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Das Gold der Bohne: Der Kaffeeröster aus Bremerhaven

Kaffeeduft liegt in der Luft – Er weckt das Gefühl von Ruhe und Geborgenheit. Doch das ist es nicht was Ulli an dem schwarzen Gold so mag. „Ich liebe den Röstgeruch“, schwärmt er, während er an seinem Kaffeeröster steht. Langsam verbreitet sich das stechende Röst-Aroma in der „Kaffeewerkstatt Bohnengold“. Es ist die einzige Rösterei in Bremerhaven. Der 28-Jährige will damit eine alte Tradition zurück in die Seestadt holen.

Seitdem in Bremen 1673 der erste Kaffee in ganz Deutschland ausgeschenkt wurde, gilt die Stadt als Wiege der deutschen Kaffeekultur. Jede zweite Tasse Kaffee, die in Deutschland getrunken wird, stammt aus den Großröstereien in Bremen und Umgebung.

„Meine Leidenschaft für Kaffee habe ich entdeckt, als ich die verschiedenen Nuancen, die dieses Produkt haben kann, besser kennen gelernt habe“, sagt Ulli, „egal ob nussig, fruchtig oder schokoladig, die Vielfalt ist groß.“ Und dabei kommt es nicht nur auf die Bohnen an, sondern auch auf die Röstung. Durch Zufall hat er einen anderen Röster aus Bremerhaven kennengelernt, dessen Firma heute nicht mehr existiert. „Er hat mir die Grundlagen erklärt. Das hat mir Spaß gemacht und mir eine andere Perspektive gegeben.“

Altes hinter sich lassen

„Ich bin gelernter Physiotherapeut und habe zwei Jahre in einer Kinderklinik auf der Krebsstation gearbeitet. 13 meiner Patienten sind in dieser Zeit gestorben. Das ging mir sehr nahe und hat mich ständig beschäftigt, auch zu Hause.“  Aus einer versprochenen Anstellung sei nichts geworden. „Das ist auch gut so, jetzt bin ich schließlich mein eigener Herr. Irgendwann möchte ich die Arbeit als Physiotherapeut ganz aufgeben und die Rösterei hauptberuflich betreiben.“

Neue Wege gehen

Ullis Traum ist es, ein Café in Bremerhaven zu eröffnen. „Aber dafür fehlen uns noch die Räumlichkeiten.“ Am Herzen liege ihm ebenso das Konzept einer Erlebnisrösterei. „Weil es mir wichtig ist, Menschen für die Vielfalt dieses Produktes zu sensibilisieren und in ihnen die Leidenschaft zu wecken, die ich auch habe.“ Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg, sagt Ulli, während er einen kleinen Rundgang durch seine Räumlichkeiten im Fischereihafen macht. Vorne gibt es einen rustikalen Stand aus Paletten, an dem verkauft und ausgeschenkt wird, dahinter sind sein Büro und das Herzstück der Kaffeewerkstatt Bohnengold: der Röstraum. Die Kaffeewerkstatt ist aber auch schon auf Märkten unterwegs, berichtet Ulli, der bei seinem noch jungen Business von seiner Familie unterstützt wird, besonders von seiner Freundin Sina Glawatty.

Der junge Unternehmer setzt auf Nachhaltigkeit. „Unsere Tüten kann man nachfüllen lassen oder auch Geld sparen, wenn man mit seinem eigenen Kaffeebecher kommt“, erklärt Ulli. „Wir beziehen die Bohnen über ein kleines Büro in Hamburg“, sagt er. Darunter eine Sorte aus Kenia, von der nur 30 Säcke verkauft wurden. Da sein Kaffee aus dem Spezialitäten-Sektor kommt und nach dem Börsenpreis bezahlt wird, erklärt der junge Röster, erhalten die Kaffeebauern automatisch mehr Geld für ihre Bohnen. „Unser Kaffee wird zwar offiziell nicht fair gehandelt, aber er wird fair bezahlt. Und das ist uns wichtig.“

Kaffeewerkstatt Bohnengold
Am Lunedeich 15-23
Bremerhaven

Telefon: 0157/88536018
E-Mail: berbrich@kaffeewerkstatt-bohnengold.de

Öffnungszeiten:
Montag: 15 – 19 Uhr
Donnerstag: 16 – 19 Uhr

Zudem könnt ihr mittwochs den Kaffee auf dem Geestemünder Wochenmarkt genießen.

„Café Crema Ganze Bohne“ findet ihr übrigens auch im Hein-Shop im Kundencenter der NORDSEE-ZEITUNG (Obere Bürger).