Anne Bink und Fiona Brinker wollen ein Lädchen gründen und sammeln dafür Geld.

Foto: Dörthe Schmidt

Die Vision: Ein kleines Bullerbü in Bremerhaven

Anne Bink und Fiona Brinker finden in Bremerhaven nicht alles, was sie sich wünschen. Zum Beispiel fair und nachhaltig produzierte Produkte. Oder Anlaufstellen für alternative Familien. Deshalb wollen sie das Gesicht der Stadt selbst mitgestalten. Sie planen einen Laden in der Alten Bürger, er soll Glückswinkel heißen. Dafür suchen sie Unterstützer auf Startnext. Sie wissen, was sie tun: Anne arbeitet bereits als Familiencoach und Fiona führt mit ihrem Mann das Findus. Ich habe mich mit den beiden getroffen und über ihre Visionen, Motivation und Wünsche gesprochen.

Warum soll der Laden Glückswinkel heißen?

Fiona: Winkel sagt man ja plattdeutsch zu Geschäft. Aber man verbindet mit einem Winkel heute auch ein heimeliges Plätzchen. Und so soll der Glückswinkel später auch sein: Ein Ort, an den man gerne geht.

Wie soll das Geschäft aussehen?

Anne: Der Glückswinkel soll ein Lädchen werden, in dem wir
plastikfrei, fair und nachhaltig produzierte Dinge verkaufen: Von Kleidung, Interieur, und Alltagsprodukten bis hin zu Spielzeug und Postkarten. Er soll aber auch ein Familientreffpunkt werden. Wir haben dort einen Kursraum, eine kleine Teeküche, eine Spielecke für Kinder und einen kleinen Garten. Hier in Bremerhaven gibt es kaum Orte für Familien oder für Mamas, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, an dem sie sich unter der Woche treffen können, während die Kinder spielen. Wir wollen quasi das Dorf in die Stadt holen und ein Betreuungs- und Hilfsnetzwerk bilden. Man sagt immer, das Bremer Viertel oder die Neustadt sind so toll und hier gibt es das nicht. Wir wollen das jetzt ändern.

Der Glückswinkel soll ein Treffpunkt für Familien werden, deshalb wird es auch eine Spielecke geben. (Foto: Glückswinkel)

Was passiert in dem Kursraum?

Fiona: Unsere Produkte geben ja schon Themen vor: Nachhaltigkeit, Familie, regional. Das wollen wir auch auf den Kursraum übertragen. Anne zum Beispiel bietet Trageberatung (Tragetücher für Kleinkinder) und Familienkurse an. Wir haben auch schon Ideen für Workshops und Infoabende zu nachhaltigen Themen. Aber man kann den Raum auch einfach mieten.

Anne: Stopfkurse haben wir als Angebot schon im Hinterkopf in Kooperation mit der Firma Räubersachen. Die vermieten Wolle- und Seidesachen für Kinder. Und wenn Kinder damit rumrutschen, kommen da manchmal Löcher rein. Und Räubersachen bietet Kurse an, wie man das ganz kreativ flicken kann. Zum Beispiel wird aus einem gestopften Loch ein Marienkäfer oder ein Storch.

Der Glückswinkel wird in die Keramikwerkstatt einziehen und die beiden Geschäfte teilen sich die Ladenfläche. (Bürgermeister-Smidt-Straße 194) Die Öffnungszeiten und -tage stehen noch nicht fest.

Was ist das Hilfsnetzwerk von dem ihr gesprochen habt?

Fiona: Gerade mit Kind hat man den Wunsch, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. In Bremerhaven gibt es nur eine klassische Kita-Betreuung und Tagesmütter. Für Familien gibt es nur wenige Möglichkeiten, zusammen zu kommen. Gerade für – ich sage mal – alternative Familien. Wir wollen einen Ort dafür schaffen. Und wir würden gern ein Betreuungsnetzwerk aufbauen. Unser Sohn Adam soll erst mal nicht in die Kita gehen. Unser Wunsch ist, dass wir ein Netzwerk aufbauen und wir ihn dann zu Freunden geben können, die er gut kennt. Dieser Idee wollen wir im Glückswinkel ein Zuhause geben.

Ich finde, solche Läden bilden das Gesicht einer Stadt. Die großen Ketten gibt es überall, die haben keinen Charakter.

Warum braucht Bremerhaven euer Lädchen?

Fiona: Ich finde, solche Läden bilden das Gesicht einer Stadt. Die großen Ketten gibt es überall, die haben keinen Charakter. Die Bremerhavener Fußgängerzone hat gar keinen Charme. Wenn ich eine andere Stadt besuche, schaue ich mir die kleinen Geschäfte an – da stehen Menschen dahinter und nicht große Konzerne. Außerdem gibt es solche Produkte, wie wir sie anbieten wollen, hier gar nicht. Wenn man besondere Dinge möchte, muss man sie im Internet bestellen und da geht die Nachhaltigkeit auch wieder flöten. Es gibt zwar Reformhäuser, aber die haben kein großes Sortiment im Nonfood-Bereich.

