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Fem-Talk: Hört auf, Frauen Mädchen zu nennen

Määääääädels  – so ruft Heidi Klum seit etlichen Staffeln die Teilnehmerinnen ihrer Castingshow. Doch damit nicht genug: Denn nicht nur Heidi Klum nennt Frauen Mädchen. Wir treffen uns zum Mädelsabend oder sprechen mit unseren Freundinnen über Mädchensachen. Dabei sind weder Heidis Modelnachwuchs noch wir selbst Mädchen. Also Schluss mit der Verniedlichung!

Worte haben Macht. Fakt ist: Sprache formt die Kategorien, in denen wir die Welt wahrnehmen. Worte sind nicht nur Ausdrücke, sondern stehen für etwas. Sie haben eine tiefere Bedeutung, die jedes Mal mitschwingt, wenn wir sie benutzen. Ein Mädchen ist eben nicht nur eine junge Frau. Das Wort vermittelt ein verniedlichendes Bild, für das die meisten erwachsenen Frauen nicht stehen. Sie wollen ernst genommen werden, ihre Leben in die Hand nehmen, Erfolg im Job haben. Alles, was das Wort „Mädchen“ nicht widerspiegelt.

Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen. – Mark Twain

Bei dem Wort „Mädchen“ habe ich sofort ein Bild vor Augen: Ich sehe ein Kind in einem bunten Kleid, das lachend mit seinen Freundinnen spielt.  „Mädchen“ bedeutet süß, unbedarft und unreif. Trotzdem lassen wir Frauen uns immer wieder ohne Widersprüche so nennen, deklarieren uns gar selbst als Mädchen. Warum? Eine gute Frage. Es kommt keiner auf die Idee, einen erwachsenen Mann „Junge“ zu nennen. Frauen als „Mädchen“ zu bezeichnen, ist dagegen gesellschaftlich akzeptiert.

Mayim Bialiks Video-Botschaft

Auch Big-Bang-Theory-Schauspielerin Mayim Bialiks (die übrigens auch im richtigen Leben einen Doktor in Neurowissenschaften hat) hat im vergangenen Jahr in einer Video-Botschaft den Ausdruck „girls“ scharf kritisiert. „I get super annoyed when people call women „girls“. You don’t call a grown man a „boy“, do you? Yes, I overthink everything“, sagt sie.

"Girl" vs. “Woman": Why Language Matters

I get super annoyed when people call women "girls." You don't call a grown man a "boy," do you? Yes, I overthink everything. Here are my thoughts on why and how to change how we talk about women.

Publié par Mayim Bialik sur jeudi 23 mars 2017

 

Sprache beeinflusst unser Gesellschaftsbild unterbewusst – auch wenn der Sprecher das nicht beabsichtigt und das Wort unbedacht benutzt. Aber Mädchen stehen eben nicht für das Bild, für das die meisten Frauen heutzutage stehen wollen. Mädchen stehen nicht auf einer Stufe mit Männern, sie stehen darunter. Wir sollten uns deshalb wieder bewusst werden, dass Mädchen Mädchen und Frauen Frauen sind und sie auch so nennen.

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Steffi

Über Stefanie Jürgensen

Unser Küstendeern durch und durch: Am liebsten hat sie Sand zwischen den Zehen, Sonne auf der Haut und eine steife Brise, die durch die Haare weht. Ihre rote Mähne ist ihr Ein und Alles. Nur lange Serienabende und Reisen nach Norwegen liebt sie mindestens genauso sehr.

2 Comments

  1. Steffi

    Hallo Jan,
    vielen Dank für deine ausführliche Nachricht! Es freut mich, dass du dich so sehr mit dem Artikel und dem Thema auseinander gesetzt hast.
    Natürlich gibt es Situationen, in denen es okay ist, Worte wie „Mädel“, „Mädchen“ oder „Junge“ zu benutzen. Für mich persönlich sind das vor allem Situationen, in denen man unter Freunden ist. Auch beim Flirten mag es okay sein, um das Eis zu brechen und ein Gespräch in Gang zu bringen. In diesen Punkten stimme ich dir zu.
    Mit meinem Artikel wollte ich vor allem darauf aufmerksam machen, dass man über diese Begriffe nachdenken und sie bewusster benutzen sollte. In einigen Situationen mag es okay sein, in anderen aber nicht. Dazu zählt für mich zum Beispiel der Berufsalltag. Das hast du ja auch selber angesprochen. Ich denke, es ist immer wichtig die Situation zu berücksichtigen und zu überlegen, ob es nur um einen lockeren Spruch unter Freunden geht oder darum, den anderen „kleinlicher“ oder „schwächer“ erscheinen lässt. Das passiert – meiner Meinung nach – leider zu oft und ohne dass die Sprecher das merken.
    Deine letzten Fragen bedürfen alle viel mehr Umfang, als es in so einer Antwort möglich ist. Ich hoffe aber, ich kann dir hiermit meine Intention und meine Hoffnung hinter dem Artikel erklären: Ich sehe es generell als wichtig an, über Sprache und ihre Bedeutung nachzudenken. Solche Themen einfach einmal anzusprechen und zu diskutieren – und es hat sich gezeigt, dass die Meinungen dabei sehr weit auseinander gehen – hilft, ein Bewusstsein zu schaffen. Es geht nicht darum, klare Grenzen abzustecken, was geht und was nicht. Ich wollte mit dem Artikel vielmehr bewirken, dass über das Thema nachgedacht wird und in der Gesellschaft ein Bewusstsein entsteht.
    Viele Grüße,
    Stefanie

