Foto: Janina Kück

Have a Jolly Christmas: Weihnachtsbacken mit John und Michaela

„Ich hoffe, dass uns gleich nicht zu warm wird“, sagt Nicole zu mir, während sie ihren Ugly Christmas Sweater anzieht, der eigentlich gar nicht so hässlich ist, wie sein Name es vermuten lässt. Schwarz mit rot-weißer Aufschrift „Jolly“. Das Problem ist nur, dass er kratzt. Und zwar ziemlich. Feinster Polyester-Wollmix. Was will man da machen? Fein natürlich in Anführungsstrichen.

Ich trage den gleichen Pullover wie Nicole. Genauso wie meine anderen Freundinnen Tina und Claudia. Dass Ayleen, Nicoles achtjähriges Patenkind, heute mit dabei ist, hat sich spontan ergeben. Zu spontan, um noch einen Sweater zu besorgen. Wobei ihr Plüsch-Haarreif mit Rentier-Ohren und Rentier-Hörnern ohnehin schöner aussieht. „Dann pack’ zur Sicherheit doch noch ein T-Shirt ein“, antworte ich. Wir fünf machen heute einen besonderen Ausflug: Michaela und John Reinhardt von der Wremer Bakery „Brownies&Cookies“ haben uns eingeladen, um gemeinsam Früchtekuchen und Kekse zu backen und bei einem leckeren Eggnog über ihre amerikanischen Leckereien zu schnacken.

Janina (von links) und ihre Freundinnen Nicole, Ayleen, Tina und Claudia. (Foto: Janina Kück )

Willkommen in der Bakery

„Freut mich, dass ihr uns besucht“, sagt Michaela und begrüßt uns herzlich. Wir sind endlich in Wremen angekommen. Die Straßen waren relativ glatt. Sie und ihr Ehemann hätten schon auf uns gewartet. „Ich muss mich noch um eine Lieferung kümmern“, ergänzt der Deutsch-Amerikaner in seinem warmen Akzent. John sieht aus wie immer. Er trägt ein Holzfäller-Hemd. Ein Händler habe sich verspätet, erklärt er und verschwindet daraufhin. „Aber nur kurz.“

„Wollt ihr solange etwas trinken?“, fragt seine Frau und holt Sekt und Orangensaft aus dem Kühlschrank. Gerne. „Und was möchtest du, Ayleen?“ Keine Antwort. Ayleen ist anfangs immer ein bisschen schüchtern. „Vielleicht einen Kakao?“ Immer noch keine Antwort. „Der ist wirklich lecker. Heiß oder kalt?“ Stille. „1, 2, 3 und vorbei. Heiß oder kalt?“ Ayleens Entscheidung fällt auf eine Cola. In der Backstube ist es übrigens kälter als gedacht, wie Nicole anmerkt. „Und wir hatten schon Angst, dass uns zu warm sein könnte.“

Mit Liebe gebacken und verziert: Schoko Smilie Cookies. (Foto: Janina Kück )

2016 haben Michaela und John die Backstube von Bäcker Dahl übernommen, ein wahres Wremer Urgestein. Dort gebacken haben sie schon vorher. „Am Anfang hat eigentlich keiner geglaubt, dass das hier was wird“, erzählt Michaela, die genauso Keks-Autodidakt ist wie ihr Mann. „Bäcker Dahl kam früher immer zu mir runter und meinte ‚Dat mutt einfacher werden, Deern!’.“ Sie seien eben unkonventioneller an die Arbeit gegangen. „Aber dafür mochte er uns auch. Der Geruch hat ihn immer angelockt.“

Im Moment backen Michaela und John alleine. Viel Arbeit, da sie ein Café in der Bremerhavener City und zwei Marktstände betreiben. „Wir mussten uns erst mal um den ganzen Umbau hier kümmern“, sagt Michaela und zeigt auf eine dunkle Stelle auf dem Boden. „Man sieht noch, wo die Geräte standen.“ Nach dem Umbau sei alles offener geworden. „Wahrscheinlich kommen 2018 die Helfer.“

Zwei Autodidakten

„Aber irgendeine Anleitung wirst du doch gehabt haben, oder?“, möchte meine Freundin Claudia von der Bäckerin wissen. John lässt indes immer noch auf sich warten. Wie seine Lieferung wahrscheinlich auch. Und ich  bekomme Hunger, weil ich extra auf mein Mittagessen verzichtet habe, um mir den Bauch mit Cookies vollschlagen zu können. Das Backen habe sie bei der Familie ihres Mannes gelernt, erzählt Michaela. „Ich habe meinem Schwiegervater immer in der Küche assistiert, als er seine Cookies gemacht hat.“ Heute sind sie und John ein eingespieltes Team. „Unser Job macht uns fröhlich. Besonders, wenn es darum geht, neue Rezepte auszutüfteln.“

it’s not about the pieces but how they work together.

Bevor er seine Bestimmung als Cookie-Bäcker fand, musste John, der 1961 im Staat New York geboren wurde, anscheinend erst einmal viele andere Stationen in seinem Leben durchlaufen: Nach dem Abi zog es ihn in seine Heimat Amerika zurück, in die seine Eltern erst ausgewandert waren, um sie später wieder zu verlassen. John jobbte unter anderem als Fensterputzer, kümmerte sich um internationale Beziehungen, arbeitete als Broker und stieg ins Flugzeuggeschäft ein. Seine Frau, die damals noch in einer Bank arbeitete und gerade einen Weltmeistertitel im Tanzen erlangt hatte, lernte er auf einem Heimatbesuch kennen, woraufhin auch er wieder nach Norddeutschland zurückkehrte und dort ein Restaurant eröffnete, später sogar ein Callcenter. Viele Puzzle-Teile, die sich irgendwann zu einem Ganzen zusammenfügten: Er und Michaela heirateten, bekamen Kinder und hängten 2011 ihre Jobs an den Nagel, um sich ihrer Bakery widmen zu können.

