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Franz, ich liebe dich

Ich schmecke Zimt, Zucker und weich-knusprigen Teig und bin plötzlich zwölf Jahre alt. Ich stehe mit meiner Schwester vor irgendeiner Hamburger Bäckerei und besuche sie zum ersten Mal allein. Sie kauft mir ein Franzbrötchen. Es ist eine Zeitreise, die mir mein Geschmackssinn verschafft hat. Denn in Wirklichkeit stehe ich gerade in meiner eigenen Küche und beiße in eins der Hefeteilchen, die ich selbst gebacken habe. Das Franzbrötchen ist seit Jahren mein treuer Begleiter, mit ihm verbinde ich viele Erinnerungen. Eine Liebeserklärung.

Lieber Franz, ich bin so froh, dass wir uns gefunden haben. Deine Sprache – buttrig, blättrig und zimtig – ist überzeugender als jedes gesprochene Wort. Du bist sinnlich und direkt. Und obwohl du weißt, dass ich gar kein echtes Nordkind bin, sondern aus dem südlicheren Deutschland komme, nimmst du mich so wie ich bin. Und mit dir in meiner Hand, weiß ich: Ich gehöre hier her.

Wenn du mich verführst, gibst du mir deine Seele, gibst mir alles, was du hast, wirst ein Teil von mir. Und du bist so viel mehr als ein guter Freund. Du bist der Norden, das windige und wechselhafte Wetter, die direkte Art der Menschen und das schöne, platte Land. Du bist die Reetdächer, die Schafe am Deich und die Inseln. Die Möwen, die Containerschiffe und die Hamburger Musikszene.

Manchmal tun wir es im Auto

Wenn du mich durch die Scheibe hindurch anlächelst und mir ein schönes Rendezvous versprichst, werde ich fast immer schwach. Und du bist so herrlich anspruchslos. Wir treffen uns auf Bahnsteigen in Hamburg, Bremen oder Bad Segeberg oder in gemütlichen kleinen Cafés, mal in Bio, mal in vegan, mal mit der Extraportion Liebe. Manchmal gehen wir zu mir – oder tun es direkt in meinem Auto.

Deine scheinbar unerschöpfliche Energie und Sinnlichkeit holt mich immer wieder ins Hier und Jetzt. Raus aus den sozialen Netzwerken, weg von dem Smartphone und zurück zum wirklich Wichtigen. Zu mir. Und dem Moment.

Ich weiß nicht, ob ich dir genauso viel bedeute. Und ich weiß, du bist kein Typ für Monogamie. Du hast noch viele andere neben mir. Aber ich möchte, dass du weißt: Niemand wird dich je ersetzen. Für mich bist du einzigartig und perfekt.

In Dankbarkeit und Liebe, deine Dörthe

Grafik: Lena Gausmann

Zubereitung

 

Arbeitszeit: ca. 30 Min. Ruhezeit: ca. 1 Std., Schwierigkeitsgrad: normal, Kalorien p. P. ca. 247 kcal

 

Teig:

Mehl in Schüssel geben, Mulde in der Mitte formen, Hefe hineinbröckeln. >> Zucker und Milch hineingeben, Hefe darin auflösen >> weiche Butter, restlichen Zucker, Salz und Zitronenschale auf Mehlrand verteilen und von der Mitte aus zu glattem Teig verkneten >> zugedeckt an warmem Ort gehen lassen (bis doppeltes Volumen, 30-40 Min.) >> Teig erneut durchkneten, auf (stets bemehlter) Arbeitsfläche ausrollen (Rechteck, 30×25 cm) >> gekühlte Butter in dünne Scheiben schneiden und auf Teighälfte legen, andere Hälfte darüber schlagen >> Teigränder zusammendrücken und unter Teigstück schieben, ausrollen (Rechteck, 30×50 cm)

 

Form:

Von Schmalseite her 1/3 der Teigplatte zur Mitte hin einschlagen, letztes Drittel darüber klappen (drei Teigschichten liegen übereinander), 15 Min. kühl stellen >> Teig ausrollen (80 x 40 cm), mit Wasser bestreichen >> Zimt und Zucker mischen, gleichmäßig auf Teig streuen >> Teigplatte von Längsseite her zur Rolle aufwickeln (6 cm breit), Nahtstelle zeigt nach unten >> Stücke schneiden (4 cm breit), jedes Stück mit Kochlöffelstiel parallel zu Schnittflächen eindrücken >> Stücke mit 4 cm Abstand auf 2 Backbleche verteilen, zudecken. Erstes Blech gehen lassen, zweites kühlstellen >> im vorgeheizten Backofen backen (mittlere Einschubleiste,  200°C,  25 Min.)

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Dörthe

Über Dörthe Schmidt

Besitzt mehr Ohrringe als sie zählen kann und hat auch schon mehr davon verloren, als sie je zugeben würde. Isst schon seit Jahren vegetarisch, wird jedoch schwach bei Marshmallows am Lagerfeuer. Liebt die Natur, Handarbeit und Weltverbesserer.

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