  2. Jan

    Hallo Stefanie,

    ich hoffe mal, dass ich als Mann auch am Fem-Talk teilnehmen darf?! 😀
    Zunächst einmal möchte ih dir sagen, dass ich deine Auffassung im Grundsätzlichen teile. Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“, „Der/Die Bachelor(-ette)“ oder ähnliche Sendeformate reduzieren Frauen auf ihr Äußeres und fahren damit Quoten ein. Dass ich mir solche Sendungen, aus persönlichen Gründen, nicht ansehe sei hierbei am Rande erwähnt. Ich finde, dass diese Sendungen ein nicht mehr zeitgemäßes Frauenbild entwerfen und wäre auch nicht abgeneigt, wenn diese aus den Sendeplänen von i.d.F. RTL verschwinden würden.
    Allerdings gibt es auch Punkte, die ich anders sehe. So z.B. das hier: „Es kommt keiner auf die Idee, einen erwachsenen Mann „Junge“ zu nennen. Frauen als „Mädchen“ zu bezeichnen, ist dagegen gesellschaftlich akzeptiert.“. Das stimmt so allgemein nicht. Männer bezeichnen sich in einer Gruppe z.B. auch als Jungs. (Ob das bei Frauen auch so ist kann ich leider nicht sagen :P). Mir ist es sogar schon untergekommen, dass eine Frau uns in der Gruppe als Jungs angesprochen hat. Ich für meinen Teil habe eine erwachsene Frau noch nie direkt als Mädchen tituliert. Das allseits bekannte „Määäääääääädels“ hingegen schon, aber in meinen Augen ist das keine Herabwürdigung der Frauen, sondern vielmehr eine Art zu flirten. Man kriegt dann durchaus Gegenwind, aber man ist im Gespräch. Ich finde ein bisschen Unbekümmertheit ist in solchen Situation durchaus erlaubt.
    Außerdem wäre ich vorsichtig mit der Aussage „[…] ist gesellschaftlich akzeptiert […]“. Ich für meinen Teil akzeptiere ein solches Verhalten in alltäglichen Situation nicht. Im Beruf ist es zudem am unangebrachtesten, da diese Wortwahl genau eines zur Folge hat: Sie stellt die Frauen im Vgl. zu den Männern als „kleinlicher“ und „schwächer“ dar. In diesem Punkt gebe ich dir Recht.
    Weiterhin finde ich einen Vergleich der englischen mit der deutschen Sprache in diesem konkreten Fall schwierig. Die übersetzerische Bedeutung von „girl“ (=Mädchen) und „boy“ (=Junge) möge die gleiche sein, aber die Art und Weise wie man diese Wörter wahr- und aufnimmt ist m.E. nach nicht dieselbe. Ich bin der Meinung, dass man das für jede Sprache einzeln diskutieren muss und nicht von der Bedeutung in der einen auf die Bedeutung in der anderen Sprache schließen kann, aber dann müsstest du wahrscheinlich einen Roman von mehreren hundert Seiten verfassen. Dass du dafür wahrscheinlich keine Zeit hast, sehe ich ein 🙂
    Mich würde nur vielmehr interessieren was du dir von den Männern (und auch den Frauen) erwartest, damit diese sprachliche Herabwürdigung der Frauen im Alltag ein Ende hat? Wie sieht deine Vision von einer Welt aus, in der Mann und Frau gleichberechtigt sind? Darf Man(n) in einer solchen Welt überhaupt noch flirten oder verstößt er dann schon gegen die Gleichberechtigung? Was ist erlaubt und was nicht (bezogen auf die sprachliche Ebene)? Und v.a. siehst du Möglichkeiten wie wir uns als Gesellschaft diesem Ziel (zumindest ein wenig) nähern können?

    Mit den besten Grüßen

    Jan

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