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Bananen und Kirschen zum Welttag des Buches

Heute ist der Welttag des Buches. Rund um den Globus werden Bücher verschenkt, Geschichten geteilt und Kinder dazu ermutigt, viel zu lesen. Ein großartiger Feiertag, wie ich finde.

Denn ich liebe Bücher. Das habe ich schon immer. Als Kind hatte ich meine Nase ständig in irgendeinem Buch stecken, meistens habe ich sogar mehrere gleichzeitig gelesen. Aber wenn man mich nach meinem Lieblingsbuch fragt, dann muss ich grübeln. Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten.

Mit Harry Potter durch die Kindheit

Klar, ich bin ein riesen Fan von Harry Potter. Die Bücherreihe hat mich durch meine Kindheit hindurch bis ins Erwachsenenalter hinein begleitet – Harry und ich sind quasi zusammen groß geworden. Aber die wahren Bücherperlen sind nicht immer die, die jeder kennt und die jahrelang Bestsellerlisten dominiert haben. Deshalb nenne ich als mein Lieblingsbuch gerne „Das Geschlecht der Kirsche“ von Jeanette Winterson, das 1989 erstmals erschien.

Von Riesen und reisenden Findelkindern

Jeanette Winterson schickt ihre Leser auf eine fantastische Reise. Wir begleiten Jordan, ein Findelkind, und seine Ziehmutter, eine Riesin. Jordans Mutter liebt ihren Sohn so sehr, dass sie sich wünscht, er würde für immer bei ihr bleiben. Er aber ist besessen davon, zu reisen und zu entdecken. Und er ist auf der Suche. Auf der Suche nach einer mysteriösen Tänzerin. Er versucht sie aufzuspüren und reist durch viele Städte, wo er aufregende Abenteuer erlebt.

Das erste Mal sieht Jordan die Tänzerin in der Stadt der Worte, einer Stadt, in der alle Laute – alles Gesagte, Geflüsterte, Gesungene – nicht einfach verschwinden, sondern als Wolken in den Himmel steigen und wie ein Dach aus Worten über der Stadt schweben. Regelmäßig fliegen die Menschen in Ballons nach oben und schrubben den Himmel wieder frei.

Meine Begleiterin, die mir sagte, das sei streng verboten, fing nichtsdestoweniger ein Sonett in einem hölzernen Kistchen ein und schenkte es mir zur Erinnerung. Wenn ich das Kästchen einen winzigen Spalt öffne, kann ich hören, wie das Sonett sich endlos wiederholt. So ist es ihm bestimmt, bis irgendjemand es befreit.

Ein anderes Mal erzählt uns Jordan von einer Stadt, deren Bewohner jede Nacht ihre Häuser abreißen und an einer anderen Stelle wieder aufbauen. Eine große Sehnsucht steckt hinter dieser Tradition, wie Jordan erkennt:

Es ist den Bewohnern der Stadt gelungen, zwei widersprüchliche Sehnsüchte zu versöhnen, nämlich die, an einem Ort zu bleiben und ihn für immer hinter sich zu lassen.

Für mich ist „Das Geschlecht der Kirsche“ ein Juwel. Viele Kapitel sind so faszinierend, dass ich sie wieder und wieder lesen möchte. Jeanette Winterson schafft es außerdem, viele kleine Nebengeschichten in die Erzählung einzuflechten, so zum Beispiel die von der ersten Banane, die wie eine Sensation in England präsentiert wird, ebenso wie die Geschichte von Rapunzel (die in Wintersons Version allerdings statt mit einem Prinzen lieber mit einer Frau zusammenleben möchte und von dem Prinzen, der gerne Frauenkleider trägt, überlistet wird).

Und immer wieder stolpere ich über Passagen, die so schön sind, dass ich sie am liebsten einrahmen und an die Wand hängen würde.

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Sophia

Über Sophia Welbhoff

Besitzt über 50 Teesorten, die sie am liebsten bei Musik genießt – und diese darf, auch wenn man es ihr nicht ansieht, gerne laut und metallisch sein. Sophia krault gerne Hunde und Katzen und hat eine Vorliebe für Reisen in skandinavische Länder.

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