher klassisches Fischgericht „Duett vom Limandes und Lachs” mit mariniertem Flusskrebs, gestovtem Blattspinat und Zitronen-Kartoffelpüree entscheide.

Sebastians Wahl fällt auf den Burger. „Der ist unglaublich gut”, begründet er seine Wiederholungstat. „Wir haben eine ganze Burger-Session in der Küche veranstaltet. Jeder hat eine Kreation entwickelt. Am Ende haben wir den besten gekürt und auf die Karte aufgenommen. Unser Koch Malte hat gewonnen”, so der Hotelchef.

Man kann aus einem dackel keinen Windhund machen.

Mit dem Wort „Chef” tut Sebastian sich sichtlich schwer – egal, ob Küchenchef, Empfangschef oder Hausdame. Auch er selbst möchte eigentlich nicht als Hoteldirektor, lieber als „Upstalsboomer”, bezeichnet werden. Sebastian ist im November aus Berlin nach Wremen gekommen, um die ganze Hotel-Hierarchie umzukrempeln beziehungsweise eine spitze Hierarchie als solche abzuschaffen. „Man kann aus einem Dackel keinen Windhund machen”, sagt Sebastian als er mir seine Idee erklärt. „Und andersrum kann ein Windhund auch die speziellen Fähigkeiten eines Dackels nicht erlernen.” Deswegen müsse man das Potenzial eines jeden Menschen anders nutzen. Und niemanden über die Mitarbeiter stellen, der sagt, was sie zu tun und zu lassen haben

Sebastian selbst kommt aus einer höheren Manager-Position. Jahrelang musste er im Minutentakt Entscheidungen über die Köpfe anderer Mitarbeiter hinweg fällen. „Ich bekam bis zu 150 Mails am Tag – da kann man gar keine guten Entscheidungen mehr treffen. Und irgendwann war ich in einer Sackgasse”, gibt er zu. Fünf Jahre habe er ab dann gebraucht, um zu verstehen, wofür er eigentlich geboren wurde. In dieser Zeit ist er zwei Monate lang von Berlin nach Venedig gewandert oder hat mit dem Fahrrad die deutsche Grenze abgefahren. Viele Begegnungen, aber auch das Alleinsein hätten ihm gezeigt, worauf es für ihn im Leben ankommt: Bei sich selbst zu sein. Und das Beste aus den eigenen als auch aus den Fähigkeiten anderer Menschen zu machen. Heute ist er Coach und Mentor.

„Ich habe auch verstanden, dass man den größten Luxus im Leben eigentlich gar nicht braucht. Man ist auch mit dem dicksten Auto nicht glücklich”, so Sebastian, der mit seiner Frau in Langen wohnt. Drei Zimmer zur Miete, ohne viel Schnickschnack. „Man braucht im Leben nicht viel mehr als sich selbst und die Menschen um sich herum”, weiß er heute. „Wichtig ist, auf sich selbst, den Körper und seine Bedürfnisse zu achten. Ich meditiere zum Beispiel jeden Morgen.”

Nach diesem Gespräch brauche ich erstmal einen Spaziergang. Das Wasser ist fast fort, es ist windig geworden. Ich gehe eine Runde über den Deich und am Watt entlang. Knipse ein paar Fotos, ich habe irgendwie einen kreativen Lauf. Dann checke ich ein, genieße die atemberaubende Aussicht noch ein wenig und schlafe inspiriert und glücklich ein.

Foto: Nina Brockmann

Um 9.15 Uhr werde ich mit einem Frühstück auf dem Zimmer geweckt. Auf Wunsch ist das im Upstalsboom möglich – und ich kann es nur empfehlen: #breakfastwithaview. Ich gönne mir also Rührei mit knusprigem Speck, ein Kännchen Kaffee und Bircher Müsli mit Obst- wofür das Hotel angeblich bekannt ist und was ich nach dem Verspeisen nur verstehen kann – im Bett, bevor ich mein „home for the night” schweren Herzens schon wieder verlassen muss. Doch zum Glück hat der Tag erst begonnen, denn in Wremen gibt es nicht nur viel zu sehen, sondern auch einiges zu unternehmen:

