Foto: Lili Maffiotte, Montage: Daniel Gefers

Das Bekenntnis einer Süchtigen: „Ich bin nicht verrückt, ich bin verliebt“

Ich werde ständig gefragt, wie viel Paar Schuhe ich habe. Als ob ich das wüsste. Meine Antwort fällt deshalb immer gleich aus: „Nicht genug.” Und nein, ich bin nicht verrückt. Ich bin verliebt. In jedes einzelne Paar. Und ich habe ein großes Herz. Da passen noch viel mehr Schuhe rein. In meinen begehbaren Schrank übrigens auch. 

Es war nicht ihre schlaueste Idee: Melania Trump stöckelte Anfang der Woche auf High Heels durch das abgesoffene Texas. Und erntete nicht nur Hohn und Spott, sondern kassierte auch haufenweise Kritik. Hand aufs Herz: Als bekennender Schuh-Fetischist sind mir zuerst ihre geilen Schuhe aufgefallen, bevor mir der Gedanke kam, dass dieser Traum in schwarz für den Anlass sehr unpassend. war. Aber ihre Schuhe hätte ich auch gerne. Wenn ich sie nicht schon habe. Ist nun mal so: Ich ziehe High Heels einfach sehr, sehr gerne an.

Sarah Jessica, du mein wundervolles Vorbild

Zu der eingangs genannten Frage gesellt sich übrigens auch gerne diese hier: „Wie kann man denn auf solchen Schuhen laufen? Meine Standardantwort: „Fliegen kann ich mit denen nicht.” Ich habe mich allerdings vorsichtig einer gewissen Höhe angenähert. Bis heute habe ich eine Absatzhöhe von 12 Zentimetern erreicht. Pfennigabsätze versteht sich. Alles, was höher ist, bringt mich an den Rand der Verzweiflung. Denn es gibt nichts schlimmeres, als Frauen auf High Heels, die nicht darauf laufen können. Sorry – aber das ist ein echter Abturner.

Fasziniert bin ich noch immer von der Filmfigur Carrie Bradshaw aus „Sex and the City“. Unfassbar, wie sie galant über die Straße läuft – auf Schuhen, die andere als „Sitzschuhe” bezeichnen. Lange habe ich geübt, von der Straße auf den Bürgersteig zu springen – so wie sie es tut, als sie beispielsweise den „Russen”  nach Paris begleitet. Legendär auch die Szene mit den Manolo Blaniks im Schaufenster. Carrie steht davor und haucht: „Hello Lovers!”. Voll mein Ding. Nicht nachvollziehen kann ich allerdings die Szene, in der sie in New York überfallen wird und der Täter nicht ihr Geld, sondern ihre Manolos haben will. Ich hätte sie ihm nicht gegeben. Übrigens auch kein anderes Paar meiner Schuhe.

Hello Lovers!

Als Teenie sah das alles noch anders bei mir aus: Ich hatte damals nur ein Paar Turnschuhe. Ein Paar! Das habe ich wiederum getragen, bis es auseinanderfiel. Manchmal auch länger. Gefunzt hat es zum ersten Mal, als ich diese schwarzen Loafer sah. Vielleicht sahen sie auch mich. Wer weiß. Lack. Mit Budapester Muster. Um die bin ich eine gefühlte Ewigkeit herumgeschlichen. In Zahlen waren es eigentlich nur 23 Minuten. Dann waren sie meine. Ich habe sie geliebt. Und mit dieser Liebe begann eine innige Beziehung zu Schuhen, von der ich bis heute nicht loskomme. Muss ich ja auch nicht.

Die Sammlung: Zum Glück kein Ende in Sicht

In meiner Sammlung sind Gummistiefel aber genauso vertreten wie Stilettos. So ist das ja nun nicht. Gleiches gilt für Ballerinas und Sneaker. In unzählbaren Farben. Und Riemchensandalen? Na klar – in hoch und flach. Boots, Cowboystiefel, Schnürschuhe, Laufschuhe, Winterstiefel, – ebenfalls check. Werde ich gefragt, ob mir noch irgendein Paar fehlt, dann schwirren vor meinem geistigen Auge genau die herum, die ich unbedingt noch haben muss. Ja, es gibt Schuhe, die ich sehr vermisse. Also ernsthaft.

Ich habe natürlich Favoriten. Die sind in meinen begehbaren Schrank unschwer zu erkennen: Sie stehen in meinem hinterrücks beleuchteten Schuhschrank. Das Prunkstück in diesem Raum. Unantastbar. Nicht nur, weil ich es selbst gebaut habe. Es ist mein Augenschmeichler. Mein Seelentröster. Mein Herz. Und auch wenn ich nicht weiß, wie viele Schuhe es insgesamt sind, so weiß ich doch von jedem Paar, in welcher Stadt ich es gekauft habe. Ich weiß auch, warum ich es gekauft habe. Denn fast hinter jedem Schuh steckt eine, beziehungsweise meine Geschichte.

In meiner Wohnung: Bett statt Schuhe

Als ich auf Wohnungssuche war, schaute ich den Makler etwas verwirrt an, als er mir das kleinste Zimmer meiner künftigen Wohnung als begehbaren Schrank anpreisen wollte. „Wie meinen Sie? Was?”, fragte er. Der Makler konnte ja nicht wissen, wie viele Schuhe ich zu diesem Zeitpunkt schon hatte. Beziehungsweise, wie viele Paare es noch werden würden. Mir war jedenfalls sofort klar: „In dieses Zimmer passt nur ein Bruchteil meiner kleiner Lieblinge.” Heute ist dort mein Schlafzimmer. Meine Schuhe haben den zweitgrößten Raum in meiner Wohnung bezogen.

Lilis hinterrücks beleuchteter, selbstgebauter Schuhschrank mit ihren Lieblingen (Fotos: Lili Maffiotte, Montage: Daniel Gefers)

Ich bin sehr gerne in diesem Raum. Das Regal leuchtet. Meine Augen auch. Okay, vielleicht ein bisschen verrückt, seinen Schuhen so viel Aufmerksamkeit zu schenken. Aber sie haben es verdient. Ich verbringe viele Abende in diesem „Schrank”. Deshalb habe ich dort auch eine Musikanlage. Ich teste die Kombinationen von Klamotten durch. Und verliebe mich dabei immer neu. Was diese Liebe für mich ausmacht? Mit der richtigen Schuhwahl kannst du dein ganzes Outfit pimpen. Schuhe bestimmen darüber, ob du sexy, sportlich, elegant oder lässig aussiehst. Das kann keine Hose, das kann keine Bluse, das kann kein Shirt.

Und so wächst nicht nur mein Gefühl für meine Schuhe, sondern auch die Anzahl. Und nein, ich werde meine Schuhe nicht zählen. Warum auch? Fakt ist: Es sind nie genug und irgendein Paar fehlt immer.

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Lili

Über Lili Maffiotte

Lili lacht. Lili weint. Lili hat immer Lust aufs Leben. Das ist allerdings ohne Schuhe völlig sinnlos. Deshalb ist sie ganz verrückt nach ihnen. Aber auch nach Büchern, Klamotten, Musik, Sport und Sonne.

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