Foto: FKP Scorpio Presse/Carsten Christians

Hurricane 2017: Where the dreamers go

Hurricane. Jetzt weiß ich, warum das Ding so heißt. Das Musikfestival in Scheeßel gleicht einem Wirbelsturm – und das in fast allen Belangen. Es hat eine enorme Energie und Strahlkraft. Es ist intensiv, hat eine hohe Geschwindigkeit mit manchmal unerwarteten Richtungsänderungen. Und es geht – wie jedes Jahr – mit (hohen) Niederschlägen einher. Im Prinzip eine große Gefahr – vor allem, wenn man das Terrain als Festival-Jungfrau betritt. Doch: Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unwohl oder unsicher gefühlt. Ganz im Gegenteil: Ich hatte die beste Zeit.

Dreht sich ein Wirbelsturm schnell genug, kann sich ein Auge bilden – ein relativ wolkenfreier, schwachwindiger Bereich um das Rotationszentrum. Darin habe ich es mir am Wochenende gemütlich gemacht. (Noch) mit etwas Sicherheitsabstand habe ich von hier aus das Festival erlebt und die Spirale beobachtet. Und es war einfach unglaublich, wie viele Eindrücke ich in diesen rund 30 Stunden aufgesogen habe. Wie viele Musiker mir den Atem geraubt haben und wie viel Atmosphäre sich auch die Woche danach noch in meinem Körper befindet. Ich möchte sie nicht wieder gehen lassen.

And at the end of the day your feet should be dirty, your hair messy and your eyes sparkling.

Deswegen laufen Lordes „Green Light”, „Liability” und „Homemade Dynamite” bei mir in Dauerschleife. Ihr Auftritt: Mein absolutes Highlight des diesjährigen Hurricane Festivals. Sofern man da überhaupt Abgrenzungen vornehmen kann. Denn auch Top-Acts wie Milky Chance (unser erstes Konzert am Freitagabend), Green Day (Headliner am Freitagabend) oder Clueso (ebenfalls Freitagabend – mit einem Gastauftritt von Klaas) haben mich gleich in der ersten Nacht in eine surreale Welt katapultiert. So viele Wow-Momente auf einem Haufen zu erleben, hat mich die Nacht fast kein Auge zumachen lassen – so aufkratzt war ich.

Hundemüde hat mich Passenger am Samstagnachmittag dann mit neuer Energie geflasht. Seine einmalige Stimme und Songs wie „I Hate”, „Anywhere” oder „Let Her Go” live zu hören, war genau das Richtige, um wieder in den Festival-Modus zu kommen. An dieser Stelle möchte ich eine Passage aus „Let Her Go” teilen, die ich erst jetzt richtig gehört habe und die ich einfach wunderbar finde. Ganz nach dem Motto: Man will immer das, was man gerade nicht haben kann. Und merkt etwas erst zu schätzen, wenn es verschwunden ist.

Well, you only need the light when it’s burning low
Only miss the sun when it starts to snow
Only know you love her when you let her go

 

Only know you’ve been high when you’re feeling low
Only hate the road when you’re missing home
Only know you love her when you let her go
And you let her go

Und nicht nur musiktechnisch bleiben auf dem Hurricane keine Wünsche unerfüllt. Es gab sogar ein „Food Line-Up”, das seinem Namen alle Ehre gemacht hat. Denn es gab nichts, was es nicht gab. Hier nur eine kleine Zusammenfassung, die sich vor lauter Enthusiasmus in meinen Kopf gebrannt hat: Koreanische Bao Burger, Crêpes von „Mundgut”, Lachs Döner, Falafel Wraps, Tacos und Quesadillas vom „Casita Oaxaca Food Truck”, Gnocchi-Variationen (sogar mit Trüffel, ha!), Quark-Spezialitäten von der „Quarkerei” – alles, wirklich alles, was 100 Prozent geiler ist als Dosen-Ravioli, auch wenn es angeblich dazugehört (aber ich bin überzeugt: Die Zeiten sind vorbei). Es gab sogar ein Coffee Bike von „Melitta” mit dem besten Kaffee meiner letzten Monate – plus übergroßem Cantuccini. Whaaaaaat. Der Flash traf mich hier glaube ich zum hundertsten Mal.

It’s a Place where we can forget about our PROBLEMS for a little while.

Der 101. folgte dann, als ich anfing für meine Fotostrecke Festival-Looks zu fotografieren: S o v i e l e u n g l a u b l i c h e m ä d e l s. Jedes einzelne Nordkind, mit dem ich gesprochen und das ich abgelichtet habe, war Zucker pur. So süß, so happy und so dankbar – diese Freude zu spüren, dieses Strahlen in ihren Augen zu sehen, hat mir klar gemacht, was das Hurricane eigentlich im Grundsatz bewegt. Es ist für so viele Menschen ein Ankerpunkt, ein Highlight (vielleicht sogar des Jahres) und nicht zuletzt deswegen findet man hier so viel Glück auf einem Haufen. Aber ich möchte die Fotos für sich sprechen lassen:

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Nina

Über Nina Brockmann

Foodie, Yogi und reiseverrückter Lifestyle-Junkie. Kann ohne Kaffee, Avocados und Lachen nicht leben. Steht auf Melancholie, aber nicht auf Mädchenkram wie Kleider oder Nagellack. Nur ohne Lippenstift geht sie äußerst selten aus dem Haus. Auch für Flechtfrisuren hat sie ein Faible.

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