Foto: Dörthe Schmidt

Vitamin Sea: Kanufahren im Norden

Ich liebe die Natur, unter Leuten zu sein und Abenteuer. Deswegen sind Kanu-Touren perfekt für mich. An Regen, Wind und Wellen, die gegen unser Boot schwappen, habe ich allerdings nicht gedacht, bevor es los ging. Auch nicht daran, dass das Paddeln mich und meine Freunde näher zusammenbringen würde.

Wir sind bereit. Bereit für dreckige Fingernägel, rauen Wind im Gesicht und harte Isomatten. Wir – meine ehemalige, wunderbare WG, ein paar Freunde und ich – sind ein bunter Haufen mit ordentlich Gepäck. Wir sind keine Outdoor-Newbies. Und das ist auch gut so, wie ich später zu spüren bekommen sollte. Ein Gaskocher und eine Espresso-Kanne sind nach einer nur halbwegs bequemen Nacht im Schlafsack der Himmel auf Erden. Dann sitzen wir nämlich im Schneidersitz auf der Wiese – in den gleichen Klamotten, in denen wir geschlafen haben und teilen brüderlich den Kaffee. Mehrere Kilometer auf dem Wasser liegen vor uns und die Wolken am Himmel verheißen nichts Gutes. Aber erstmal sitzen wir da. Der Kaffee schmeckt nach Zusammenhalt.

Schuhe in Gummiform

Die Tour beginnt in Eutin. Dort treffen wir uns am Bahnhof. Der Bootsverleih Keusen holt uns netterweise mit zwei Bullis ab und bringt uns zu den Booten. Wir bekommen kleine Plastiktonnen für unsere Wertgegenstände und ich bekomme gehörig Respekt. Die anderen sind nämlich deutlich besser vorbereitet als ich. Sie haben wasserdichte Säcke für ihre Taschen und Gummistiefel. „Wie, du hast keine Gummistiefel dabei? Was hast du dir denn vorgestellt?“. Vielleicht, dass ich ohnehin nass werde und direkt meine alten Schuhe anziehen kann. Na ja, falsch gedacht. Zum Glück kommt noch eine Freundin nach und bringt mir ein Paar mit.

Die Kanus transportieren wir mit Fahrgestellen zur nächsten Wasserstelle. schieben die Boote vorsichtig vom Steg, packen die kleinen Wagen ein und gehen an Bord. Wackeliger Untergrund, Paddel, großer weiter See. Ich tauche das Paddel vor mir ins Wasser ein und ziehe es nach hinten, nur um vor mir wieder genauso viel Wasser vorzufinden.

Wir gleiten. Ich, die ich das zum allerersten Mal mache, bin überrascht, wie langsam wir auf dem seichten Wasser vorwärts kommen. Ich gebe es an dieser Stelle nicht gern zu, aber mein Kanu ist das langsamste von den fünf. Und ich glaube, es liegt an mir. Ich und der Freund hinter mir haben das noch nie gemacht – aber wir sitzen in einem Boot. Es dauert einen halben Tag bis wir einen gemeinsamen Rhythmus haben. Aufgeben ist keine Option.

Mitten in der Natur

Unterwegs zu unserem ersten Zeltplatz am Plöner See sehen wir versteckte kleine Welten. Die Perspektive vom Wasser aus ist ungewohnt. Wir sehen unter Wasser stehende Wäldchen, große Gärten direkt am See und kleine Inseln, auf denen nur Vögel wohnen. Wir sind mittendrin in der Natur. Und das meine ich leider nicht nur im Guten: Wenn es regnet, werden wir nass. Wenn die Sonne scheint, scheint sie ohne Erbarmen. Besonders der Wind hat es auf unsere kleinen Boote abgesehen. Auf dem See entstehen große Wellen, die uns direkt entgegenpeitschen und jeden Paddelschlag auslachen. Sie schieben uns zurück. Es kostet Kraft, aber irgendwie schaffen wir es, den See zu überqueren.

Ein kleiner Steg mitten im Nirgendwo wird unsere Rastplatz: Fünf leere Kanus am Ufer und dreizehn hungrige Menschen an Land. Sobald alle satt sind, geht es weiter. Wenn wir auf dem Wasser Lust auf eine kleine Pause haben, halten wir unsere Boote zusammen und bilden eine kleine Insel. Wir reichen Kekse herum, lehnen uns auf den Kanus zurück. Teilen ist etwas Großartiges – egal, ob Kekse oder ein Abenteuer. Doch das Allerschönste kommt noch.

Nichts hat je so gut geschmeckt

Der Abend. Wir laufen auf Land, ziehen die Kanus zu unserem Zeltplatz und bauen unser Lager auf. Wer fertig ist, beginnt zu kochen. Die anderen helfen, sobald ihre Zelte stehen und die Schlafsäcke ausgerollt sind. Die anderen sammeln Teller zusammen und holen Kerzen heraus. Dann ist Essenszeit. Es gibt Nudeln und Tomatensoße. Und wisst ihr was? Es schmeckt köstlich. Nichts hat je so gut geschmeckt.

Auf einer Kanu-Tour dürfen natürlich gewisse Basics nicht fehlen: Vor allem ein guter Schlafsack und eine Isomatte. Die Nullgrad-Nächte, die wir im Frühling noch haben, sind nämlich ganz schön kalt mit der falschen Ausrüstung. Selbst, wenn man jemanden zum kuscheln neben sich hat (happy me!). Außerdem: Regenjacke, Regenhose und Gummistiefel.

Hier die besten Kanuverleihe in der Region mit ganz persönlichen Empfehlungen.

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Grafik: Lena Gausmann

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2 Comments

  1. Dörthe

    Hey Sebastian, danke für deinen Kommentar. Deine Tour hört sich großartig an. Das mit dem Essen kenne ich auch von Campingtouren, irgendwann wünscht man sich Salat oder träumt von Pommes. Aber andererseits lernt man das Essen Zuhause dadurch viel mehr zu schätzen, finde ich 🙂
    Pass auf dich auf!

    Schöne Grüße
    Dörthe

  2. Sebastian

    Ha! Ja, so Nächte können kalt werden. Es hat aber was am nächsten Morgen erstmal den Frost vom Zelt zu schieben und zu warten dass das Eis auf dem Steg taut. Auf meinen Törns mit meinem Schlauchsegelboot war ich allerdings alleine Unterwegs. Wobei ich sagen muss: Mit einem kleinen Boot, im Winter, alleine… Regelmäßig an Liegeplätzen mitten in der Natur, einsame Inseln… Das hat was, ist was tolles. So nah an der Natur. So einfach kann Glück sein.
    Nur das essen… gegen Ende meiner Törns im Schlauchsegelboot konnte ich Fertignahrung nicht mehr sehen. Und selbst 1-Pot gerichte… Nicht als Dauerzustand. Ich bin froh als Liveaboard meinen Zweiflammenkocher zu haben 🙂
    Viele Grüße,
    Sebastian

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