Foto: Dörthe

Island: Brodelnde Erde und Diamanten auf schwarzem Sand

Eisblaues Wasser mit darin schwimmenden Gletscherbrocken, dieses Bild ist meine Lieblingserinnerung an meinen dreiwöchigen Island-Trip. Die Gletscherlagune Jökulsárlón liegt an der Südküste und ist atemberaubend schön. Wie Diamanten werden Eisstücke an den schwarzen Sandstrand angespült. Es ist windig, es regnet, aber das stört mich nicht. Bis heute ist dieses Naturspiel das schönste, was ich je gesehen habe.

Wer nach Island will, sollte sich auf eines einstellen: Verzicht. Kein Mensch kann sich drei Wochen Restaurant-Besuche in einem der teuersten Länder der Welt leisten. Ein Döner kostet 13 Euro, ein Sixpack Bier 20 Euro. Was macht man also? Kofferraum vollpacken mit Instant-Nudeln und Kartoffelpüree. Den Gaskocher kauft ihr auch vor Ort. Nach Island fährt man nicht wegen des Essens. Wenn ihr zeltet oder in einem Camper schlaft, spart ihr noch mehr Geld. Falls ihr vorhabt, in Zimmern zu übernachten, rate ich euch, mindestens sechs Monate vorher zu buchen. Ja, ihr habt richtig gelesen. Island wird nämlich von Touristen überrollt, dazu später mehr. Erstmal zu den schönen Dingen.

Noch nie habe ich auf so engem Raum so viele Naturwunder zu sehen bekommen: Vor allem an der Südküste bollert ein Wasserfall nach dem anderen aus den Bergen und fällt in den schönsten Formen. Mein Favorit war nicht der größte, sondern vermutlich der kleinste Wasserfall. Er heißt Schluchtenbewohner und um ihn zu sehen, sind wir auf Steinen über einen Bachlauf balanciert durch eine Fels-Enge.

Unheimlich und wunderbar echt

Nichts in Island ist sanft. Island ist rau, wild und schroff. Der Sand ist meistens schwarz und der Himmel selten wolkenfrei. Schon mal vom Islandtief gehört!? Im Vergleich zu Islands Küste ist die Nordsee ein harmloses Wässerchen. All das ist so wunderbar besonders. Gegen Felsbrocken und Steilküsten peitschen hohe Wellen. Wohl am unheimlichsten ist mir das an der Paskahellir-Höhle im Osten vorgekommen. Und ernsthaft bedrohlich ist der Reynisfjara-Strand an der Südküste, an dem bereits Menschen gestorben sind, weil sie vermutlich die lebensgefährlichen Wellen und Warnschilder nicht ernst genug genommen haben.

Mein zweitschönstes Erlebnis auf Island war der Besuch einer Gletscherhöhle im Myrdalsjökull. Die Wände, die teilweise mehrere Meter hoch ragten, waren nicht etwa weiß, sondern von Streifen schwarzer Asche durchzogen (Vulkanausbrüche sind #realshit). Sie hatten eine gleichmäßig wellige Oberfläche wie ein ruhiges Meer. Diese Höhle könnt ihr nicht mehr besuchen, dafür aber eine andere. Denn ein Gletscher ist immer in Bewegung, so eine Öffnung kommt und geht. Aber mal unter uns: So ein Trip kostet relativ viel Geld und ein Islandurlaub wird auch ganz ohne solche Touren (Reiten, Rafting in Gletscherflüssen, Paragliding oder mit Schneemobilen auf Gletscher fahren) großartig.

Wir sind die komplette Ringstraße entlanggefahren, beginnend mit der Südküste, außerdem haben wir einen Abstecher in die Westfjorde gemacht und die Halbinsel Snaefellsnes war auch Teil unserer Route. Sehr viele Touristen haben wir an der Südküste getroffen, in der Nähe von Akureyri und auf Snaefellsnes. Besonders froh war ich deshalb, dass wir die komplette Runde inklusive Abstecher gemacht haben, denn besonders alleine waren wir in den Westfjorden, an der Ostküste und im Norden.

Das war die Reiseroute von Dörthe im Frühjahr, die Spots sind ihre persönlichen Tipps. (Grafik: Charlene Schnibbe)

Ein unerfüllter Wunsch

Meine Begleitung und ich waren im April/Mai auf Island. Davon rate ich euch ab. Es war kalt, es hat geschneit und der Boden war an der Nordküste gefroren. Der Vorteil: Man trifft weniger Touristen, ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es im Sommer aussieht. In meinen Instagram-Highlights findet ihr ein Bestof von der Reise. Jedoch hatten wir Schwierigkeiten, Campingplätze zu finden, die geöffnet hatten. (Hier und hier findet ihr Listen, sie sind jedoch nach unserer Erfahrung nicht vollständig und die Preisangaben sind auch nicht immer richtig). Einen großen Wunsch konnte ich mir nicht erfüllen: Den Besuch der Quelle Viti auf dem Vulkan Askja im Vatnajökull-Nationalpark, die Straßen dort hin waren dicht. Der Ort soll magisch sein…

