Foto: Lena Gausmann

„Guten Appetit. Viel Vergnügen. Cheers“

Seit nun mehr 5 Jahren ein Highlight in Bremerhavens Gastro-Szene: Das PIER 6 hat Geburtstag gefeiert und NORDKIND durfte kräftig mitanstoßen. Wir haben dem Team um Steffen Heumann schon vorher über die Schulter geschaut und sie über das Geheimnis ihres Erfolges ausgefragt.

„Wer hätte das am Anfang gedacht?“, beginnt Steffen seine Ansprache. Er ist sichtlich aufgeregt. Über 100 Gäste sind heute Abend gekommen, um mit ihm und seinem Team zu feiern. Mit den meisten ist er per Du. Wegen des großen Interesses steht morgen noch mal eine Geburtstagsfeier an. „Mit dieser Art von Gastronomie haben wir es geschafft, uns in Bremerhaven zu etablieren. Irgendwie. Aber wir haben es geschafft.”

Die Gäste applaudieren. Steinig sei der Weg für den gebürtigen Franken gewesen, sagt er. „Aber mein Dank gebürt auch der Stadt. Das Hafengebiet hat sich enorm entwickelt.” Die Aussicht auf das Hafenbecken ist heute eines der Aushängeschilder des Restaurants. „Und dabei erinnere ich mich noch so gut an unsere Anfänge. Als draußen noch der Bauzaun stand und wir drinnen schon Essen verkauft haben.”

Ein Restaurant, ein Team

Leiter Steffen während der Geburtstags-Ansprache. (Foto: Lena Gausmann)

Diese Zeiten sind vorüber. Heute steht das PIER 6 für gehobene Küche und exquisiten Service. Genauso aber für seine Gastfreundschaft, die wohl zu großen Anteilen Steffens fränkischer Herkunft geschuldet ist und sich auf das Team und die Gäste überträgt. Ein kleines Schild mit der Aufschrift „Franken”, erinnert daran. Es hängt an der Eingangstür,

Seit 30 Jahren ist Steffen Vollblutgastronom, wie er selbst sagt. Er bringt etliche Gastronomie-Erfahrungen mit. War im Süden und im Norden tätig. In Restaurants und in Hotels. Hat sogar auf dem Meer als Steward auf der MS Europa gearbeitet. Von seiner Selbstständigkeit in Bremerhaven verspreche er sich seine „Passion für Tradition, Typizität und Handwerk” umzusetzen und diese natürlich auch seine Gäste weiterzugeben. Alles in Anlehnung an die regionalen Gegebenheiten. „Ohne mein Team wäre das PIER 6 aber heute nicht da, wo es ist. Ich möchte nicht alleine im Fokus stehen”, erzählt er Nordkind Lena und mir. Lena kümmert sich heute um die Fotos. „Es war mir außerdem schon immer wichtig, mit jungen Menschen zusammen zu arbeiten. So haben wir hier angefangen und so machen wie hier auch weiter.”

Zurück im Geschehen. Steffen greift wieder zum Mikro. Die Live-Musik verstummt währenddessen: „Vielen Dank für Ihr und für Euer Vertrauen in mich und meine Mannschaft. Für mich ist das PIER 6 meine Familie”, fährt er mit seiner Rede fort und beginnt damit, jedes Team-Mitglied einzeln vorzustellen. Von knapp 20 sind heute 14 anwesend, 9 im Service und 5 in der Küche.

„Unser Louis zum Beispiel, unser Strahlemann. Er ist Student an der Hochschule und hat sogar Koch gelernt – nur leider war er für die Küche zu schlecht.” Louis lacht. „Oder unser Küken, meine Auszubildende Samira. Sie ist erst 16.” Beifall.

