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Entschleunigung: 5 Tipps um deinen Shit loszuwerden

Die letzte Woche ist es ruhig um mich geworden und das nicht ohne Grund: Ich brauchte Abstand, Urlaub, Entschleunigung. Ich wollte runterkommen, mal eine Woche nichts tun. Kein Stress, kein Zwang, nur ich und meine Familie. In den Bergen Österreichs. Wo weit und breit nichts zu sehen ist, als die noch leicht mit Schnee bepuderten Alpen, viel Wald und ein bisschen Wasser.

Die Anreise mit dem Auto von rund zwölf Stunden ist zugegeben nicht ganz ohne, aber die anschließenden sechs Tage haben jeden platten Po wieder wett gemacht: Drei Wanderungen, zwei Yoga-Sessions, jeden Tag Wellness mit Sauna und Naturbadeteich – was will man mehr? Ich für meinen Teil wollte die Zeit nichts anderes. Abschalten, Lesen, Musik hören. Getoppt von einem gesunden Bio-Frühstück mit Eierspeisen, grünen Smoothies und „Fünf-Elemente-Brei“ – viele Produkte aus dem eigenen Anbau. Let me introduce you to the new me!

Nein, mal ganz im Ernst: Es muss nicht immer die weite Amerika-Reise sein oder der stressige Städte-Kurztrip, es darf auch einfach mal gar nichts sein. Klar gibt es auch in den Kitzbühler Alpen und dem Salzburger Land einiges zu entdecken, aber man muss es eben nicht. Und so haben wir uns eben offen gehalten, nach Innsbruck oder Salzburg zu fahren, Kitzbühel zu erkunden oder einfach mal Minigolf oder Squash spielen zu gehen. Was wir am Ende davon gemacht haben? Nichts. Ob wir es bereuen? Kein bisschen. Denn wir hatten die beste Zeit doing nothing.

Wandern in den Alpen (Foto: Nina Brockmann)

Wie ich es – planungsbegeisterter, bloß nichts verpassen und immer neue Dinge ausprobieren wollender Konsum- und manchmal Kontrolljunkie – geschafft habe, einfach mal loszulassen? Ich verrate euch, wie man seinen Alltag vergisst, den Stress zurücklässt und sich treiben lässt.

Packen nach Gefühl

Das Ganze geht schon beim Packen los. Es ist Mittwochabend 20 Uhr. Der Wecker klingelt in neun Stunden und ich habe einen leeren Koffer im Flur liegen. Leider noch nicht die Zeit und die Muße gehabt, ihn vorzukramen und was reinzupacken. Ich mache es also am Abend vorher und das völlig ohne Liste, einfach nach Gefühl. Dazu mache ich Musik an und wie aus dem Nichts hat sich als erstes meine Yogamatte einen nicht allzu kleinen Platz in meinem Köfferchen gesichert. Dazu gesellt sich meine Faszien-Rolle. Das Wellbeing ist schon mal gesaved. Hinzu schmeiße ich meine liebsten Yogapants, in denen ich gefühlt den ganzen Urlaub rumgetigert bin. Auch die Lieblingssneakers dürfen nicht fehlen, chillige Oberteile, das wars schon fast.

Power-Frühstück

Will man entschleunigen, sollte man immer überlegen, was einem im Alltag wichtig ist. Wofür man sich trotz Stress und Zeitdruck eben noch genau diese oft knappe Zeit nimmt – und das ist bei mir das Frühstück. Ich brauche ein gesundes Müsli, ein leckeres Brötchen und einen guten Kaffee, um mit Power in den Tag starten zu können. Sich sieben Tage lang an einem Bio-Buffet austoben zu können war für mich also jeden Morgen ein wahr gewordener Traum. Frisch gebackene Brote, nach Wunsch zubereitete Eierspeisen, selbst geernete Teekräuter, Wabenhonig und ein täglich wechselnder „Fünf-Elemente-Brei“ – mal aus Quinoa, Gerste oder Hirse, verfeinert mit Mandeln, Ingwer und Ahornsirup. Total energiegeladen konnte ich so zu Punkt drei übergehen.

Nature is Life

Geh raus, an die frische Luft, in die Natur – sie gibt dir alles, was du brauchst. Als Kind war ich nie der „Naturbursche”. Wollte mich nur ungern dreckig machen, auch toben war mir oft zu anstrengend (kleine Diva, I get it). Wer hätte also gedacht, dass aus mir nochmal eine Naturliebhaberin wird. Vor allem in den letzten paar Jahren habe ich die Schönheit von Mutter Erde so richtig für mich entdeckt und schätzen gelernt. Hier im Norden ist es die Weite am Meer, die Wälder und die Wiesen, dessen Atmosphäre ich gerne täglich inhalieren würde.

Doch worin ich mich auch verliebt habe – und was ich hier nun schmerzhaft vermisse – sind die Berge und das Wandern. Es gibt fast nichts Schöneres als bergauf, bergab die Landschaft zu erkunden, die sich alle hundert Meter verändert. Zunächst geht es vielleicht über Stock und Stein steil hinauf. Dann an einem Bach entlang, zur anderen Seite weite Wiesen mit frei herumlaufenden, glücklichen Kühen oder sogar Schweinen. Ab und zu eine kleine Hütte oder ein Wasserfall. Und mit der Natur verändern sich auch deine Gedanken. Schritt für Schritt wirst du vielleicht klarer im Kopf. Vielleicht bist du auch nicht allein. Hast gute Gespräche oder ihr schweigt einfach. Und wenn das Trinken ausgeht, füllst du deine Flasche am nächsten Bachlauf auf – es gibt kein besseres Wasser.

Take Care

Ein ganzer Tag an der frischen Luft gibt dir zwar alle (gedankliche) Energie, die du brauchst, doch er kann auch müde machen. Mein perfekter Ausgleich? Wellness. Stichwort Selfcare. In Form von Saunagängen, einem Schwimmzug durch den Naturbadeteich oder einfach nur im Heubett liegen, ein gutes Buch lesen, Musik hören. Das habe ich jeden fucking Nachmittag gemacht. Einfach, weil ich keinen Bock auf anderen Kram hatte. Weil ich gar nicht erwarten konnte, mich wieder auf mein Heubett oder draußen auf eine Liege zu lümmeln. Auch eine Massage habe ich mir gegönnt. Weil ich es mir wert bin.

Let’s get lost (Foto: Nina Brockmann)

No Stress

Eine richtige Anleitung für eine Entschleunigung, ein körperliches Runterfahren, gibt es natürlich nicht. Denn das empfindet nicht nur jeder anders, jeder braucht auch etwas ganz anderes. Außerdem sollte man sich keine Regeln aufstellen, wenn man doch eigentlich gerade dabei ist, mal alle Zwänge zu vergessen. Mein letzter Tipp also: Einfach treiben lassen. Es fängt beim Kofferpacken an und hört bei der Rückfahrt auf – lass dich nicht von Stau stressen, du kannst ihn nicht wegzaubern. Der Kaffee auf dem Rastplatz schmeckt scheiße? Kannste auch nicht ändern, lass ihn stehen, kauf dir was anderes. Du hast die ganze Fahrt über nichts gegessen und landest nach sechs Tagen healthy food bei McDonald’s? Hey, es gibt Schlimmeres. Das ist das Leben. Und ab und zu muss man den Shit einfach entspannter sehen.

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