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Ist das noch öko? Drei Avocados brauchen 1000 Liter Wasser

Sie ist grün. Sie ist vitaminreich. Und: Sie ist in aller Munde, wortwörtlich. Die Avocado. Die sozialen Netzwerke sind voll von ihr, ein Geheimtipp ist der Dauergast der veganen Küche schon längst nicht mehr. Doch was viele nicht wissen: Der Avocado-Hype hat auch seine Schattenseiten. Denn während wir uns die süßen Früchte schmecken lassen, passieren am anderen Ende der Welt Dinge, die uns die Supermarkt-Etiketten verschweigen. Fragwürdige Arbeitsbedingungen, umweltbelastender Transport und Wassermangel in den Anbauländern: Das Image der Avocado bekommt Risse.

Allein die Zahlen sind erschreckend. Für ein Kilo, das sind drei Avocados, braucht man bis zu 1000 Liter Wasser. Zum Vergleich: Für die Produktion von einem Kilo Tomaten benötigt ein Bauer im Schnitt rund 180 Liter Wasser. Zu stören scheint das die wenigsten. Im Gegenteil. Die Nachfrage hierzulande ist so groß wie nie. Wurden 2008 noch gut 19.000 Tonnen nach Deutschland importiert, waren es 2016 immerhin gut 58.000 Tonnen, also ungefähr drei Mal so viel.

Der Avocado-Boom hat Folgen: Weil sich mit den Früchten viel Geld verdienen lässt, werden mehr und mehr Plantagen aus dem Boden gestampft. Überwiegend betrifft das Mittel- und Südamerika, wo die Temperaturen ideal sind für den Anbau. Einer der weltweit größten Avocado-Exporteure ist Chile. Viele Regionen des Landes leiden unter akutem Wassermangel. Flüsse sind ausgetrocknet, teilweise muss die lokale Bevölkerung über Tanklaster mit Wasser versorgt werden – eine Notlösung.

Wasser für die Frucht, aber kein Wasser für die Menschen

Gleichzeitig, und das ist das Perfide, werden Tausende Hektar auf den Avocado-Plantagen mit künstlichen Staubecken bewässert. Derweil sitzen die Menschen auf dem Trockenen. Wasser für die Avocados? Kein Problem. Wasser für die notleidenden Menschen? Ist nicht drin. Nicht nur, dass viele trockene Regionen ohnehin wasserarm sind. Dadurch, dass die Wasserrechte in Chile größtenteils privatisiert sind, können die großen Plantagen viel Wasser für den lukrativen Avocado-Anbau abzweigen – und das ganz legal.

Kleinbauern verlieren Existenz

Tausende Kleinbauern haben inzwischen ihre Existenz verloren – verdrängt von einigen wenigen Betrieben, in deren Hände sich de facto der große Teil des Avocado-Exports konzentriert. Sie sind es, die die Wasserrechte haben. Die über unterirdische Drainagen Wasser in ihre Plantagen pumpen und bisweilen sogar die Wasserrechte missachten.

Transport ist aufwändig und klimaschÄdlich

Der Wassermangel ist nicht das Einzige beim Avocado-Handel, das einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Auch der Transport ist alles andere als klimafreundlich. Denn die empfindliche Superfrucht will nicht nur super-aufwändig verpackt werden, sondern muss über den gesamten Transport künstlich temperiert werden. Erst wird sie mit Frachtschiffen nach Europa verschifft, dann geht ihre Reise mit dem Lastwagen weiter – Tausende Kilometer – bis sie schließlich in den deutschen Supermärkten landet. Beworben als trendige Ökofrucht. Eine Unwahrheit. Denn grün ist bei der Avocado nur die Schale.

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