Von Wremen nach Weddewarden

Ich bin ein kleiner Morgensportler. Und ich entdecke gerne neue Jogging-Routen. Das ist einfach das Beste an diesem Sport: Du kannst ihn immer und überall machen. Und dabei viel entdecken. Ich stecke mir also meine Stöpsel ins Ohr und jogge los. Hin hinter, zurück auf dem Deich. Die Strecke bis zum Hafen beträgt etwa sechs Kilometer – und die Aussicht macht jeden Beinausschlag durch das hohe Gras auf dem Deich wieder wett, versprochen! Wem die Gesamtstrecke von rund 12 Kilometern aber zu lang ist, der kann bereits nach rund vier Kilometern in Imsum am Ochsenturm, Denkmal und Aussichtsplattform, Halt machen.

Das Siebhaus

Das Siebhaus ist und bleibt ein Hotspot am Werner Tief. Es ist eigentlich nur eine kleine, feine Hütte, die Charme hat ohne Ende. Viele Radfahrer machen hier Rast, viele lümmeln sich auch einfach nur auf einen der Liegestühle. Aber eines machen sie alle: Fischbrötchen essen. Da die Krabbenpreise leider ins Unermessliche steigen, habe ich dort ein neues Gericht für mich entdeckt: Heißer Garnelentopf mit Brötchen und Salatbeilage. Alleine die Salatbeilage ist der Kracher – so erfrischend, auch durch die verschiedenen Obstsorten, allen voran Melone, Weintrauben und Erdbeeren, die gerne mal drauf liegen. Für mich eine perfekte Kombi zu den in Kräutern, Knoblauch und Öl servierten Garnelen. Je nach Durstart wird hier ein freshes Blondes, ein vornehmer Wein oder Hugo oder ein köstlicher Kaffee getrunken. Zum Kaffee darf natürlich ein hausgemachtes, stets übergroßes Stück Kuchen nicht fehlen. Klassiker sind hier der Käse- und der Apfelkuchen. Auf gutes Platzen.

Restaurant „Zur Börse”

Darf’s ein bisschen schicker, leckerer, over the top sein? Das Restaurant „Zur Börse” ist zugegeben mein absolutes Lieblingsrestaurant. Björn kocht dort regional, saisonal, slow und einfach unglaublich gut – mit bewundernswerter Leidenschaft. Ich bin echt wählerisch, was Gerichte angeht, aber hier würde ich blind bestellen und garantiert alles mögen. Trotzdem habe ich natürlich ein Lieblingsgericht, das nicht immer auf der Karte steht, aber stets seinen Weg darauf zurückfindet: Lachs mit Feta überbacken, saisonalem Gemüse und perfekt buttrigen Bandnudeln. Ein Dessert, oder die Dessertvariation, sollte immer gehen, egal, wie voll man ist. Eines meiner Highlights ist das Pistazieneis, nebenan: Creme brûlée.

Wremer Bakery

Treat yourself: Relativ unscheinbar zwischen den ganzen Fischbuden am Wremer Tief versteckt sich ein brauner Wagen mit der Aufschrift: „Brownies & Cookies” – und genau diese gibt es hier, neben Softeis, Shakes und Kaffee-Spezialitäten. Eben genau die süßen Dinge, die einen Strandtag noch schöner machen. Der Amerikaner John Reinhard hat seinen kleinen Coffeeshop eigentlich in der Preßburger Straße in Bremerhaven. Doch seit dieser Saison hat er neben seinem Stand auf dem Geestemünder Wochenmarkt auch noch einen zwischen den Fischfetischisten. Eine willkommene Abwechslung für die Besucher in Wremen. Und es gibt dem beschaulichen Ferienörtchen noch einen Grund mehr, ihn zu lieben.

Hinweis:

Dies ist eine Kooperation. Solche gehen wir nur dann mit Partnern ein, wenn wir uns auch mit dem Produkt bzw. dem Geschäft identifzieren können. Es handelt sich um keinen bezahlten PR-Text, sondern einen bezahlten redaktionellen Beitrag, der nicht von unserem Kooperationspartner gegengelesen wurde. Kurz: Unsere Leidenschaft, unsere Meinung.

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