Foto: Arnd Hartmann

Summa Madnezz: “Malen ist wie Meditation”

Der Himmel über Bremerhaven wechselt alle 5 Minuten von einem blauen Himmel zu Platzregen. Doch das hält die beinahe 50 Künstler an der Hallenwand an der Oststraße im Fischereihafen nicht auf. Sie malen. Meist mit der Sprühdose, aber manche auch mit der Rolle.

Die Wand im Fischereihafen kenne ich schon von früheren Besuchen. Einmal war ich dort privat, um Fotos für eine Sattlerin zu schießen, einmal habe ich dort ein Pferd und seine Reiterin für eine Reitsportmarke fotografiert. Umso neugieriger bin ich auf die Umgestaltung der Wand und nehme mir Zeit, obwohl ich nicht einmal 24 Stunden Aufenthalt in Bremerhaven habe.

Ich treffe mich mit Arnd und wir laufen ganz entspannt zu zweit die Wand entlang und beobachten den Entstehungsprozess. Arnd ist auch Fotograf. Die Fotos habe ich dieses Mal nicht selbst gemacht, sondern er.

zu beschreiben, was das Schönste am Malen ist, ist wie zu beschreiben warum meine frau die schönste ist.

Mit vielen Künstlern kann ich mich entspannt unterhalten, aber einen darf ich besonders löchern. Christian erzählt mir viel über die Veranstaltung an sich, und versucht mir näher zu bringen, was ihn am Malen so fasziniert.

ich bin gedanken los, ich bin gedankenlos

Viele schreiben Konzepte, setzen sich vorher zusammen, skizzieren, planen und verwerfen wieder. Ein ganz normaler künstlerischer Prozess, der auch mir nicht fremd ist. Christian malt Freestyle. Er malt ohne Vorplanung einfach was ihm in den Sinn kommt. Sein Hauptthema heute: Er selbst als Comic. “Beim Malen fühle ich mich frei, wie in einem Rausch”, erzählt er mir. Die Stunden würden davon fliegen wie Sekunden, während er sich auf seine Kunst konzentriert.

50 Graffiti-Künstler (auch ehemalige aus Bremerhaven) kommen zur Oststraße im Fischereihafen für ihr Jahresevent mit dem Namen „Summa Madnezz“. (Foto: Arnd Hartmann)

Böse Blicke und freundliche Leute

Wir erregen mit unseren Kameras Aufsehen und ernten auch skeptische oder böse Blicke. Die Leute aber mit denen ich spreche sind sehr freundlich, offen und herzlich. Daher wundern mich die Blicke, die wir öfter bekommen, wenn wir die Kameras in der Hand haben. Ich vermute, dass die Künstler nicht bei ihrer Arbeit gestört werden wollen und der Entstehungsprozess nicht gezeigt werden soll.

Als ich dann jedoch mit einem Maler spreche und ihn bei der Arbeit fotografieren will, fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Er erklärt es mir: Zwischen den Künstlern, die hauptberuflich davon leben, malen auch einige, die bereits diverse Anzeigen bereits bekommen haben. Weil sie illegal auf öffentlichen Flächen gesprüht haben. Sie haben natürlich Angst, wiedererkannt zu werden.

Was ist eigentlich Summa Madnezz?

2010 rief Andreas zum ersten Mal Summa Madnezz ins Leben. Seitdem wird einmal im Jahr die 400 Meter lange Wand komplett neu angemalt. Jedes Jahr gibt es ein neues Thema, an dem sich alle orientieren können. Im letzten Jahr war es “Piraten”, dieses Jahr sind es “Comics”. Aus den ursprünglich 18 Malern sind dieses Jahr über 50 geworden. Informiert werden sie nur über Mundpropaganda. Wer mitmalen möchte, braucht ein gewisses Level und muss sich vorher anmelden, damit genügend Platz für jeden da ist. Das Event ist mittlerweile überregional bekannt. So kommen nur 3 der Künstler aus Bremerhaven. Andere reisen zum Beispiel aus Osnabrück, Bremen, Hamburg und den Niederlanden an.

Malen ist wie meditation. So nah kommt man seinem Zentrum sonst nie

Nach einem Regenschauer, den wir gemeinsam ausgeharrt haben, verabschiede ich mich von Arnd und den Künstlern, allerdings nicht ohne eine Einladung ins Yesterday ablehnen zu müssen. Dort läuft heute HipHop und die Maler treffen sich dort zum klönen. Mich jedoch zieht es weiter und so verlasse ich an diesem Tag mit einem Lächeln im Gesicht Bremerhaven, während der Regen auf meine Windschutzscheibe trommelt.

Überblick

Summa Madnezz
Graffiti-Künstler treffen sich an einem Wochenende im Jahr und gestalten gemeinsam die 400 Meter lange Wand der alten Schiffbauhalle im Fischereihafen Bremerhaven.