Foto: Dörthe

Restaurant Estragon: Ein bisschen Costa-Rica in Cuxhaven

Für einen kurzen Moment haben meine Füße den Boden verlassen. Ein kleines, unscheinbares Glas, gefüllt mit mokkafarbener Creme zwingt mich dazu, meine Augen zu schließen und abzuheben. Der halbgefrorene Eiscappuccino aus dem Cuxhavener Restaurant Estragon ist das leckerste, das ich seit Langem gegessen habe. Weil die Besitzer Nathalie und Julio Solano ihren Laden bald schließen, lautet meine dringende Empfehlung: Nehmt euch einen Abend Zeit und ladet eure Liebsten ein.

Das Estragon wurde mir von einer lieben Kollegin und Cuxhaven-Kennerin empfohlen. Sie hat gesagt: „Dörthe, da gefällt es dir bestimmt.“ Sie hat Recht behalten. Jeder Gang war köstlich, bunt und schön angerichtet. Die Besitzerin und Bedienung Nathalie Solano ist sehr freundlich und unkompliziert. Fast will man sie und ihren costa-ricanischen Mann von der Weltreise abhalten, die sie in den nächsten Monaten aus Cuxhaven führen wird.

Die Gerichte sind ein Fest

Meine Begleitung und ich setzen uns an den kleinen Tisch direkt hinterm Fenster – zweifellos die schönsten Plätze. (Wobei die Terrasse bei gutem Wetter auch toll sein muss.) Aus der Küche hört man Nathalie und Julio manchmal auf Englisch sprechen. Sie kommt aus Cuxhaven und er aus Costa-Rica. Was Nathalie auf Tellern nach draußen trägt ist jedes Mal ein Fest. Die Gerichte sind mit Liebe zubereitet, das schmeckt und sieht man. Die Karte ist nicht besonders groß, aber abwechslungsreich.

Zur Vorspeise hatte ich den gratinierten Ziegenkäse mit Walnüssen und buntem Salat in Himbeerdressing – ein Traum. Als Hauptgericht wählte ich Reis mit Chili-Mango-Chutney und Gemüse – bunt und lecker. Eigentlich war dieses Gericht mit in Weißwein gegartem Hähnchen, aber ich bin Vegetarierin und Julio hat es für mich abgewandelt. Zum Dessert nahm ich bayrische Creme mit Rhababerkompott – ein bisschen zu süß für meinen Geschmack, aber auch gut.

Meine Begleitung hatte zur Vorspeise die Tagessuppe: Tomate-Basilikum. Würden wir Noten vergeben, wär das hier eine glatte Eins. Und auch die Hauptspeise „Julios feuriger Fisch-Tomaten-Topf“ hält laut meiner Begleitung alles, was sie verspricht. Sie ist scharf und lecker, die Shrimps haben Biss. Obendrauf gibt es frische Avocado und Reis als Beilage. Zum Dessert kommt die Rakete, die mich wohl noch lange an den Besuch denken lassen wird: Halbgefrorener Eiscappuccino mit Espresso-Sahnehaube. Ich bin kein Kaffee-Fan was Desserts angeht, aber dieser Nachtisch war unglaublich.

Ein Lokal zum Wohlfühlen

Von außen sieht das Lokal einladend aber unauffällig aus. Bunte Blumen schmücken die Fensterbänke, die zur kleinen Straße zeigen. Der Gastraum sieht aus, wie in vielen deutschen Lokalen: eine Theke aus dunklem Holz, dunkle Stühle und Holzboden. Ich fühle mich in solch einer Einrichtung viel wohler, als auf schicken Designer-Möbeln. Ich möchte, dass ein Lokal in erster Linie Wert auf das Essen legt. Im Estragon kann ich guten Gewissens sagen, dass das der Fall ist. Schade, dass die beiden das Geschäft Ende Oktober schließen. Aber vielleicht führt ihre Reise sie auch irgendwann wieder zurück nach Cuxhaven.

Für mich bleibt der Abend im Estragon eine sehr schöne Erinnerung. Wir waren vorher am Sahlenburger Strand, sind im Watt spazieren gewesen und hatten die Idee, endlich dieses eine Restaurant auszuprobieren, spontan. Nathalie Solano hat uns in einem lockeren T-Shirt, Schürze und einem einnehmenden Lächeln bedient. Wir haben uns von Anfang an willkommen gefühlt – auch in unseren Strandoutfits.

Überblick

Estragon
Große Hardewiek 4 in Cuxhaven
Telefon: 04721 394808
Öffnungszeiten:  Dienstag bis Samstag von 17.30 Uhr-open end, Küche bis 22 Uhr
www.estragon-cuxhaven.de