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Kostprobe gefällig? Hier gibt’s Premieren-Stimmung schon vor der Premiere

Die Stimmung ist anders. Anders als bei einer Premiere. Viel mehr Spannung in der Luft, mehr Nervosität. Der Vorhang fällt, das Stück beginnt. Eine halbe Stunde später schwenkt der Regisseur die Arme. Halbzeit, ab hier müssen alle Zuschauer raus. Eine Kostprobe im Stadttheater Bremerhaven ist immer etwas ganz Besonderes, für Schauspieler und Publikum gleichermaßen. Hier bekommt man schon vor der Premiere einen Vorgeschmack auf die neueste Inszenierung.

Die Begeisterung ist den Besuchern anzumerken, als sie nach einer guten halben Stunde den Saal verlassen. „Wow, das wäre auch was für meine Enkelin gewesen“, sagt ein älterer Herr, kurz nachdem er die Stufen des Theatereingangs heruntergegangen ist. Die Kostprobe der „Bremer Stadtmusikanten“ – eine Neuinterpretation, inszeniert von Ballettdirektor Sergei Vanaev – hat ihm ganz offensichtlich „geschmeckt“. Und nicht nur ihm.

Mehr Partizipation für mehr soziale Teilhabe

Immer mehr Theater setzen auf Partizipation, wollen ihre Zuschauer aus dem Dunkel des Parketts befreien, in gewisser Weise demokratischer werden. Ein Theater für alle sozusagen. Mehr Partizipation für mehr soziale Teilhabe. Mit Formaten wie den Kostproben in Bremerhaven möchten die Theater vor allem eines erreichen: Neue Zielgruppen gewinnen, transparenter und authentischer werden.

Wir haben mit Ulrich Mokrusch, Intendant am Stadttheater Bremerhaven, über die Kostproben und den Trend der Partizipation gesprochen:

Herr Mokrusch, seit wann und warum gibt es das Format „Kostprobe“ im Stadttheater? Die Kostproben gibt es seit Beginn meiner Intendanz 2010. Es gibt sie für alle Produktionen des Theaters im Großen Haus / Kleinen Haus und im JUB. Die Kostproben sollen dezidiert die Probe zeigen, das heißt sie sollen auch den künstlerischen Prozess freilegen. Dementsprechend sehen die Besucher auch eine Probensituation ohne Licht und Kostüme und mit echten Probensituationen. Dies führt zu einem verstärkten Verständnis des künstlerischen Prozesses und oft macht es auch neugierig auf unbekannte Werke.

Haben Formate wie dieses etwas mit dem Stichwort „Partizipation“ zu tun? Öffnen sich Theaterhäuser heutzutage stärker gegenüber ihrem Publikum?  Für mich ist es wichtig, das Stadttheater wirklich als einen lebendigen Ort des künstlerischen Austausches für die gesamte Stadt zu verstehen. In dem Sinne sind partizipative Elemente wie die Kostprobe, die Premierenfeiern, die Projekte außerhalb des Theaters, die Festivals Möglichkeiten einer Begegnung zum Austausch über unsere Kunst und die Themen, die wir präsentieren.

Gibt es nach einer Kostprobe direkte Rückmeldungen von den Besuchern? Werden diese besprochen? Vorab gibt es eine Einführung durch den stückbetreuenden Dramaturgen, dann den Probenbesuch und danach teilweise noch ein Gespräch mit dem Regisseur und Raum für Feedback.

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