Am Anfang war der Brownie

Angefangen habe alles mit einem neuen Brownie-Rezept, erinnert sich Michaela. Danach seien immer mehr Ideen hinzugekommen. Beispielsweise für den Schoko-Smartie-Cookie und den Snickerdoodle-Cookie, die wir gleich zusammen backen wollen. Letzterer werde das ganze Jahr über verkauft, sagt sie, sei aber im Moment das Winter-Highlight für ihre Kunden. Wegen des Zimtgeschmacks. „Den Teig habe ich schon vorbereitet, aber ihr könnt mir beim Ausrollen und beim Verzieren helfen.“ Unser Hauptaugenmerk liegt auf einem anderen Gebäckstück – und zwar dem amerikanischen Früchtekuchen. Michaela zeigt auf das Rezept, das sie uns später mitgeben möchte. „Das Wichtigste ist für uns, dass alles selbst gemacht ist. So funktioniert unsere Bakery. Kein Cookie und kein Kuchen gleicht dem anderen. Und das ist auch gut so.“

Früchtekuchen vor dem Backen. (Foto: Janina Kück)

Endlich kann es losgehen. Auch John ist wieder da, mit einer Handvoll gelber Schürzen im Gepäck. „Ihr sollt eure schönen Pullis ja nicht dreckig machen“, lacht er. „Der Fruitcake ist wirklich typisch amerikanisch, vor allem zu Weihnachten. Unser Nonplusultra sozusagen.“ Und John muss es wissen. Schließlich hat er sich im Laufe seines Lebens auch um den Vertrieb von Früchtekuchen gekümmert. Ein weiteres Puzzle-Teil. „Für eine Firma aus Texas habe ich ganze Container rübergeholt. Mit einem Spediteur zusammen. In drei Monaten haben wir zwei Millionen Kuchen weltweit verkauft.“ Heute sei der Kuchen relativ teuer, findet er. Wegen der Pecannüsse.

Wir backen zwei Varianten, eine alkoholische mit Rum und eine anti-alkoholische mit Orangensaft. „Na, was meint ihr? Wie viel Geld sollen wir für den Kuchen nehmen? Bei so vielen Händen, die hier mithelfen.“ Ayleens Aufgabe ist es, den Teig in kleine Förmchen zu füllen. Ich verteile ihn gleichmäßig mit den Händen, beziehungsweise ich versuche, ihn gleichmäßig zu verteilen. Die andere sind nicht gerade überzeugt von meiner Handwerkskunst. „Da ist im wahrsten Sinne des Wortes noch Luft nach oben“, lacht Tina mich aus und greift zu den kandierten Kirschen. „Wie sollen wir den denn ordentlich dekorieren? Das wird schief!“

Für die Dekoration hätte man auch Ananas nehmen können, sagt Michaela beiläufig, während sie das erste Blech mit der anti-alkoholischen Variante in den Backofen schiebt. Ihre Einschätzung von 40 Minuten Backdauer bewahrheitet sich. Schließlich sind die Förmchen kleiner. „Den könnt ihr natürlich einpacken und mitnehmen.“ Keine Gegenstimmen. Wir freuen uns. Auch die Kekse sind fertig. Wegen des hohen Zucker- und Fettgehalts und der Trockenfrüchte hält sich der Fruitcake übrigens wochen-, sogar monatelang. Solange man ihn gut verpackt, entweder in Alufolie oder in einer Dose.

Das Rezept

Foto: Janina Kück, Grafik: Lena Gausmann

 

  1. Ofen auf 160 Grad vorheizen. Butter und Zucker sehr schaumig rühren, dann die Eier einzeln hinzugeben und immer wieder gut rühren.
  2. Mehl und Gewürze mischen und etwas davon über die vorher in Rum oder Orangensaft eingelegten Früchte stäuben.
  3. Den Rest in die Butter-Eier-Masse rühren, dann die Früchte untermischen.
  4. Den Teig in zwei große, gefettete Kastenformen geben und mit kandierten Kirschen und Pecannüssen dekorieren. Etwa zwei bis zweieinhalb Stunden backen. Wenn der Kuchen zu dunkel wird, mit Alufolie abdecken.
  5. Den heißen Kuchen mit warmer Aprikosenmarmelade bestreichen und durchziehen lassen.

Zum Abschluss: Impressionen aus der Weihnachtsbäckerei

Überblick

Brownies & Cookies
Telefon: 0174/9404478
www.brownies-cookies.de

Innenstadt:
Pressburger Straße in Bremerhaven
Öffnungszeiten: dienstags, donnerstags und freitags 12 bis 18 Uhr, mittwochs 14 bis 18 Uhr.

Wremer Fischereihafen:
Strandstraße 61 in Wurster Nordseeküste
Öffnungszeiten: täglich 12 bis 18 Uhr („außer bei Schietwetter”).

Wochenmarkt in Geestemünde:
Max-Dietrich-Straße 23 in Bremerhaven
Öffnungszeiten: mittwochs und samstags 7 bis 13 Uhr.

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Janina

Über Janina Kück

Hat zwei Herzen in ihrer Brust: Das einer kleinen Madame mit einem Faible für französische Mode - Ringelshirts, rote Lippen und Kurzhaarschnitte - und das eines RockʹnʹRoll-Girls, für das laute und wilde Konzerte genauso wichtig sind wie Sauerstoff. Ihre Liebe für Rotwein und Kaffee ist irgendwo dazwischen. Genauso wie ihre dunkle Leidenschaft für Pete Doherty.

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