Besonders laut wird es, als Küchenchef Michael an der Reihe ist, dem Steffen am liebsten eine Fußfessel anlegen würde, wie er sagt. Michael greift selbst zum Mikro. Er ist für die gesamte Koordination des Menüs auf der „Küchenparty” verantwortlich: „Also, ich bin kein großer Redner. Das können die Kellner am besten. Aber eine Fußfessel brauche ich nicht. Keine Angst.” Er habe den Job im PIER 6 übrigens durch Zufall bekommen, erzählt Michael. „Wie Sie, war auch ich zu Gast im PIER 6. Und bin dort mit Steffen ins Gespräch gekommen. So einfach ist das.” Dem sei nichts mehr hinzuzufügen, sagt letzterer und bedankt sich bei allen anderen Beteiligten. Fehlt nur noch; „Guten Appetit. Viel Vergnügen. Cheers.” Jetzt kann es richtig losgehen.

Das Geheimrezept kommt an

Aber Moment! Wer hat sich denn da unter die Gäste gemischt? Meine Freundin Nicole. Inklusive Ehemann und ihrer/unserer Freundin Claudia, die ebenfalls in Begleitung ihres Mannes gekommen ist.. So schnell trifft man sich wieder. „Es gibt verschiedene Gründe, warum wir hier so oft hingehen”, holt Nicole aus. „Da wären einerseits die geilen Events und Veranstaltungskonzepte. So wie die Küchenparty heute. Oder die Bratwurstparty. Oder der Gin-Abend oder die Weinverköstigung mit passendem Menü. Oder die Kochkurse.” Okay, sie kennt sich mal wieder mit allem aus, denke ich. Und das Preis-Leistungs-Verhältnis sei einfach angemessen. Für die Qualität, die man hier eben bekomme.

Auch dabei: Janinas Freunde Nicole, Detlef, Alex und Claudia. (Foto: Privat )

„Und”, ergänzt Claudia, „das Fachpersonal. Das ist auch ein wichtiger Grund für mich. Ich habe immer das Gefühl, dass die Angestellten hier nie wechseln. Das zeigt mir als Gast aber ja auch, dass sie sich wohl fühlen.” Die zwei, beziehungsweise die vier, hätten das Team im Laufe der Jahre gut kennen und auch „lieben” gelernt. „Die Atmosphäre bekommt dadurch etwas sehr familiäres, aber auch etwas lockeres.”

Auch das „Küken”, wie Steffen Samira eben genannt hat, bestätigt: „Ja das stimmt, ich fühle mich hier wirklich sehr wohl.” Die 16-Jährige kommt eigentlich aus Wiesbaden. „Es ist schön an der Küste.” Sie sei durch ihren Bruder zur Gastronomie gekommen, erzählt sie noch. Er arbeite als Restaurantfachwirt und habe sie mit seiner Leidenschaft angesteckt.

Das Menü: Genuss und Event in einem

Kommen wir nun zum Wichtigsten, dem Essen. Nein, Spaß beiseite. Aber Lena und ich haben zugegeben schon den ganzen Tag Hunger. Wir sind sozusagen in freudiger Erwartung. Als es soweit ist, bahnt sich Reizüberflutung an. Die Küchenparty macht ihrem Namen alle Ehre: Los geht es mit kleinen Vorspeisen, die an die Tische gebracht werden. Frischkäsepralinen, geräucherte Garnelen und Quiche Lorraine beispielsweise. Genauso wie roh marinierter Seeteufel mit Algen-Kaviar. Überall im Restaurant werden indes verschiedenen Stationen mit Essen befüllt. Die Hauptspeisen. Draußen steht ein Zelt, in dem gegrillt wird.

Vom Grill probieren Lena und ich Kachelfleisch vom bunten Bentheimer Landschwein und einen Gyros-Griller, mit Kräuterbutter, Grill-Sauce und BBQ-Sauce nach Art des Hauses. Wenn schon denn schon. Im Nachhinein übrigens Lenas Favorit. „Ihr müsst alles probieren”, sagt Steffen, der draußen zur Unterstützung mitarbeitet.

