Foto: Anja

Kiten: Die Sache mit dem Wind

Einfach abschalten. Die Gedanken schweifen lassen. Ganz mit sich selbst und der Natur im Einklang sein. Dabei peitscht ihr das Wasser durchs Gesicht. Der Wind wirbelt durch ihr blondes Haar. Eleen verbringt jede freie Minute auf dem Wasser. Kiten ist ihr Ausgleich vom Alltag, mehr braucht die 33-Jährige nicht.

Sie wollte schon immer ans Wasser. Geboren ist Eleen in der Niederlausitz, eher bekannt für seinen Bergbau. Trotzdem oder gerade deshalb zog es sie ans Meer. Ihr Blick schweift an der Kugelbake vorbei zum Horizont: „Die Kulisse hier in Cuxhaven ist einfach ein Traum.“ Eleen will heute mit mir Mattenfliegen. Den „Lenkdrachen“ kontrollieren zu können ist das A und O – und gar nicht so einfach.

Wir treffen uns an ihrem quietschgelben Bus. Gut gelaunt, mit einem breiten Grinsen begrüßt mich Eleen – eine große Sonnenbrille auf der Nase, braun gebrannt. Die Sachen sind schon gepackt. Es gibt einiges vom Parkplatz an den Strand zu schleppen. Für die zierliche Blondine kein Problem. Schnell nimmt sie noch ein Schluck Limo, dann blicken wir über den Deich.

Spuren im Sand

Bevor es in die Lüfte geht, versucht Eleen mir erst mal „das mit dem Wind“ zu erklären. Die Matte kann nämlich nur in einem bestimmten Bereich fliegen, dem sogenanntem Windfenster. Das kann man sich in Form einer Strandmuschel auf der windabgewandten Seite vorstellen. Mit einem Stock malt Eleen einen Halbkreis in den Sand. Mein fragender Blick entgeht ihr nicht, sie grinst verständnisvoll: „Das mit dem Wind ist mir in der Theorie auch immer schwer gefallen.“ Also fangen wir einfach an.

Die Abstürze sind schnell und heftig. Erst der dritte Start klappt einigermaßen. Langsam habe ich raus, wie ich die Bar, also die Lenkstange, bewegen muss, damit sich am anderen Ende die Matte auch ungefähr dahin bewegt, wo ich möchte. Große Achten soll ich nun quer über den Himmel fliegen. Nun weiß ich auch, was das Windfenster ist und bis wohin es geht. Darüber hinaus stürzt der Lenkdrachen nämlich plump herab. Jedes Mal wenn sich mir Strandspaziergänger auch nur ansatzweise nähern werde ich unruhig. „Kiten ist ein Sport der Geduld braucht, mit Hektik kommt man nicht weit“, beruhigt mich Eleen. „Das lernt man nicht von heute auf morgen.“

Eleen ist Mitglied bei dem Verein Cuxkiters. Sie haben in diesem Jahr Unterrichtsstunden für Kinder und Jugendliche gegeben, zum Selbstkostenpreis. „Wir wollen den Kids die Möglichkeit geben diesen tollen Sport kennen lernen zu können, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten.“ Doch Kite-Ausrüstungen sind teuer, daher hofft der Verein auf Unterstützer, um in der nächsten Saison den Nachwuchs noch besser fördern zu können.

„Ich war überrascht wie konzentriert die Kinder von einen auf den anderen Moment sind“, erzählt Eleen. Bei den ersten Übungsstunden lernten die Kinder genau wie ich heute das Mattenfliegen. Dabei stellten sie sich wohl um einiges besser an als ich, denn sie machten einfach – trotzdem mit viel Gefühl und Verständnis. „Es war toll“, schwärmt Eleen. „Die Kids haben sich gleich gegenseitig geholfen, das war total süß.“

Eine große Familie

Und das findet sich auch bei den Erwachsenen wieder – Kiter sind eine große Familie: Jeder kennt und hilft jedem, sagt Eleen. Trotzdem freut sie sich, wenn sie manchmal morgens um 6 Uhr beim Sonnenaufgang den Strand fast für sich alleine hat. Wenn die ersten Sonnenstrahlen auf den Wellen glitzern und sich vor dem orange leuchtendem Himmel die Kugelbake abzeichnet.