Foto: Nina Brockmann

Wie bei Muddern: Maritime Küche direkt hinterm Deich

Direkt hinterm Deich hat sich eines meiner liebsten Fischrestaurants in Bremerhaven versteckt: das Wasserschout. „Schmeckt wie bei Muddern”, würde der Norddeutsche zum kulinarischen Angebot auf der Karte sagen – nicht viel Schnick Schnack, einfach lecker. Das Wasserschout ist ein Ort, der viele Kindheitserinnerungen in mir weckt.

Heute ist es ziemlich grau draußen. Der Wind bläst Nina und mir um die Ohren, als wir zur Mittagspause aufbrechen. Am Deich ist es noch schlimmer. Es fängt außerdem an, etwas zu tröpfeln. Der Himmel verdunkelt sich zusehends. Einer dieser typisch durchwachsenen Tage an der Küste. „Endlich essen”, denken wir beide. Und das in einem meiner Lieblingsrestaurants, in dem ich schon unzählige Male mit meinem Dad essen war. Mein Dad ist ziemlich stolz auf seine Heimatstadt Bremerhaven und hat dementsprechend viele Geschichten über sie zu erzählen. Essengehen ist unser gemeinsames Hobby.

Nordisch by Nature

Maritimer Kleinkram, wo man hinsieht: Steuerräder an den Wänden, Segelschiffe auf den Regalen, kleine Leuchttürme auf den Fensterbänken. Hinzukommen rotbraune Tische und Stühle. Das Ambiente im Wasserschout ist zugegeben old school, sehr old school. Dennoch wirkt es nicht kitschig und überladen, vielmehr einfach und gepflegt. Durch die Theken-Ecke bekommt das Restaurant außerdem Kneipencharakter.

Die Speisen und Getränke auf der Menükarte kommen ebenfalls geradlinig daher: Meistens gibt es Fisch oder Fleisch plus Stärkebeilage, Gemüse, Sauce und Beilagensalat. Ich empfehle den gleichnamigen Teller des Hauses mit Schollen-, Rotbarsch- und Limandesfilet, frischem Marktgemüse, Sauce Béarnaise und Bratkartoffeln. Wenn ich mal keine Lust auf dieses Dreierlei habe, bestelle ich den „Admiralsteller”, nur mit Limandesfilet – in Eihülle gebraten.

Limande (Echte Rotzunge) ist mein kulinarischer favourite unter den Wasserbewohnern. Wenn’s nach meinem Vater geht, kommt diese Schwäche von meiner Oma, seiner Mutter. Limande war auch ihr Nonplusultra. Er ist besonders zart im Geschmack und daher auch bei Köchen sehr beliebt. Da es ihn nicht immer in ausreichender Menge gibt, ist er dementsprechend teuer.

Saisonale und maritime Gerichte

Nina und ich setzen uns und durchstöbern die Karte. Heute gibt es für uns keinen Fisch, sondern etwas Vegetarisches: Kräuterpfannkuchen mit Spargelstangen. „Wir passen uns an die Saison an. Auf jeden Fall. Das macht die Qualität aus”, erzählt die Bedienung, während sie kurze Zeit später mit zwei großen Tellern zu uns an den Tisch kommt. Zum Pfannkuchen gibt es Sauce Hollandaise. Hört sich nicht so ausgefallen an, schmeckt aber vorzüglich. Ein kleines, aber feines Gericht. Und gerade das muss stimmen, finde ich: Schließlich sind es oftmals die „einfachen” und traditionellen Gerichte, die in der Küche schiefgehen können. Sei es im Restaurant oder zu Hause. Bratkartoffeln sind auch so ein Fall. Die schmecken ebenfalls im Wasserschout. Schön knusprig, mit Speck und Zwiebeln.

Kräuterpfannkuchen mit Spargel. (Foto: Janina Kück)

Von Oktober bis hin zur warmen Jahreszeit gibt es zwei Gerichte im Restaurant, die norddeutscher nicht sein könnten: Knipp und Labskaus. Für alle nicht Einheimischen: Knipp ist eine mit der Pinkel (Stichwort: Grünkohlbeilage) verwandte Grützwurst, die vor allem in Bremen und einigen Regionen in Niedersachsen gegessen wird. Die Wurst besteht aus Hafergrütze und einigen tierischen Komponenten, über die man besser nicht genauer nachdenkt. Manche erwärmen sie und essen sie auf Schwarzbrot, andere braten sie an und servieren sie mit Apfelmus. Bei Labskaus hingegen handelt es sich um einen Brei aus gekochten Kartoffeln und gepökeltem Rindfleisch. Nichts fürs Auge, aber etwas für den Gaumen. Dazu gibt es rote Beete, saure Gurken und Spiegeleier. Je nach Variante, beziehungsweise norddeutschem Härtegrad des Gastes, noch ein Matjesfilet oder einen Rollmops dazu.

Ein Dreierlei aus Rotbarsch, Scholle und Limande. Lecker, lecker, lecker! (Foto: Janina Kück)

„Im Februar servieren wir auch gerne Stint”, verrät die Kellnerin. Ein kleiner Fisch, der mit allem Drum und Dran gegessen werden kann. Gräten, Kopf und Schwanz. Nicht Jedermanns Sache. Auch nicht ihre, wie sie ehrlich zugibt.

Ein teil der Stadt

Das kleine Gebäude hinterm Deich ist eng mit der Geschichte von Bremerhaven verbunden. Gebaut wurde es 1897 und zwar als Dienstgebäude für den Wärter der Schleuse zum „Alten Hafen”, Bremerhavens erster Schleuse. Das Äußere sollte repräsentativ aussehen – daher die historische Form und die Rahmungen an Fenstern und Türen. Die Architektur erinnert an den Cottage-Stil. Als Restaurant wird das Gebäude seit 1977 verwendet. Heute ist es ein Wahrzeichen der Stadt.

Der Name „Wasserschout” kommt übrigens aus dem Holländischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Magistratsperson für Seeleute”. Ein Jemand, der mit richterlicher und polizeilicher Gewalt ausgestattet war, um zum Beispiel Streitigkeiten zwischen Kapitän und Mannschaft zu schlichten.

Überblick

Wasserschout
Van-Ronzelen-Straße 4 in Bremerhaven
Telefon: 0471/8004655
Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 14 bis 22 Uhr, samstags und sonntags ab 12 Uhr
www.wasserschout-bremerhaven.de

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