Geschmolzener Käse und gutes Brot sind so ungefähr der Himmel auf Erden an einem regnerischen Tag.

Foto: Findus

Gemütlichkeit vom Feinsten im Findus

Die Regentropfen an der Scheibe können mir gar nichts mehr. Ich bin drin im Findus. Der weiche, gemütliche Sessel und der Goldbecher sind alles, was ich brauche, wenn es draußen stürmt. Inhaber Christian Brinker ist Bäcker und serviert geschmolzenen Käse in einem Becher aus knusprigem Brot. Das ist so einfach und so genial, dass ich fast immer das Gleiche bestelle. Den Trick, wie man den Goldbecher am besten isst, hat er mir natürlich schon lange verraten.

Das Findus und die kleine Familie sind ein Gesamtpaket. (Foto: Dörthe Schmidt)

Christian macht alles Mögliche mit Brot. Das ist sein Element. „Brote haben die schönste Seele. Die geben mir am meisten“, sagt er. „Ich mag das Leben im Brotteig. Feingebäck ist eher so Tüddelkram.“ Er knetet Pesto-Wirbel in das Brot oder würzt es mit Curry und Thymian. Und als wären die weichen Brote mit dicker Kruste nicht schon lecker genug, gibt es noch hausgemachte Aufstriche für oben drauf. Damit hat Christian jedoch gar nichts zu tun. Denn alles, was keine Brote sind, hat Freundin und Inhaberin Fiona Steller gezaubert.

Preislos Glücklich

Das Findus ist ein kleines Zuhause mitten in der Alten Bürger. Man fühlt sich dort wie bei Freunden zu Besuch. Das liegt aber nicht nur an der gemütlichen Einrichtung, sondern auch an Christian und Fiona. Sie sind offen und freundlich. Fiona trägt manchmal ihren kleinen Sohn Adam auf dem Arm, wenn sie die Bestellung aufnimmt. Christian nimmt sich Zeit für Gespräche.

Sie sind anders. Ihre Lebenseinstellung basiert nämlich auf Vertrauen und Solidarität und das haben sie im Findus umgesetzt. Jeder darf so viel bezahlen, wie er möchte und wie viel er für richtig hält. Auf der Speisekarte gibt es keine Preise. Und es funktioniert. „Ich bin echt jedes Mal total froh, wenn ich davon erzählen darf“, sagt Fiona. „Es funktioniert. Manche bezahlen ein bisschen mehr, manche ein bisschen weniger. Es kommt immer hin.“

Mit dem Café erfüllt Fiona ihrem jüngeren Ich einen tiefen Wunsch. Denn als Jugendliche hat sie solch einen Laden in Bremerhaven vermisst. Dass sie selbst einmal Geschäftsführerin sein würde, war jedoch nicht ihr Plan. „Ich habe mir immer vorgestellt, Ideengeberin zu sein.“ Als sie Christian kennenlernte, fand sie in ihm den perfekten Gegenpart, um sich selbständig zu machen. Und weil das Kulturcafé immernoch in der Alten Bürger fehlte und Christian schon immer einen Ort suchte, an dem er Brot backen kann – ohne den ganzen „Tüddelkram“ – gründeten sie es selbst. Sie bieten wöchentlich wechselnde Gerichte an, riesengroße Kekse von „Brownies und Cookies“ und manchmal gibt es Kuchen.

Mehr als nur gutes Essen

Zu dem Konzept des Kulturcafés gehört aber noch mehr als das gute Essen. Das Findus ist auch ein Veranstaltungsort und offen für frische Ideen. Zum Beispiel finden dort ein regelmäßiger Kleidertausch statt, Spiele- und Strickabende, aber auch Konzerte. Außerdem hängt an den Wänden immer Kunst. Die Räumlichkeiten gehören eigentlich der Werkstatt 212, einem Kunstatelier. Zur Zeit präsentiert sich dort die Ausstellung „Spoons“. Noch bis zum 21. Mai darf jeder an dem Kunstprojekt teilnehmen. Ab sofort ist das Findus auch ein Depot für die Solidarische Landwirtschaft. Mitglieder können sich dort ihr Gemüse holen.

kochen nach Gefühl

Kaum zu glauben, aber die beiden arbeiten ganz ohne Rezepte. „Wir entwickeln die Gerichte nach Gefühl“, sagt Christian. „So schmeckt es jedes mal ein bisschen anders“, so Fiona. Ob Gemüsecurry, Erbsen-Minz-Mousse oder bunte Gemüsesuppe – alle Gerichte entstehen erst beim Kochen.

Mein Lieblingsessen, der Goldbecher, schmeckt auf alle Fälle jedes Mal lecker. Und er tröstet mich nicht nur bei Regenwetter – ich freue mich sogar ein bisschen über dunkle Wolken am Himmel. Weil ich dann mal wieder einen guten Grund habe, im Findus vorbei zu schauen.

Ach ja, und der Trick wie man den am besten isst? Man bricht das Brot und tunkt es in den geschmolzenen Käse. Nach und nach verschwinden so Becher und Inhalt in meinem Mund.

Überblick

Findus – Die gute Stube für Esskultur
Bürgermeister-Smidt-Straße 212 in  Bremerhaven
Telefon: 0171/4301098
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag
von 15 bis mindestens 22 Uhr
www.findusesskultur.de

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Dörthe

Über Dörthe Schmidt

Besitzt mehr Ohrringe als sie zählen kann und hat auch schon mehr davon verloren, als sie je zugeben würde. Isst schon seit Jahren vegetarisch, wird jedoch schwach bei Marshmallows am Lagerfeuer. Liebt die Natur, Handarbeit und Weltverbesserer.

2 Comments

  1. Türkay

    Hi 😊
    Das Lokal Findus kannte ich bisher gar nicht. Hört sich gemütlich und sympathisch an. Bin schon sehr gespannt und freue mich darauf dort vorbeizuschauen.

    Euer Blog gefällt mir übrigens sehr gut 😊

    Lieben Gruß, Türkay

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