Foto: Bobbo Sintes, Montage: Lena Gausmann

Wwoofen: Auf Reisen von der Welt lernen

„Das Wwoofen und die unterschiedlichen Menschen haben mein Leben sehr bereichert“, sagt Sarah. „Nun habe ich eine klarere Vorstellung davon, wie ich leben möchte.“ Nach einem Jahr Lernen auf Reisen möchte sie nun wieder mehr Stabilität in ihr Leben bringen. Das Wwoof-Netzwerk und die gesammelten Erfahrungen bleiben.

Die Welt sehen – das wollen viele. So packen zahlreiche junge Menschen meist direkt nach der Schule erst einmal ihren Rucksack und machen sich auf in die weite Welt. Um das finanzieren zu können, arbeiten viele während ihrer Reise. „Work and Travel“ nennt sich das beliebte Prinzip. Organisieren tun sich die Betriebe und Reisenden über verschiedene Netzwerke: Wwoof ist eines davon.

Ich mache das Wwoofen nicht zum Reisen, sondern zum Lernen.

Sarah startete vor einem Jahr von Kiel aus zum Wwoofen. Weit weg zog es sie dabei aber nicht. Nach mehreren Stationen in England und Deutschland kam Sarah ins Weidenzentrum nach Padingbüttel, in das kleine Dorf an der Wurster Nordseeküste. „Ich bin hier, um zu lernen und mir andere Lebensweisen anzuschauen“, sagt die 26-Jährige. „Mich interessiert die Selbstversorgung.“ Die Kielerin hat schon einiges von der Welt gesehen. Sie ist in Afrika und Kanada aufgewachsen, für ihr Studium zog es Sarah nach Indien. „Ich mache das Wwoofen nicht zum Reisen, sondern zum Lernen.“ Nach ihrem Kunst- und Englisch-Studium auf Lehramt wollte sie noch anderes Wissen und Fähigkeiten aufsaugen. „Lebensgrundlagen, wie Dinge bauen und sich selbst ernähren zu können, sind wichtig für mich und für ein unabhängiges Lebensgefühl“, erklärt Sarah.

Sarah hilft Claudia und Susanne bei der Weidenernte in Padingbüttel.

Sarah hilft Claudia und Susanne bei der Weidenernte in Padingbüttel. (Foto: Anja Kaiser)

„Die Wwoofis holen die Welt hier her zu uns“, sagt Claudia, die Vorsitzende des Weidenzentrums. „Wir leben wie eine kleine Familie auf kurze Zeit zusammen.“ Gemeinsames Erschaffen und Leben stehen im Weidenzentrum im Vordergrund. Wwoofer wie Sarah lernen unter anderem die Ernte und Verarbeitung von Weiden. „Es ist ein gegenseitiger Austausch, auch wir lernen viel von unseren Helfern“, erzählt Claudia. Zu tun gibt es immer etwas, von der Weidenernte und dem Gemüseanbau bis zur Gebäudepflege und Gästebetreuung. „Jeder wird nach seinen Stärken und Interessen eingesetzt.“

Susanne kam vor zwei Jahren nach Padingbüttel und ist geblieben. „Mir fehlte etwas in meinem Job als Bürokauffrau“, erzählt die 42-Jährige. Nach mehreren Auszeiten von ihrer Arbeit zog sie an einem Weihnachtsmorgen endgültig den Schlussstrich. „Es war so schrecklich, ich fragte mich immer, warum ich nicht da bin, wo es mir gut geht.“ Susanne zog ins Weidenzentrum.

Wir leben wie eine kleine Familie auf kurze Zeit zusammen.

Angefangen hat es in Padingbüttel vor acht Jahren mit Lucy aus Kanada, sie war die erste Wwooferin. Wwoof ist ein weltweites Netzwerk von ökologischen Höfen und freiwilligen Helfern. Über die Online-Plattform bieten Betriebe Kost und Logis gegen eine helfende Hand an. Die „Wwoofis“ – wie Claudia die Freiwilligen liebevoll nennt – sind ganz verschieden, erzählt Claudia. „Wir hatten schon ganze Familien mit kleinen Kindern, die hier ihren Urlaub verbracht haben.“ Etwa 9000 Kilometer legte der wohl am weitgereiste Helfer aus Hong Kong zurück. „Zum Wwoofen ist es nie zu spät“, die 70-Jährige Ilse aus Bremen hilft regelmäßig im Weidenzentrum mit, erzählt Claudia. „Manche Wwoofis kommen nur für ein Wochenende, andere bleiben gleich mehrere Monate.“

Sarahs Tipps zum Wwoofen

„Auf das Bauchgefühl hören.“
Wenn ihr kein gutes Gefühl bei einem Hof habt, geht lieber gar nicht hin oder reist weiter.

„Im Vorfeld mit dem Hof sprechen und dabei klar und deutlich kommunizieren.“
Klärt so viele Dinge wie möglich im Vorfeld ab, wie sieht der Arbeitsalltag aus, …? Seid dabei ehrlich und sagt deutlich was ihr euch vorstellt.

„Wenn es nicht passt, zieht weiter.“
Wenn ihr vor Ort merkt, dass es nicht das ist, was ihr wolltet oder euch nicht gut versteht und wohl fühlt, sprecht es an. Ist keine Lösung möglich, zieht weiter.

„Vernetzt euch.“
Auch beim Wwoofen ist Netzwerken wichtig. So könnt ihr viele interessante Menschen und Dinge kennen lernen.

„Projekte in verschiedenen Stadien wählen.“
Es ist besonders spannend, sich Projekte aus unterschiedlichen Entwicklungsstadien auszusuchen. Mitzuerleben, wie sich ein Hof gerade erst aufbaut oder zu erfahren, was bei einem schon lange laufenden Projekt alles möglich ist, hilft dir und den Höfen. Man kann viel voneinander lernen.

„Nehmt so viel Wissen mit wie möglich.“
Die Erfahrungen, die ihr beim Wwoofen sammelt, kann euch keiner mehr nehmen. Also saugt so viel Wissen auf, wie ihr könnt.

„Genießt die Zeit!“

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Anja

Über Anja Michaela Kaiser

Liebt die Natur, mag Schietwetter, hasst Menschenmengen und Lärm, außer es handelt sich dabei um ein gutes Hardcore-Konzert. So oft Anja kann, geht sie ins Tierheim um Zeit mit ihrem Wotan zu verbringen und da sie nicht nur Hunde mag, lebt Anja auch schon seit vielen Jahren vegan.

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