Foto: Talitha Hölscher

Ein Einhorn als Ersti auf dem Deichbrand?

Ich bin als Nordkind auf dem Deichbrand unterwegs. Für mich etwas ganz besonderes, spannendes und aufregendes. Warum? Ich freue mich nicht nur darauf, mit der Kamera alles zu begleiten, sondern bin auch Festival-Ersti.

Es ist mein erstes Festival überhaupt. Auch der große Konzertgänger bin ich nicht. Auf einem Gig von Casper war ich vor mittlerweile knappen 6 Jahren. Das war es dann aber auch schon so ziemlich. Das sagenumwobene Deichbrand-Festival-Feeling wollte allerdings schon immer einmal erleben, Ich bin also so etwas, wie das Einhorn unter den Festival-Gängern.

Meine Erwartungen sind gering, meine vorfreude ist groß

Das häufigste, was ich über Festivals bisher gehört habe, waren die ausgelassene Stimmung und die sanitären Probleme. Duschen? Ist nicht. Toilette? Dixis reichen für ein Wochenende.

Einem Freund wurde einmal sein Geldbeutel gestohlen, als er im Zelt geschlafen hat. Das Hurricane sieht man regelmäßig im Wasser versinken. Auch der Alkoholpegel soll auf Festivals immer sehr hoch sein. Als absoluter Nicht-Trinker wird auch das sicherlich irgendwann anstrengend.

All dies sind negative Aspekte, aber ich freue mich trotzdem extrem auf das Festival und auf eine tolle Zeit. Die Leute werden es besonders und einzigartig machen. Schon im Vorfeld wurde ich auf ein kaltes Getränk auf dem Wohnmobilplatz eingeladen.

Vor einem Jahr kam ich in Bremerhaven auf die spontane Idee, joggen zu gehen und bin einfach in meiner Plunderhose losgelaufen. Es hat nicht einmal fünf Minuten gedauert und schon kam mir einer mit ausgebreiteten Armen entgegengelaufen und hat mich umarmt. Einfach so, weil er dachte, dass ich auch – so wie er – auf dem Deichbrand gewesen war (vermutlich wegen meines Outfits) und im Nachhinein etwas Festivalfeeling verbreiten wollte.

Seitdem war für mich klar, ich muss auf das Deichbrand und einmal das Feeling aufsaugen.

Ist Vorbereitung alles?

Vorbereitet war ich tiptop. Das Zelt war gepackt, die Isomatte auf den Rucksack geschnallt und die Regenjacke mit den Gummistiefeln vorbereitet.
Doch dann kam alles anders. Die Erkältungswelle streifte mich sanft und ich musste meine Zeltpläne über den Haufen werfen.

Das Zelt wurde also bei Seite gelegt, die Regenjacke weggehängt (bei dem super Wetter ich sie sowieso nicht gebraucht) und ich erlebe nun die Lightversion eines Festivals. Den Spaß lasse ich mir trotzdem nicht nehmen und etwas dankbar bin ich, dass es nicht regnen wird!

Es geht los

Als Heimschläfer muss nun also immer noch zum Deichbrand fahren. Sprich, mein Wecker klingelt um 9 Uhr, um 10 Uhr sitze ich im Auto und düse Richtung Nordholz. Die Kamera ist eingepackt, die Sonnencreme wurde ausnahmsweise nicht ignoriert, die Polaroid-Filme klappern in meinem Rucksack und ich bin bereit für einen langen, intensiven ersten Tag.

Mein erster Festivaltag

Mein erster Festivaltag ist um. Ich bin müde, dreckig, aber glücklich. Viele neue Menschen habe ich getroffen, viel gute Laune wurde verbreitet und ich habe genau das und nichts anderes erwartet. Umso mehr freue ich mich schon auf die nächsten Tage als Festival–Ersti.