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Aus dem Leben eines Fußball-Profis: „Jeder Spieler ist ersetzbar.“

Viele Kinder träumen davon, Fußball-Profi zu werden. Den wenigsten gelingt der Durchbruch. Einer, der es geschafft hat, ist André Hahn. Der in Otterndorf geborene Nationalspieler stand drei Jahre lang beim Bundesligisten Borussia Mönchengladbach unter Vertrag. Seit letztem Jahr spielt er für den HSV. Vor dem großen Karriere-Sprung hat er die Dorf-Bolzplätze der Region kennengelernt.

Aufgewachsen ist Hahn im beschaulichen Wehldorf (Stadt Cuxhaven). „Der Hof meiner Eltern ist bis heute mein Lieblingsort im Cuxland“, erzählt der 26-Jährige. Er komme noch sehr gerne in seine Heimat zurück. Allerdings sind die Besuche des Bundesliga-Profis im hohen Norden selten geworden. „Ich habe meine eigene Familie gegründet“, sagt Hahn, der mit seiner Frau Ragna den gemeinsamen Sohn Julien Joel großzieht. Der Nachwuchs hat im Januar 2016 das Licht der Welt erblickt. Hahn hat sich den Fußabdruck seines Juniors auf den Bauch tätowieren lassen. „Ich bin stolz auf meine Familie“, betont er.

Seiner Familie aus dem Cuxland habe der 26-Jährige viel zu verdanken. Die Liebe zum Sport wurde ihm damals in die Wiege gelegt. Großvater Franz-Hermann Hahn war bis 1988 Bundestrainer der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Vater Andreas Hahn spielte Handball beim TSV Otterndorf. Mit diesem Verein ist Bruder Marcel Hahn Tabellenführer in der Fußball-Kreisliga Cuxhaven.

Ich war damals von dem Gelände und der Professionalität in Hamburg beeindruckt.

„Als Kind habe ich viele Sportarten ausprobiert. Reiten, Handball, Schwimmen. Aber Fußball hat mir am meisten Spaß gemacht“, erinnert sich der Bundesliga-Profi. So begann seine Karriere in Otterndorf in der G-Jugend – damals noch als Fan des FC Bayern München. „Später drückte ich dem Hamburger SV die Daumen“, verrät Hahn. Mittlerweile identifiziere sich der 26-Jährige mit dem Verein, bei dem er unter Vertrag steht. Nach sechs Jahren in Otterndorf wechselte Hahn zur LTS Bremerhaven (2003 – 2005). Von dort aus ging es zu Rot-Weiß Cuxhaven (2005 – 2007). Beim FC Bremerhaven legte er 2008 einen kurzen Zwischenstopp ein, ehe er als A-Jugend-Spieler des älteren Jahrgangs beim HSV landete. Währenddessen machte der Fußballer seinen Realschulabschluss.

André Hahn beim Training mit der Nationalmannschaft. (Foto: Lütt)

„Ich war damals von dem Gelände und der Professionalität in Hamburg beeindruckt“, erinnert sich Hahn. Seine Mitspieler, die von klein auf im HSV-Internat das Fußballspielen lernten, seien zwar technisch und taktisch besser gewesen. „Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich mithalten kann“, meint der 26-Jährige. Über Willen, Ehrgeiz und Mentalität habe er sich durchsetzen können. „Natürlich gehören auch Talent und Glück dazu.“

Der ehemalige HSV-Profi Karsten Bäron erkannte Hahns Talent und zog den Jungspund in die zweite Mannschaft hoch. „Nach zwei Jahren haben die Hamburger meinen Vertrag nicht verlängert“, sagt Hahn. Trotzdem habe er seinen Traum nicht aufgeben wollen. Über „kleinere“ Vereine (FC Oberneuland, TuS Koblenz und Kickers Offenbach) landete er schließlich beim FC Augsburg.

Wenn ich an mein erstes Bundesliga-Tor zurückdenke, bekomme ich noch heute Gänsehaut.

