Foto: Janina Kück

Brownies&Cookies: Amerikanische Sünden an der Nordsee

„Jeder Krümel ein Genuss”, diese vier Worte beschreiben die Motivation von John Reinhardt, Inhaber der Bäckerei „Brownies&Cookies”, am besten. Direkt an der Nordseeküste bietet er amerikanische Sünden an: „Peanut Lover mit Kiss Cookie”, „Salty Caramel Cookie” und „Carrot Cake” sind nur drei Highlights in ihrem süßen Sortiment. Meine Freundinnen und ich haben uns der Versuchung hingegeben und die Backwaren einem Geschmackstest unterzogen.

Es ist sonnig draußen. Ein wundervoller Spätsommertag. In Wremen am Fischereihafen haben sich dementsprechend viele Fahrradfahrer und Hundebesitzer eingefunden. Meine Freundinnen und ich haben allerdings nicht vor, uns diesen Naturliebhabern anzuschließen und einen ausgedehnten Spaziergang am Wasser zu machen. Wir wollen uns auch kein Fischbrötchen gönnen oder an Bord eines Krabbenkutters gehen. Nein, Tina, Nicole und ich haben es auf einen der drei Standpunkte von „Brownies&Cookies” abgesehen. Mission: Cookie-Test.

Vorab etwas zur Philosophie hinter „Brownies&Cookies”: Amerikaner John Reinhardt und seine Frau Michaela haben es sich auf die Fahnen geschrieben, ein Stück – besser gesagt einen Bissen –  amerikanischer Backwaren-Kultur nach Deutschland zu holen. Alles frisch, alles nach Familienrezept gebacken. Oder nach neu ausgetüftelten Kreationen. Bei John und Michaela heißt es andauernde Freude und nicht traurige Massenproduktion. Kein Cookie soll haargenau so aussehen wie der andere.

Wer möchte, kann auch größere Bestellungen bei den beiden in Auftrag geben. Für Hochzeiten zum Beispiel. Anlaufstellen dafür hat „Brownies&Cookies” dafür drei: ein Café in der Pressburger Straße, einen Stand in Wremen und einen weiteren auf dem Wochenmarkt in Geestemünde. Gebacken werden die typisch amerikanischen Backwaren bei Bäckerei Dahl in Wremen.

„Brownies&Cookies“: Stand in Wremen am Fischereihafen. (Foto: Janina Kück)

Zu viel Kekse ist relativ

Aber nun zu unserer selbst auferlegten Cookie-Mission. „Wir hätten gerne alles”, scherze ich mit John, der uns freudig begrüßt. Er und meine Freundin Nicole kennen sich. „Ach, du hast das Raubtier mitgebracht”, begrüßt er Nicoles schwarze Labrador-Hündin Emma, die in Wahrheit natürlich alles andere als bissig ist.

„Bagels haben wir hier aber nicht”, sagt John anschließend. Er weiß, dass Nicole ein großer Fan ist. „Kein Problem”, antworten Tina und ich beinahe in einem Atemzug. Wir beide waren vorher noch nie bei seinem Stand in Wremen. „Ich denke, dass uns die restliche Auswahl genügen wird, auch ohne die Bagels”, antwortet Nicole. „Na, dann schießt mal los ihr drei!”. Aufgefordert und getan. Wir entscheiden uns für: einen Salty Caramel Cookie, einen veganen Chocolate Chip Cookie, einen Peanut Butter Lover mit Kiss Cookie, einen Schoko Smilie Cookie, einen Lemon Cake, einen Carrot Cake, einen Cheese Cake, einen Classic Chocolate Brownie sowie drei Cupcakes (Tiramisu, Chocolate, Strawberry).

„Wenn ihr danach noch laufen könnt, ziehe ich meine Cappy vor euch”, sagt John daraufhin. Scherzhaft, aber dennoch mit einer gewissen Beunruhigung in seinem Blick. Na ja, so viel ist es nun auch wieder nicht, finden wir. Die ausgewählten Cakes zum Beispiel sind schließlich nicht so groß. Eher kleine Häppchen. Außerdem haben wir vor, alles schwesterlich durch drei zu teilen.

American Feeling in Wremen

Bei unserem Test fangen Nicole, Tina und ich mit den Cookies an: „Oh Gott, ihr müsst den mit Karamell probieren. Diese salzige Note, hmm”, meint Tina. „Aber der mit Erdnussbutter ist auch geil”, erwidert Nicole. Und was soll ich sagen, sie haben beide Recht. Jeder Krümel ist hier tatsächlich ein Genuss. Das Motto verspricht nicht zu viel. Und ich habe in diesem Moment wirklich das Gefühl, einen süßen Bissen Amerika in meinem Mund zu haben. Das USA-Feeling macht sich insbesondere daran bemerkbar, dass alle Cookies, die wir probieren, noch etwas weich in der Mitte sind. So wie es sich eben für die Originale gehört.