Anne: Die Alte Bürger bekommt mit dem Glückswinkel außerdem ein Tagesgeschäft, um noch attraktiver zu werden. Ein bisschen haben wir hier das Bremer Viertel in klein: die Lage ist schön, die Straße kreativ und persönlich.

 

Was fehlt Bremerhaven eurer Meinung nach noch?

Fiona: Orte mit Gesicht. Ich freue mich über alle Orte, die entstehen, weil Menschen dahinter stehen und das aus ihrem Herzen tun. Solche Orte wie Goethe45 oder Rockcenter… Selbst, wenn ich gar nicht auf Konzerte im Rockcenter gehen würde, bin ich einfach froh, dass es da ist, weil das die Stadt einfach ein bisschen markanter macht. Ich wünsche mir noch mehr kleine Lädchen zum Bummeln. Und ich würde mich auch total freuen über eine größere Konzertlocation, noch eine Nummer größer als das Rockcenter.

Anne: Die Stadt könnte auch familienfreundlicher werden.

Fiona: Mir fällt da auch noch mehr ein: eine freie Schule, ein Waldkindergarten…

Habt ihr noch weitere Pläne für die Alte Bürger?

Fiona: Nicht in so einem großen Rahmen, aber im kleinen Rahmen schon. Neulich hatten wir einen Flohmarkt und das war total schön. So was würde ich gerne stärken. Zum Beispiel besteht schon länger die Idee mit Jens Rillke zusammen, ein Nachbarschaftsfrühstück hier auf der Straße oder auf dem Waldemar-Becké-Platz zu machen.

Anne: Ich glaube, die Alte Bürger hat viel Potenzial. Ich bin ein Fan vom Viertel in Bremen und das ist hier das Kleinformat davon.

Wieso wollt ihr den Glückswinkel mit Crowdfunding realisieren?

Fiona: Beim Crowdfunding steht dieser Gemeinschaftsgedanke im Vordergrund. Jeder kann geben, so viel er möchte und später kann man sagen, das haben Menschen ermöglicht und nicht eine Bank ohne Gesicht. Das finde ich total schön. Wir sind dadurch außerdem viel freier und haben keine Schulden.

Anne: Und jeder kann Teil der Entstehung sein und seine Ideen einbringen. Wir sind dafür offen. In den Kursraum kann sich auch jeder einbringen. Wenn jemand zum Beispiel einen Yogakurs anbieten möchte, ist das toll.

Foto: Dörthe Schmidt

Und ihr geht eine Kooperation ein mit der Keramikwerkstatt, dort soll der Glückswinkel entstehen.

Fiona: Ja, solche Modelle sehe ich generell für Bremerhaven total. Zum Beispiel das Findus ist gleichzeitig ein Café und eine Galerie – beide Seiten profitieren davon. Alleine ist gründen total viel Arbeit. Wenn man sich zusammen tut hat man mehr Zeit und mehr Ideen. Und weil Bremerhaven von Haus aus nicht die größte Kaufstärke hat, muss man hier kreativer ran gehen. Man kann hier nun mal nicht einen Laden neben dem anderen eröffnen.

Welche Arbeit steht an, bevor ihr eröffnen könnt?

Anne: Wir müssen die Keramikwerkstatt kindersicher machen, der Durchbruch von dem Laden in die Räume dahinter und dort müssen wir viel renovieren und einrichten. Die Liste ist lang.

Was sind eure Zukunftspläne mit dem Glückswinkel?

Anne: Wir wollen den Verkauf von nachhaltigen Produkten ausbauen und irgendwann auch unverpackte Lebensmittel anbieten. Wir wollen ein Netzwerk für Familien schaffen und ein Treffpunkt werden. Der Glückswinkel soll ein Ort werden, an dem sich die Menschen gerne aufhalten. Wir haben so einen Bullerbü-Gedanken im Hinterkopf und freuen uns über jeden, der sich mit seinen Ideen einbringen möchte.

Glückswinkel auf Startnext

Hier könnt ihr das Projekt unterstützen und euch noch weiter darüber informieren: www.startnext.com/deinglueckswinkel 

 

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Dörthe

Über Dörthe Schmidt

Besitzt mehr Ohrringe als sie zählen kann und hat auch schon mehr davon verloren, als sie je zugeben würde. Isst schon seit Jahren vegetarisch, wird jedoch schwach bei Marshmallows am Lagerfeuer. Liebt die Natur, Handarbeit und Weltverbesserer.

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