Danach ist die Küche an der Reihe: Zuerst die Maronen-Cremesuppe mit Orangenfilet – mein kleines, aber feines Highlight -, dann der Beef Burger „PIER 6“ vom Argentinischen Rind, mit Tomate, eingelegter Gurke, Zwiebel-Rosmarin-Confit, Bacon und Rucola. Außerdem die Wirsing-Roulade mit geröstetem Bulgur, Balsamico-Champignons und Paprika-Schaum. Mehr geht hier (leider) für uns noch. Schließlich wartet das Buffet im Restaurant noch.

Kurze Gin-Pause für mich. Lena nimmt etwas Anti-Alkoholisches aus Quitten. Danach auf zur nächsten Station: Roastbeef und Schweinekamm mit Dörr-Pflaumen. Dazu herbstliches Gemüse, Rahm-Wirsing, Kartoffel-Gratin, Lyonner Kartoffeln und Rotwein-Jus. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte mal so viel gegessen habe. Vielleicht an Weihnachten. Wobei? Nein.

Wieder Pause. Für uns jedenfalls. Wir warten auf das Gästebuch, ein kleines Geschenk für Steffen, in dem sich jeder eintragen soll. Team-Mitglied Janica geht mit einer Polaroid-Kamera durch das Restaurant. „Schaffen wir noch was?”, frage ich Lena. „Nein, eigentlich nicht. Aber Nachspeise muss trotzdem!” Also auf. Es warten gefüllte Pfannkuchen mit lauwarmen Kirschen und eine Eisbar. Unter anderem mit weißem Kaffee-Eis, Marillen- und Sanddorn-Sorbet. Unsere Wahl fällt jedoch auf mehrere Früchte-Spieße, die wir in den Schokoladen-Brunnen tauchen, und Desserts im Glas. Ich probiere die Vanille-Creme und Lena die Lebkuchen-Mousse. Nach kurzer Absprache: beides lecker!

Um das Essen abzurunden, entscheide ich mich außerdem dazu, noch ein weiteres Glas von meinem Lieblings-Wein des heutigen Abends zu trinken, einem 2016er Weißburgunder (trocken). Auch, wenn er nicht unbedingt zu meiner Nachspeise passt. Egal. Ich unterhalte mich kurz mit Steffen und den beiden Someliers, die er eingeladen. Sie kümmern sich heute um die Weine. „Wein ist mein großes Hobby”, sagt Steffen. „In den letzten 5 Jahren habe ich unser Angebot im Restaurant von 30 auf 140 Positionen erweitert.”

Viele Grüße von NORDKIND

Was für ein Abend! So viele Eindrücke, so gutes Essen und Trinken, so viel Gastfreundschaft. Bleibt an dieser Stelle nur noch „Danke” an Steffen und sein Team zu sagen: „Für uns seid ihr aus der Gastronomie-Szene in Bremerhaven nicht mehr wegzudenken. Wir freuen uns jedes Mal über euch zu berichten. Und wir freuen uns jedes Mal bei euch zum Essen vorbeizuschauen. Auf die nächsten 5 Jahre!”

Nordkind Lena und Nordkind Janina haben sich im Gästebuch verewigt. (Foto: Lena Gausmann)

Überblick

PIER 6
Barkhausenstraße 6 in Bremerhaven
Telefon: 0471/48364080
Öffnungszeiten: montags bis samstags 10 bis 23 Uhr
Küche: 11.30 bis 14 Uhr sowie 18 bis 21.30 Uhr
www.restaurant-pier6.de

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Janina

Über Janina Kück

Hat zwei Herzen in ihrer Brust: Das einer kleinen Madame mit einem Faible für französische Mode - Ringelshirts, rote Lippen und Kurzhaarschnitte - und das eines RockʹnʹRoll-Girls, für das laute und wilde Konzerte genauso wichtig sind wie Sauerstoff. Ihre Liebe für Rotwein und Kaffee ist irgendwo dazwischen. Genauso wie ihre dunkle Leidenschaft für Pete Doherty.

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