Aber auch die kleinen, heißen Quellen, die man entlang der Route findet, wenn man online recherchiert, sind etwas Besonderes. Und jeder Ort (!) hat ein Bad, zu dem immer auch Becken mit warmem Wasser gehören. Manchmal gibt es auch frei zugängliche Hotpots unter freiem Himmel. Sie werden direkt mit Thermalwärme aufgeheizt. Denkt daran, euch vorher zu duschen. In den isländischen Bädern hängen in den Umkleiden extra Schilder (Badebekleidung dabei ausziehen). Und in den heißen Quellen gehört es einfach aus Respekt dazu. Denn Deo, Cremes und Bakterien verschmutzen das Wasser und die kleinen Quellen haben teilweise kein natürliches Reinigungssystem oder nur wenig Zu- und Abfluss.

Moos- und Vulkanlandschaften

Der Grund, warum ich das so betone ist, dass Island in den vergangenen Jahren einen sehr großen Touristenansturm erfährt. Dieses Problem ist zwar selbst gemacht, weil das Land stark dafür geworben hat, nichtsdestotrotz scheint vor allem die Natur mit den vielen Menschen überfordert zu sein. Ich glaube, die meisten Touristen wollen respektvoll sein und wissen es nur nicht besser. Die Vegetation ist sehr empfindlich auf Island, das Moos braucht beispielsweise fast hundert Jahre zum Wachsen. Also tretet nicht darauf, auch wenn es schön weich und flauschig aussieht.  Eure Fußstapfen würden noch in achtzig Jahren zu sehen sein. Hier ein Beispiel von besonders respektlosen Touristen.

Fahrt nicht einfach von der Straße runter. Erstens habe ich ein Auto gesehen, das auf dem weichen Geröll stecken geblieben ist, und zweitens gilt auch hier: Die mystische Vulkanlandschaft mit dem schwarzen Geröll wird eure hässlichen Reifenspuren wahrscheinlich für immer behalten. Als Deutsche/r erkennt man Steine vielleicht nicht direkt als schützenswerte Natur, auf Island ist es jedoch so. Ich bin mir sicher, dass die nachvollziehbaren Gründe euch bereits überzeugt haben, die Natur zu schützen. Aber noch als kleine Warnung: Die Isländer sind ein kleines Völkchen und gut vernetzt 😉 . Sie haben eine Facebook-Gruppe, in der sie Anekdoten und Fotos von besonders doofen oder rücksichtslosen Touristen teilen (Zelten mitten auf der Straße der Ringroad !?) – in diese Galerie wollt ihr bestimmt nicht aufgenommen werden.

Wale und Polarlichter

Ich habe längst nicht alles gesehen, Wale und Polarlichter haben sich erfolgreich vor mir versteckt. Doch nicht nur deshalb werde ich auf jeden Fall wiederkommen. Der dreiwöchige Trip war schon mein dritter Islandbesuch. Die ersten beiden Male habe ich mich gar nicht so sehr für das Land interessiert, sondern eine Freundin besucht. Ich kenne sie von meinem Auslandssemester in Norwegen 2011 und so verbinde ich mit Island immer auch diese Freundschaft. Vielleicht liegt mir deshalb so am Herzen, dass jeder, der meinen Text hier liest und nach Island reist, bitte respektvoll mit dem Land umgeht und sich vorher informiert.

Wie klein man sich vorkommt.

Wo soll ich anfangen, wo soll ich aufhören? Über Reisen sprechen war noch nie meins. Man muss das einfach machen und selbst erleben. Ich könnte euch noch von Reykjavik erzählen (da braucht ihr nicht viel Zeit einzuplanen, höchstens mal einen Tag), von gruseligen Schwefelfeldern auf Reykjanes (die stinken übrigens wie faule Eier, so wie das warme Wasser in Island auch in abgeschwächter Form) und wie klein man sich vorkommt, wenn man an der Spitze der Westfjorde an einer mehrere hunderte Meter hohen Steilküste steht und auf das offene Meer blickt. Aber irgendwo muss ich auch mal ein Ende finden. Bei Fragen dürft ihr mir gerne schreiben. Tipps dürft ihr mir auch gerne schicken, denn ich fahre vielleicht schon im Winter wieder nach Island 🙂

Meine Empfehlung für einen Kurztrip: kleiner Roadtrip auf Reykjanes (ein Tag), Golden Circle (ein Tag/ Nachmittag) und, falls noch Zeit bleibt, Snaefellsnes (Ein bis zwei Tage).

Eine Woche Island: Besucht die Südküste bis zur Gletscherlagune Jökulsárlón, dort wartet ein Wow-Moment nach dem anderen auf euch.

Für die komplette Insel empfehle ich zwei bis drei Wochen: Camper mieten und im Sommer immer am Meer entlang fahren.

Meine kleinen Reisetipps:

Fridheimar. Das Restaurant befindet sich mitten im Tomaten-Gewächshaus.
Krossneslaug. Das kleine Schwimmbad ist gefühlt am Ende der Welt.