Dass es sich bei einem der vier Kekse um eine vegane Variante handelt, hat mir John im Vorfeld übrigens nicht verraten. „Der helle da? Das sage ich dir nicht. Ich bin mal gespannt, ob ihr rausbekommt, welche Zutaten da drin sind.” Keine so große Sache für Back-Expertin Tina: „Der ist im Vergleich mehliger als die anderen und auch deutlich fester. Ich denke mal, dass da kein Ei drin ist.” Treffer versenkt.

Cookies make the world a better place.

Als nächstes sind die Cakes an der Reihe: Der Cheese Cake schmeckt frisch und hat einen sehr quarkigen Beigeschmack. Der Brownie hingegen strotzt nur so vor einer intensiven Schokoladennote. Lemon und Carrot Cake sind beide sehr schlonzig und ebenfalls intensiv im Geschmack. In letzterem sind anscheinend viele unterschiedliche Weihnachtsgewürze verbacken worden.

Waren wir uns bei den Cookies noch einig, gehen unsere Meinungen in puncto Kuchen jetzt auseinander. Für mich ist es der Brownie, der am meisten überzeugt. Mit seinem intensiven Schoko-Geschmack. Typisch für mich. Der Klassiker mal wieder.

Nach einer kurzen Kaffeepause ist es Zeit für die Cupcakes: Vielleicht sind die Vorgänger daran Schuld – am Ende unseres Tests sind wir allerdings weniger von dem begeistert, was uns da vom weißen Teller aus anlächelt. Wobei „weniger begeistert” nicht heißt, dass es uns nicht schmeckt. Es geht nun mal um den reinen Vergleich. „Ui”, sagt Tina und zieht die Stirn hoch. „In dem Topping vom Schoko-Cupcake ist Buttercreme, oder? Das ist mir zu mächtig.” Nicole und ich kommen zum gleichen Ergebnis, obschon wir Buttercreme lieber mögen als sie.

Danach legen wir Löffel an die Cupcake-Variante mit Erdbeeren. „Geschmacklich wie eine Torte”, meine ich. „Das wäre wirklich etwas für Hochzeiten.” Besonders spektakulär wird dieser Cupcake durch seinen flüssigen Kern aus Erdbeersauce. Lecker und schön fruchtig. Der Kern des Tiramisu-Cupcakes kann jedoch mithalten: Als ich letzteren zur Krönung unseres Tests vorsichtig aus dem Förmchen lösen will, fällt der Teig fast auseinander – mit so viel leckerem Kaffee ist er durchtränkt worden.

Halten wir fest: Oh Wunder, wir finden alles lecker. Unser Ausflug diente natürlich von vornherein nicht dazu, einen harten Michelin-Geschmacks-Test zu machen. Er war dazu gedacht, ein paar schöne Stunden gemeinsam zu verbringen. Und das bei äußerst schmackhaften Leckereien. 6 Daumen hoch also für die amerikanische Bäckerei. Ihr habt uns mehr als überzeugt!

Die Nachwehen der Cookie-Orgie

Was für eine Aussicht: Neben Kuchen und Keksen hat Wremen auch landschaftlich etwas zu bieten. (Foto: Janina Kück)

Ganz unbegründet ist Johns subtile Warnung am Anfang nicht gewesen: Alles auf einmal zu bestellen und durcheinander zu probieren, ist eine ziemliche Zerreißprobe für unsere Mägen. Das merken wir schnell. Aber das macht uns auch nichts. Es hat sich geschmacklich schließlich gelohnt. Und für den Cookie-Nachschub ist ebenfalls gesorgt: „Ich stehe einfach mehr auf Mischungen mit Nuss”, so Tinas Begründung für die volle Tüte, die sie in ihre Handtasche steckt. „Und hatten wir eben welche mit Nuss? Nein!”.

Abschließend schlendern wir noch ein wenig am Hafen entlang. Um unseren Mägen und Labrador Emma einen Gefallen zu tun. Sie hat uns schon die ganze Zeit mit ihren großen, hungrigen Augen angeguckt. Die Arme. Dabei hat es doch nur kurze Zeit vorher Essen für sie gegeben.

Überblick

Brownies&Cookies
Telefon: 0174/9404478
www.brownies-cookies.de

Innenstadt:
Pressburger Straße in Bremerhaven
Öffnungszeiten: dienstags, donnerstags und freitags 12 bis 18 Uhr, mittwochs 14 bis 18 Uhr.

Wremer Fischereihafen:
Strandstraße 61 in Wurster Nordseeküste
Öffnungszeiten: täglich 12 bis 18 Uhr („außer bei Schietwetter”).

Wochenmarkt in Geestemünde:
Max-Dietrich-Straße 23 in Bremerhaven
Öffnungszeiten: mittwochs und samstags 7 bis 13 Uhr.

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Janina

Über Janina Kück

Hat zwei Herzen in ihrer Brust: Das einer kleinen Madame mit einem Faible für französische Mode - Ringelshirts, rote Lippen und Kurzhaarschnitte - und das eines RockʹnʹRoll-Girls, für das laute und wilde Konzerte genauso wichtig sind wie Sauerstoff. Ihre Liebe für Rotwein und Kaffee ist irgendwo dazwischen. Genauso wie ihre dunkle Leidenschaft für Pete Doherty.

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