Was wäre gewesen, wenn Hahn den Sprung zum FCA nicht geschafft hätte? „Es gab immer einen Plan B und einen Plan C“, sagt der Otterndorfer. Vater Andreas habe den Wechsel zum HSV an eine Bedingung geknüpft. „Ich musste meine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer beenden, was ich auch getan habe“, erzählt Hahn. Er hätte aber auch beim Versicherungsbüro seines Vaters in Otterndorf einsteigen können.

Letztlich hat es mit Plan A geklappt. In der Winterpause der Saison 2012/2013 wechselte Hahn von Offenbach zum Bundesligisten FC Augsburg. Am 20. Januar 2013 debütierte er im Fußball-Oberhaus. Das erste Bundesliga-Tor gelang Hahn am 27. September 2013 gegen Borussia Mönchengladbach – gegen den Verein, bei dem er im März 2014 einen Vertrag bis zum 30. Juni 2018 unterzeichnete. „Wenn ich an mein erstes Bundesliga-Tor zurückdenke, bekomme ich noch heute Gänsehaut. Ein unbeschreiblich geiles Gefühl“, sagt Hahn.

Schockmoment Schienbeinbruch

Einen Schockmoment erlebte der Profi am 25. Oktober 2015 gegen Schalke 04. Hahn erlitt einen Schienbeinkopfbruch und einen Riss des Außenmeniskus. „Da kam mir natürlich der Gedanke, dass die Karriere als Fußball-Profi schnell vorbei sein kann“, berichtet Hahn. Um so wichtiger sei es, finanziell vorzusorgen. „Ich habe jetzt die einmalige Chance, die Weichen für die Zeit nach dem Leben als Fußball-Profi zu stellen“, sagt der 26-Jährige.

André Hahn in seiner Freizeit. (Foto: Lütt)

Er sei kein Typ, der das Geld aus dem Fenster werfe. „Im Gegenteil. Ich habe mir mehrere Standbeine aufgebaut.“ Konkrete Pläne, was er nach der Karriere machen möchte, habe er noch nicht. Fußball sei ein schnelllebiges Geschäft. „In der Branche fließt viel Geld. Jeder Spieler ist ersetzbar. Der Konkurrenzdruck ist groß“, sagt er. Dennoch: „Ich bin mit Herz und Leidenschaft bei der Sache und will immer in der Start-Elf stehen. Dafür trainiere ich sehr hart.“

Wenn Hahn nicht auf dem grünen Rasen steht, ist er ein ganz normaler Familienvater. „Vor dem Training bringe ich meinen Sohn zur Tagesmutter“, sagt der 26-Jährige. „Wenn keine Nachmittags-Einheit ansteht, erledige ich Einkäufe, Papierkram und genieße die Zeit mit meiner Frau und meinem Kind.“

Unter Beobachtung

Wie bei anderen Berufen auch gebe es auch als Fußballer Schattenseiten. „Wenn ich mit meinen Kumpels einen trinken gehen möchte, kann ich nicht mit nacktem Oberkörper auf dem Tisch tanzen“, sagt er. Im Social-Media-Zeitalter würden die Fotos sofort im Internet landen. „Sobald man das Haus verlässt, steht man unter medialer Beobachtung. Das ist nicht immer einfach.“ Allerdings ist sich Hahn auch seiner Vorbild-Funktion bewusst. „Wenn Kinder ein Trikot mit meinem Namen tragen, dann ist das ein tolles Gefühl.“ Es seien die schönen Seiten, die in seinem Beruf überwiegen.

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Kriddl

Über Christoph Reiprich

Christoph, Kriddl genannt, liebt Fußball ebenso sehr wie Reisen in die USA. Made im Jahr 1988, aber nur auf dem Papier fast 30. Ohne Schlaf ein typisch mürrischer Norddeutscher, der auf seine Geburtsstadt Nordenham nichts kommen lässt.

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